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Zeitung für die Landeshauptstadt

08. Dezember 2016 | 10:57 Uhr

Landwirtschaft Müsselmow : Eggen, säen und auf Regen warten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte der Region sind mitten in der Herbstbestellung – doch der harte Boden macht die Arbeit derzeit zur Materialschlacht

Sonnige Tage, strahlend blauer Himmel – Bilderbuchwetter. Für die Landwirte in der Region ist es das nicht. Sie brauchen Regen. Die vergangenen Tage seien viel zu trocken, der Boden hart wie Beton oder staubige Wüste. Einige Bauern sprechen von einer „Materialschlacht“. „Der Staub setzt sich in die Lager, beim Schmieren müssen wir aufpassen“, erklärt Hansjörg Rotermann. Der Zickhusener Landwirt hat in der vergangenen Nacht den ersten ersehnten Regen bekommen. „Wir hatten zwei Millimeter in Alt Meteln und elf in Moltenow. Das war schon wieder zu viel des Guten. Wir konnten nicht weiter drillen. Es passt halt selten zu einhundert Prozent“, sagt Rotermann. In diesen Tagen kommt der letzte Weizen in den Boden. Auf 1600 Hektar der Agrargemeinschaft Lübstorf wird Weizen angebaut, 1300 wurden bereits bestellt. Die ersten Erfolge seien schon zu sehen. „Gut zwei Wochen braucht der Weizen, dann läuft er auf. Und dafür braucht er Regen“, sagt Rotermann. Doch für den noch auf den Feldern stehenden Mais möchte der Zickhusener kein weiteres Nass von oben. „Ein bisschen feucht ist in Ordnung. Aber bitte keinen weichen Boden, das fährt sich nicht“, sagt der Bauer und weiß um die Realität: „Tja, aber wir sind ja nicht bei wünsch’ dir was. Wir leben mit dem, was kommt oder eben nicht“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. In Müsselmow kommt die Gerste jetzt in den Boden. Meterhoch schwebt die Staubwolke über dem Acker, als der Traktor mit Kreiselegge und Sämaschine zur nächsten Bahn ansetzt. „Es ist viel zu trocken, wir brauchen dringend Regen“, beklagt Landwirt Stefan Wille genannt Niebur. Seine Sämaschine zieht mit gerade einmal 8 bis 10 Stundenkilometern über die Ackerflächen. Auf 62 Hektar werden die kleinen rosafarbenen Gerstenkörner verteilt. Das ist nicht ihre natürliche Farbe. Das Saatgut ist gebeizt. „Die Beize richtet sich in erster Linie gegen samen- und bodenbürtige Erreger“, erklärt der Landwirt. So könne er Krankheiten wie Schneeschimmel, Stengelbrand und Fusarium vorbeugend. „Es ist die kostengünstigste und umweltverträglichste Krankheitsbekämpfung“, so Anbauberater Thomas Schmidt. Zwischen 150 und 200 Milliliter kommen auf 100 Kilogramm.

Mit dem Saattermin liegt Stefan Wille genannt Niebur im zeitlichen Rahmen. „Für die Gerste ist der 25. September ideal. Säen wir zu früh, kann es zu Problemen mit Pilzbefall oder Auswinterungen kommen“, weiß der Plater. In wenigen Tagen wird er die ersten Ergebnisse auf den Flächen sehen – sofern genügend Regen kommt. Ernten kann er aber erst im kommenden Juli. Dann ist die Gerste reif und kommt vom Halm. Auf einen guten Preis am Markt muss der Landwirt nicht warten: „Die Gerste bleibt im Betrieb und wird in meinen Schweinen veredelt“, sagt Stefan Wille genannt Niebur. Insgesamt 700 Sauen hält er im geschlossenen System. Bis die Gerste aber auf deren Teller landet, ist viel Arbeit nötig und Geduld gefragt.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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