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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. August 2016 | 11:48 Uhr

Wildtierverbot Schwerin : „Das ist wie bei einer Hexenjagd“

vom

Aida-Elefant sorgt für Riesen-Wirbel. Frankellos wehren sich gegen Vorwürfe. Vor Entscheidung Dialog auf Augenhöhe gefordert

Frankellos können es noch immer nicht fassen. Selbst beim Frühstück lässt sie eine Geschichte nicht los, die ihnen seit Tagen schmerzlich an die Nieren geht. Nachdem sich in der vergangenen Woche die Meldung „Intendant probt mit Elefanten“ (SVZ berichtete) wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland verbreitet hatte, löste das in den Medien und vor allem in Sozialen Netzwerken einen Riesen-Wirbel aus. „Dass unsere Elefantendame Mala bei Verdis Oper Aida bei den Schweriner Schlossfestspielen den Triumphmarsch anführen soll, hat uns schon ein wenig stolz gemacht“, sagt Sonni Frankello. Doch aus seinem Traum wurde über Nacht ein Albtraum.

Befürworter eines Wildtierverbots für Zirkusse, denen sich erst wenige Tage zuvor auch die Schweriner Stadtvertreter mehrheitlich angeschlossen haben,  finden die Idee des scheidenden Theater-Intendaten Joachim Kümmritz, große Tiere auf die Schweriner Sommerbühne zu holen,  nicht lustig und laufen dagegen Sturm.

„Das ist wie bei einer Hexenjagd“, sagen die Frankellos und ringen  um Fassung. Schon vor rund vier Jahren war Kümmritz auf der Suche nach tierischen Statisten für sein großes Theaterprojekt  nach Platschow gefahren – seit Ende der 1990er-Jahre Wahlheimat der Zirkusfamilie Frankello. Dabei hat er die Elefanten, Kamele, Seelöwen, Pferde, Lamas und Laufenten hautnah erlebt,  die Lebensgeschichte der Dickhäuter erfahren und die 31-jährige Elefantenkuh Mala offensichtlich ins Herz geschlossen.

Mala kam 1987, kurz vor dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens, das die Einfuhr von Wildtieren nach Europa streng regelt, zu den Frankellos. „Sie ist mit unseren Kindern zusammen aufgewachsen.“ Nicht nur der etwa gleichaltrige Sohn  Erwin, der als Dompteur längst in die Fußstapfen seines berühmten Vaters getreten ist, hat mit Mala ganz selbstverständlich gespielt. „Tiere und vor allem Elefanten gehören seit Generation zur Familie. Wir leben, leiden und freuen uns mit ihnen“, betont Sonni Frankello. Da bekomme der Begriff „Wildtier“ eine ganz andere Bedeutung. 

Seit Anfang an würden sich Experten in Platschow die Klinke in die Hand geben, darunter Verhaltensforscher, Tierpsychologen, Biologen mit Wildtierspezialisierung, zahlreiche Behördenmitarbeiter und Tiermediziner, berichten die Frankellos. Es würden die Haltungsbedingungen genau unter die Lupe genommen, Tieruntersuchungen vorgenommen, unzählige Auflagen erteilt und sogar Stresstests während der Fahrt der Dickhäuter im Spezialtransporter gemacht.

„Es gab stets positive Bewertungen“, sagt Sonni Frankello, der seit rund 45 Jahren mit Elefanten arbeitet. Er ist sich sicher: „Für Mala wäre der Auftritt auf der Opernbühne nichts besonderes. Ganz im Gegenteil, sie ist mit Begeisterung bei der Sache und hat mehrere Aida-Aufführungen in Stuttgart und Belgien ohne Probleme gemeistert“.

Das Echo aus Schwerin und darüber hinaus – wie Sonni Frankello sagt, von Leuten denen Sachkenntnis vielfach fehle – überrascht ihn sehr. Immer wieder wurde er in den zurückliegenden Jahren mit den Elefanten in die Landeshauptstadt geholt. 2005 gab es die Imagekampagne der Landesregierung „Einfach anfangen“. Da waren die Dickhäuter aus Platschow gefragte Fotoobjekte. Auch der Schweriner Zoo bucht seit 2001 regelmäßige  die grauen Riesen aus Platschow für Gastauftritte.

Unakzeptabel sei für Frankello die Tatsache, dass der Aida-Auftritt sogar für die Profilierung von Lokalpolitikern herhalten muss. „Der Schweriner Stadtvertreter Silvio Horn, der Oberbürgermeister werden will, spricht davon, dass der Elefantenauftritt dem Tierschutz mitten in Gesicht tritt. Gleichzeitig ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Schweriner Zoos, der Wildtiere in Gehegen ausstellt“, sagt Sonni Frankello  verärgert.

„Ich maße mir nicht an, über politische Entscheidungen in Schwerin zu richten. Wir stellen uns dem Dialog und erwarten, dass zeitnah Gespräche auf Augenhöhe stattfinden“, sagt Sonni Frankello. „Danach wird es eine Entscheidung geben. Das Wohl unserer Tiere hat Priorität, unabhängig vom wirtschaftlichen Schaden, der uns bei einer Absage droht.“

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erstellt am 19.Feb.2016 | 08:06 Uhr

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