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Zeitung für die Landeshauptstadt

08. Dezember 2016 | 23:03 Uhr

Litauer in Schwerin : Deutsch lernen und Tore schießen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Litauen nach Deutschland: Die Zwillinge Robertas und Erikas pendeln in ihrer neuen Heimat zwischen Schulbank und Fußballplatz

Eigentlich wissen Robertas und Erikas, was sie einmal werden möchten: Fußball-Profis. Jede freie Minute verbringen die beiden Zwillinge aus Litauen auf dem grünen Rasen, jagen dem runden Leder hinterher. Aber den 16-Jährigen ist auch klar: Ohne einen Abschluss kommen sie in Deutschland nicht weiter. Und so drücken Robertas und Erikas, die seit Januar in Schwerin leben, auch in ihrer neuen Heimat wieder die Schulbank. In einem Kurs in der Nebenstelle der Beruflichen Schule Technik in der Johannes-Brahms-Straße lernen sie erst einmal Deutsch.

Diana Ratkeviciene, die Mutter der Zwillinge, kam vor eineinhalb Jahren in die Bundesrepublik, arbeitet als Reinigungskraft in Schwerin, hat eine Wohnung im Mueßer Holz. Anfang des Jahres holte sie ihre beiden Söhne nach. Laima Möller, Diana Ratkevicienes Chefin, kümmert sich um die Familie, hilft als Dolmetscherin bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen. Es sei zunächst gar nicht einfach gewesen, den richtigen Ansprechpartner für die Ausbildung von Robertas und Erikas zu finden, sagt Möller. „Wir wurden hin- und hergeschickt.“ Doch nun habe sich die Lage geklärt. „Aber man muss schon am Drücker bleiben.“

Robertas und Erikas machen ein so genanntes Berufsvorbereitungsjahr für Ausländer (BVJA). Ein Jahr lang lernen sie intensiv Deutsch – 25 Stunden pro Woche. Im zweiten Jahr erhalten die Zwillinge dann Unterricht neben Deutsch auch in den Fächern Mathematik, Sozialkunde, Technologie und Sport, sammeln zudem praktische Berufserfahrungen. „Mit dem BVJA erwerben die Teilnehmer die Berufsreife, also einen deutschen Schulabschluss“, erklärt die Leiterin der Beruflichen Schule Technik, Petra Voß. Insgesamt vier BVJA-Klassen gibt es in der Brahmsstraße. Robertas und Erikas sind in ihrer Klasse mit 20 Schülern die einzigen Europäer. Aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und anderen Ländern kommen die weiteren jungen Leute, die in Deutschland ihre Zukunft sehen.

„Wir wollen bei unserer Mutter leben“, sagen Robertas und Erikas. In der neuen Umgebung hätten sie sich schon ganz gut eingelebt, berichten die Zwillinge. Ja, die deutsche Sprache sei nicht leicht und der Weg vom Mueßer Holz zur Schule in der Weststadt auch nicht gerade kurz. „Aber die ersten Vokabeln haben wir schon gelernt.“ In ihrer Klasse hätten sie außerdem bereits Freunde gefunden, mit denen sie sich auf Englisch verständigen könnten. Robertas kann sich vorstellen, mal als Jurist zu arbeiten. Dafür bräuchte er allerdings noch Abitur und Studium. Erikas ist noch unentschlossen. Etwas Handwerkliches vielleicht.

Und dann gibt es da ja auch noch den Fußball. Robertas spielt beim FC Mecklenburg, Erikas beim Schweriner SC Breitensport. Beide Jungs sind Stürmer, träumen von einer Karriere als erfolgreiche Kicker. In Deutschland, so hoffen sie, haben sie auch auf diesem Gebiet mehr Chancen als in Litauen.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 23:13 Uhr

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