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Zeitung für die Landeshauptstadt

02. Dezember 2016 | 19:10 Uhr

Plates Landwirtschaft : Der Milchpreis und andere Sorgen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Noch rollt täglich mit dem Tankwagen ein vierstelliges Minus vom Hof der Plater Agrargenossenschaft – Das soll sich aber bald ändern

Milch, Butter, Käse – die Preise in den führenden Discountern steigen um bis zu 1,20 Euro pro Kilo. Doch bei den Milchbauern in der Region ist von einem Aufatmen noch nichts zu merken. Bei ihnen komme diese Anhebung nicht an. „Wir merken einen kleinen Anstieg der Milchpreise, aber das ist wirklich marginal“, erklärt Katrin Kranert. Die Anlagenleiterin der Agrargenossenschaft Plate wacht über das Wohl der 560 Milchkühe und hat dabei auch so stets den aktuellen Milchpreis im Blick. Dieser käme langsam aus der Talsohle, aber eben auch nur langsam. „Im August lag er bei 23,5 Cent und jetzt sind wir aktuell im Oktober bei 26,5 Cent. Immer noch weit entfernt von den nötigen 40 Cent“, betont Katrin Kranert. Doch selbst wenn die 40-Cent-Marke erreicht wird, würde bei den Milchbauern im Land noch lange kein Wohlstand ausbrechen. „Wir brauchen ganz lange 40 Cent, um uns von dem Tal wieder zu erholen“, sagt die Anlagenleiterin. Denn noch sei es so, dass Tag für Tag ein vierstelliges Minus mit der Milch vom Hof gefahren wird. Dies immer mit anderen Zweigen innerhalb des Betriebes quer zu subventionieren, könne nicht im Sinn des Erfinders sein. Und selbst wenn wir 40 Cent für die Milch bekommen, so Kranert, könnten die Bauern gerade so davon leben. „Antrieb jedes Unternehmens ist es, Gewinne zu machen. Wenn wir Landwirte das tun, ist es verwerflich. Warum?“

Aber es ist nicht nur der Milchpreis, der ihr Sorgen bereitet. Auch viele andere Kosten steigen, wie beispielsweise für die Enthornung oder auch so scheinbar simple Sachen wie Ohrmarken. „Pro Marke sind das jetzt 1,50 Euro mehr pro Kalb, nur weil gleichzeitig mit dem Lochen noch eine Gewebeprobe entnommen wird. Ich brauche das nicht. Es ist aber neuer Standard“, erklärt die Platerin. Beim Kauf eines Autos müsse der Verbraucher jeden neuen Standard bezahlen, in der Landwirtschaft, sei klar, dass der Bauer draufzahlt. Das sei „nicht gerecht.“

Dennoch ist sie neuen Modellen gegenüber aufgeschlossen: „Arla will nun von uns gentechnikfreie Milch. Dafür gibt es einen Cent mehr. Der Aufwand ist wesentlich höher, doch wir machen mit“, erklärt sie und zeigt auf drei dicke Aktenordner im Regal und allein acht neue Blätter mit Verpflichtungserklärungen, Unterlagen für Mitarbeiterschulungen. „Und dann soll man auch noch 100 Prozent für die Tiere geben, das geht nur mit vielen Überstunden und zudem mit Freizeit, die man opfert“, sagt sie. Trotzdem ist ihr die Freude an ihrer Job nicht abhanden gekommen. „Ich liebe meine Arbeit. Und selbst ohne hunderte Vorschriften würde ich die Tiere nicht schlechter behandeln“, versichert sie.


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erstellt am 21.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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