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Zeitung für die Landeshauptstadt

08. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Crivitzer Sorgen : Bei Starkregen droht Land unter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Crivitzer Regenwasser-System ist alt und an vielen Stellen ungeeignet, plötzlich anfallende Wassermassen aufzunehmen und abzuleiten

Gewitterwolken über Crivitz – die sieht Arno Schlegel nicht gern. Die treiben dem Rentner aus der Parchimer Straße Sorgenfalten auf die Stirn. Denn er muss befürchten, dass sein Grundstück an der Ecke zum Rabahnweg bei Starkregen absäuft, einmal mehr überflutet wird. Schlegel spricht von kleinen Geisieren, die eine Wasserlandschaft schaffen.

Für den Baufachmann im Ruhestand ist auch die Ursache klar: Das Regenwasser-System in der Stadt Crivitz versagt. Und mehr noch: Schlegel ist davon überzeugt, dass durch die Anhebung des Rabahnweges bei Bauarbeiten und die Veränderung am Regenwasserkanal unter der nahen Eichholzstraße die Situation für sein Grundstück verschärft wurde. Nadelöhr ist laut Schlegel ein viel zu kleines Abflussrohr unter der Eichholzstraße, das dort bei der Sanierung 2001/2002 eingebaut wurde. Laut Unterlagen soll das ein 200er-Rohr sein, also einen Durchmesser von 200 Millimeter haben. „Es ist aber tatsächlich ein 400er-Rohr“, sagt Andreas Scholz, technischer Leiter beim Zweckverband Schweriner Umland. Der Zweckverband unterhält im Auftrag der Stadt das Crivitzer Regenwasser-System für Hausgrundstücke. „Wir haben im September eine Kanalbefahrung durchführen lassen, die das gezeigt hat,“ betont Scholz. Darüber hinaus wurde das 500er-Rohr, das hinter dem Grundstück vom Schlegel einen Großteil des Regenwassers aus der Crivitzer Neustadt in Richtung Klärwerk und Amtsgraben leitet, gespült. Auch brüchige Einlaufschächte wurden erneuert. „Und wir lassen in diesen Kanal hineingewachsene Wurzeln noch rausfräsen“, fügt Scholz an. Die Gefahren für eine Rückstau auf dem Grundstück von Arno Schlegel sollten sich damit deutlich verringern, erwartet der Fachmann von Zweckverband. Aber ausschließen kann es solche Überschwemmungen auch in Zukunft nicht. „Denn auf Starkregen-Ereignisse ist das gesamte System nicht eingestellt“, betont Scholz und er ergänzt. „Das trifft wohl auf alle bisherigen Regenwasser-Systeme hierzulande zu.“

Die Tallage der Altstadt und das überalterte Kanalsystem erschweren die Situation in Crivitz. Auf dem Weg zum Amtsgraben wird es an so mancher Stelle eng. Die Stadtvertretung hat daher einen Sonderausschuss gebildet, dessen Mitglieder gemeinsam mit den Fachleuten vom Zweckverband nach Lösungen suchen, berichtet Stadtvertreter Michael Renker. Wartung und Instandsetzung des Systems allein werden nicht ausreichen, um die Wassermassen und damit die Hochwassergefahren an Engstellen zu reduzieren. Immerhin wurde bereits vom Regenkanal hinter dem Grundstück von Arno Schlegel ein Gewerbeareal in der Parchimer Straße abgekoppelt. Dort muss das Regenwasser nun in Zisternen gesammelt werden. Darüber hinaus sollen an der Eichholzstraße zwei neue Regenabläufe errichtet werden, damit nicht alles Wasser auf der Straße in Richtung Altstadt fließt, berichtet Scholz. Denn bei Starkregen werden auch die Crivitzer Straße zu Wasserläufen – immer in Richtung Altstadt.

„Das alles sind nicht die großen Lösungen“, weiß Verbandsvorsteher Georg Ihde, der auch Stadtvertreter in Crivitz ist. „Wenn wir das Kanalnetz sanieren oder ausbauen, wird es aber teuer“, betont Ihde. Und Investitionen seien mit der derzeitigen Regenwasser-Gebühr von 40 Cent pro versiegeltem Quadratmeter Fläche im Jahr nicht zu stemmen. Das Geld geht komplett in Unterhaltung und Instandsetzung des alten Systems.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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