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Zeitung für die Landeshauptstadt

26. August 2016 | 01:48 Uhr

Ehrensache : Das Schloss lässt ihm keine Ruhe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erst Technik-Chef, dann Referatsleiter: Werner Rudolph will auch als Rentner noch Führungen durch Schwerins Wahrzeichen anbieten

So ganz kann Werner Rudolph doch nicht vom Schweriner Schloss lassen. „Ich werde noch Führungen für besondere Gäste anbieten“, sagt er. Wohl kaum jemand kennt
das Wahrzeichen der Landeshauptstadt so gut wie der 65-Jährige. Mehr als 30 Jahre hat Rudolph in vorderster Linie im Schloss gearbeitet, Ende vergangenen Jahres ging er in den Ruhestand. Doch in Ruhe lässt ihn das Bauwerk noch lange nicht.

Am 1. Januar 1982 fing Rudolph als Bauleiter für technische Gebäudeausrüstung im Schloss an, zuständig insbesondere für Heizung, Lüftung und Sanitär. „Das Schloss beherbergte damals unter anderem noch die Pädagogische Schule, die Philharmonie, das Museum für Ur- und Frühgeschichte, eine Außenstelle der Musikhochschule Rostock, das Polytechnische Museum, die Kirchgemeinde und den VEB Denkmalpflege“, erzählt Rudolph. „Ein riesiges Gebäude mit enormen Bewegungsmöglichkeiten.“

Die technischen Anlagen freilich seien in keinem guten Zustand gewesen, berichtet der ehemalige Leiter. „Geheizt wurde noch mit Braunkohle und Briketts.“ Der Innenhof des Schlosses habe als Lagerstätte für Brennstoff gedient. Mitte der 80er-Jahre sei das Schloss dann ans Gasnetz angeschlossen worden. „Eine wesentliche Erleichterung“, sagt Rudolph, der auch Aufgaben außerhalb der einstigen Herzogsresidenz wahrnahm. So ist es unter anderem mit sein Verdienst gewesen, dass die Schleifmühle noch zu DDR-Zeiten wieder auf Vordermann gebracht wurde.

Auch nach der Wende konnte Rudolph im Schloss bleiben, hatte als Referatsleiter bei der neu geschaffenen Landtagsverwaltung zunächst praktisch den gleichen Tätigkeitsbereich wie zuvor, kümmerte sich außerdem um die Hausmeisterei, den Burggarten und Liegenschaften in der Schloss- und der Ritterstraße. Jedes Jahr den Weihnachtsbaum vor dem Schloss aufzustellen, fiel ebenfalls in sein Metier.

Und weil er alle Ecken und Winkel des Schlosses kannte, übernahm der Ingenieur für Maschinenbau auch noch eine ganz spezielle Rolle: Er wurde Schlossführer. „1000 Führungen habe ich wohl absolviert“, überschlägt Rudolph. Abseits der gängigen öffentlichen Routen sei er unterwegs gewesen, habe natürlich auch Bekanntschaft mit dem Schlossgeist Petermännchen gemacht.

Der schönste Platz im Schloss? Bei dieser Frage braucht Rudolph nicht lange zu überlegen. „Mein erstes und letztes Arbeitszimmer hoch oben im östlichen Turm des Gartenportals.“ Mit einer Träne im Knopfloch habe er am letzten Arbeitstag die Tür abgeschlossen, verrät der 65-Jährige. Mit Freude sei er bei der Arbeit gewesen, habe die Begeisterung von Einheimischen und Touristen für das Schloss gespürt, ständig dazulernen dürfen.

Ein bisschen allerdings hat sich Rudolph auch schon an das Rentnerdasein gewöhnt. Die Familie, das Eigenheim, der Garten, das Segelboot, die Mitgliedschaft beim Serviceclub Old Tablers – über Langeweile kann sich der gebürtige Erzgebirgler nicht beklagen. „Die Tage sind einfach zu kurz“, sagt er.

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erstellt am 14.Feb.2016 | 23:42 Uhr

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