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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. Juli 2016 | 15:59 Uhr

Schweriner Altstadt : Das Slawendorf unter dem Schloss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Archäologen finden bei Grabungen im Schlossinnenhof jahrhundertealte Reste einer Siedlung, zahlreiche Werkzeuge und Keramik

Dass auf der Schlossinsel schon vor 1000 Jahren eine Slawenburg stand, ist bekannt, und doch sind Grabungen dort noch immer spektakulär. So wie jetzt. „Die Landtagsverwaltung lässt derzeit einen Versorgungstunnel zwischen Haupt- und Gartenportal quer durch den Schlossinnenhof bauen, der die vielen, für den neuen Plenarsaal benötigten Leitungen, also Telefon- und Internetkabel, Elektroleitungen und vieles mehr aufnehmen soll“, erläutert Hendrikje Schmidt von der Bauverwaltung des Landtages. „Dafür ist selbstverständlich eine archäologische Begleitung eingeplant“, sagt Schmidt.

Und das ist gut so. Denn den Bodendenkmalpflegern eröffnet sich ein Eldorado. Obwohl die Schlossinsel durch die vielen Bauarbeiten in den vergangenen Jahrhunderten quasi schon umgepflügt wurde, finden Marlies Konze und Gert Reichelt vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege fast im Minutentakt Siedlungsreste. Derzeit legen sie in etwa einem Meter Tiefe unter dem jetzigen Pflaster ein Dorf aus der letzten slawischen Siedlungsphase frei, also aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Spektakulär ist der ausgezeichnet erhaltene Flechtfußboden eines Gebäudes mit vielen Staken und Pflöcken und eine Feuerstelle. Im Umfeld haben die Archäologen viele Fundstücke gesichert. „Wir haben außerdem zahlreiche, kunstvoll verzierte Scherben, die typisch für die jüngste slawische Siedlungsphase sind, geborgen“, sagt Konze. Hinzu kommen Werkzeuge aus Holz und Knochen sowie diverser Abfall wie Mist und Knochen von Haus- und Wildtieren, darunter viel Geflügel. Die Fundstücke werden gereinigt, dokumentiert und stehen dann für weitere Untersuchungen bereit. „Aus der Menge der Objekte können Schlussfolgerungen zur Ernährungsweise der Menschen gezogen werden, zur Tierhaltung und zu Futter- und Speisepflanzen, zu Parasiten und häufigen Krankheiten, zu dominanten Wildtieren und Bäumen und so weiter“, erläutert die Archäologin den Hintergrund der wissenschaftlichen Untersuchungen.

Wenn alles dokumentiert ist und die wichtigsten Funde geborgen sind, wird noch tiefer gebuddelt, und zwar sehr vorsichtig. Denn unter den jetzt freigelegten Zeugnissen der jüngsten slawischen Siedlungsphase vermuten die Archäologen noch weitere Vorgängersiedlungen, die in einer Tiefe von etwa 1,5 oder 1,8 Meter unter dem jetzigen Niveau liegen.

„Wir haben eine angemessene Zeitschiene für die Grabungen eingeplant, so dass der Zeitplan nicht gefährdet wird“, versichert Hendrikje Schmidt.

 

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erstellt am 15.Jul.2014 | 22:00 Uhr

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