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Zeitung für die Landeshauptstadt

02. Dezember 2016 | 23:18 Uhr

Zittows Vereinsleben : Ein Förderverein für fünf Türme

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kirchbauten am Ostufer des Schweriner Sees bekommen noch mehr Unterstützung

Viel zu früh in diesem Jahr tragen die Linden auf dem Zittower Friedhof schon die Last des Winters. Eiskristalle haben sich an die Äste der betagten Bäume geklammert und drücken sie nach unten. Die Bäume wurden einst so gepflanzt, dass sie eine Allee bilden, die die Kirche aber nicht vollständig umrundet. Lutz Camin mag diese Allee. Die sanierte Kirche, den Friedhof und die alte, baufällige Kapelle auch. All das hat Geschichte. All dies, sagt er, habe auch Geschichten zu erzählen. Geschichten, die Camin und viele Mitstreiter in Zittow und an vier anderen Orten am Ostufer des Schweriner Sees im Territorium der Kirchgemeinde Zittow-Retgendorf bewahren wollen.

Lutz Camin ist 68 Jahre alt, Rentner und seit Anfang Oktober Vorsitzender des „Fördervereins Fünf Türme“, der sich gerade in der Gründung befindet. Mit Vereinen kennt sich Lutz Camin aus, ist bereits in zwei weiteren engagiert. Ein Vorteil, wenn es darum geht, einen neuen Verein aus der Taufe zu heben. Erst gab es die ordnungsgemäße Gründungsversammlung, dann wurden die Vorstandsposten verteilt. Sieben Mitglieder, so viele braucht es mindestens, um einen Verein zu gründen. „Wir waren bei der ersten Versammlung in der Kirche Buchholz schon 25“, sagt Camin. Dann ging es zum Finanzamt, das derzeit die Gemeinnützigkeit prüft. Gibt das Finanzamt grünes Licht, dann wird sich ein Notar darum kümmern, dass der Förderverein beim Amtsgericht eingetragen wird. Die administrativen Weichen sind gestellt, dem Verein Leben einzuhauchen, dafür haben sich jetzt bereits 27 Aktive gemeldet. Doch was genau wollen diese machen? „Wir wollen uns bemühen, die Heimatgeschichte der Region durch Schwerpunktprojekte im Bereich der Bauhistorie und Denkmalpflege, der Kultur und Kunst im Bewusstsein der Bevölkerung wach zu halten“, sagt Lutz Camin. Dafür sollen Arbeitsgruppen gebildet werden. Entwicklung Friedhöfe und Umfeld, Bauliche Erhaltung, Kunst und Kultur, Chronik/Historischer Bestand – das sind Themenschwerpunkte. Hoffmann von Fallersleben, der fünf Jahre lang in Mecklenburg gelebt und gewirkt hat, auch. Ursprünglich habe es die Überlegung gegeben, dass sich der Freundeskreis Hoffmann von Fallersleben als Verein konstituieren könne. Doch mit der Gründung des Fördervereins Fünf Türme haben sich die Mitglieder breiter aufgestellt.

Der Friedhof in Zittow ist mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Krähen segeln durch die Luft, irgendwo blöken ein paar Schafe. Ansonsten: Stille. Wer Ruhe sucht, findet sie hier. Und er findet eine sanierte Kirche mit Friese-Orgel, Kanzel, Patronatsgestühl und Sakristei, in der die Deckenmalerei bei Zeiten mal wieder ganz zu sehen sein soll. Das kleine Dorf Zittow hat etwas zu bieten. „Und das wollen wir erhalten und zeigen“, sagt Lutz Camin.

Auch die Kirchbauten und kirchlichen Ensembles in Buchholz, Cambs, Langen Brütz und Retgendorf haben etwas zu bieten. Der Förderverein hat viele Ideen, diese der Öffentlichkeit zu präsentieren, noch begehbarer zu machen, zu erklären und zu nutzen. Eine feste Ausstellung zu Hoffmann von Fallersleben in Buchholz zum Beispiel. Die Sanierung des Glockenturms in Langen Brütz oder die Umnutzung des Nebengebäudes in Retgendorf als Kinder- und Kulturscheune stehen ebenso auf der Agenda wie die Restaurierung des mittelalterlichen Altars in Retgendorf.

„Wir wollen auch Leute ansprechen, die nicht so viel mit der Kirche zu tun haben“, erklärt Lutz Camin, spricht von Vorträgen und Veranstaltungen, die ein Dorf lebendig und erlebbar machen. Altes bewahren, erhalten und es zeitgemäß nutzbar zu machen, das ist das Ziel des Fördervereins. Einen Friedhof, so wie den in Zittow, zukünftig als Arboretum zu nutzen – für Lutz Camin und die anderen Förderverein-Mitglieder ist das ein schöner Gedanke. Und für die, die im Dorf wohnen oder dort mal zu Besuch sind, bestimmt auch.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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