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Zeitung für die Landeshauptstadt

29. Juni 2016 | 05:38 Uhr

Kreuzung wird sicher : Chausseehaus ist verschwunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gebäude des Straßenbauamtes stand seit vielen Jahren leer, jetzt wurde es abgerissen: Kreuzungsbereich soll übersichtlicher werden

Das Chausseehaus an der Landesstraße am Abzweig Demen ist weg. Bauarbeiter vom Straßenbau Brüel haben es abgerissen – im Auftrag des Straßenbauamtes Schwerin. „Wir wollen hier den Verkehrsknoten entschärfen, ihn übersichtlicher und vor allem verkehrssicherer gestalten“, sagt Dietmar Greßmann, Dezernent im Straßenbauamt.

Kraftfahrer kennen das Problem: Wer von der Landesstraße aus Richtung Crivitz kommend nach Demen abbiegen möchte, kann die Straße schlecht einsehen. Ebenso ist es umgekehrt. Das alte Chausseehaus stand unmittelbar an der Straße, erschwerte die Sicht. Nicht zuletzt deshalb wurde hier vor Jahren eine Ampel installiert und zusätzlich ein Verkehrsspiegel aufgestellt. Unfälle gab es trotzdem.

Das Gebäude war seit rund 15 Jahren unbewohnt. Zwischenzeitlich hatten es mal Hamburger gekauft. Aber am Zustand des Hauses änderte sich nichts, so erwarb das Straßenbauamt Schwerin das Haus wieder zurück.

Dietmar Greßmann: „Wir haben in den zurückliegenden drei Jahren intensiv überlegt, was wir mit diesem Chausseehaus machen können.“ Denn eins stand von vornherein fest: Als Wohnhaus kommt es nicht mehr in Frage. Nach zähem Ringen mit der Denkmalpflege und einem „langen Abwägungsprozess“, so Greßmann, wurde das Gebäude aus der Denkmalliste herausgenommen. So gab es schließlich grünes Licht für den Abriss.

Stehen bleiben wird hingegen das andere kleinere Gebäude aus Backstein: der einstige Stall. Hier haben sich im Laufe der Jahre Fledermäuse angesiedelt, und die stehen unter Naturschutz. Das Straßenbauamt hat das Gebäude so herrichten lassen, dass es mehr Öffnungen und damit zusätzliche Schlafplätze für die kleinen Säuger gibt. Auf dem Gelände, das im übrigen glatt geschoben wurde, sollen noch Nistkästen für Vögel aufgestellt werden.

Die Umgestaltung der Kreuzung soll noch in diesem Jahr erfolgen, sagt Dietmar Greßmann. Die Ampel soll abgeschaltet werden, denn mit dem Abriss des Hauses ist die Sicht auf die Straßen schon jetzt wesentlich besser geworden. Die neue Verkehrssituation soll mehrere Wochen lang beobachtet werden. Zeigt sich, dass die Ampeln überflüssig sind, werden sie abgebaut – natürlich nur in Abstimmung mit der Unteren Verkehrsbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Immerhin, so Greßmann, kostet die Unterhaltung der Ampelanlage im Jahr bis zu 10 000 Euro. Strom- und Reparaturkosten eingerechnet.

Chausseehäuser waren einst, so beschreibt es der Dezernent vom Straßenbauamt, sozusagen die erste Maut-Station im Land. Ein Chausseewärter beaufsichtigte einen Abschnitt und kassierte für den Landesherrn das Chausseegeld – die Maut. Die Häuser standen dicht an der Fahrbahn, möglichst mit Einblick auf die Straße. Der Schlagbaum wurde erst nach Zahlung des Wegegelds geöffnet. Das Geld diente der Refinanzierung des Chausseebaus und sollte die Kosten für den Unterhalt dieser Straßen decken. Manche Chausseehäuser waren zugleich Zollstationen.

Gebaut wurden sie Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Außerorts-Straßen zu Chausseen ausgebaut wurden. Es waren Dienstgebäude für den Chausseewärter, der es mit seiner Familie bewohnte. Derzeit soll es in MV noch an die 30 Chausseehäuser geben. Dezernent Greßmann spricht sich dafür aus, dass jeder Landkreis ein Chausseehaus für regionale Museumszwecke erhalten sollte. Etwa als Unterkunft für Radler oder als Radausleih-Station. Immerhin seien die Häuser Zeitzeugen einer Kulturgeschichte.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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