zur Navigation springen

Zeitung für die Landeshauptstadt

04. Dezember 2016 | 19:22 Uhr

Schwerins Baustellen : Bombe entschärfte sich selbst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Blindgänger im Siebendörfer Moor hatte beim Aufprall den Zünder verloren

Die für heute angekündigte Bombenentschärfung im Siebendörfer Moor und die dafür geplanten umfangreichen Sperrungen haben sich erledigt. Der Blindgänger – wahrscheinlich wurde der Zweieinhalb-Zentner-Sprengkörper am 4. August 1944 von einer B 24 der US Air Force abgeworfen – hatte sich schon bei seinem Aufprall zerlegt. „In drei Metern Tiefe haben wir den Bombenboden mit dem noch intakten Zünder gefunden“, sagte der Chef des Munitionsbergungsdienstes, Robert Mollitor. „Im Bombenkörper gab es keinen weiteren Zünder. Damit bestand keine Gefahr mehr.“ Offenbar hatte sich die Bombe nach dem Einschlag überschlagen, war dann mit dem Heck auf einen Stein geschlagen und dabei riss der Boden mechanisch von der Bombe ab. Die 125 Kilogramm Sprengstoff aus der Bombe können jetzt im Munitionszerlegebetrieb unschädlich gemacht werden.

Die jetzt freigelegte Bombe ist eine von sieben Blindgängern, die im Siebendörfer Moor vermutet werden. Die Verdachtspunkte wurden anhand von Luftbildern identifiziert. Weil die Ladelisten der US-Bomber vorliegen, wissen die Spezialisten auch, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Sprengkörper mit einem Langzeitzünder handelt. Solche Bomben können auch nach Jahrzehnten ohne äußere Einflüsse hochgehen. Das geschieht in Deutschland etwa ein- bis zweimal im Jahr. Deshalb kann bei derartigen Sprengkörpern der Zünder auch nicht „einfach herausgedreht“ werden. In Görries sollte ein Wasserstrahlschneidegerät zum Einsatz kommen, dass aus sicherer Entfernung gesteuert werden kann.

Wegen dieses Risikos sollen die Bomben am Schweriner Stadtrand entschärft werden. Denn in unmittelbarer Nähe verlaufen zwei Hochspannungsleitungen, eine Gasleitung sowie etliche Kommunikationskabel.

Die Unschädlichmachung der Ersten des Bomben-Septetts ist für die Schweriner Feuerwehr und den Munitionsbergungsdienst ein „Pilotprojekt“, wie Feuerwehrchef Dr. Stephan Jacobi es nannte. Mit den jetzt gemachten Erfahrungen soll die Entschärfung der anderen sechs Sprengkörpern festgelegt werden.

Das wird nicht einfach, denn die Bomben werden in bis zu sieben Metern Tiefe vermutet. Das Grundwasser steht jedoch bis Fluroberfläche. Deshalb muss ein so genannter Senkkasten herabgelassen und trocken gelegt werden. „Für die Absenkung des Grundwasserstandes gibt es in diesem sensiblen Gebiet aber strenge Auflagen der Umweltbehörde “, so Robert Mollitor.


zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen