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Zeitung für die Landeshauptstadt

05. Dezember 2016 | 03:24 Uhr

Dobiner Sagenwelt : Auf dem Niklot-Pfad zur Burg Dobin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kulturverein Sagenland und Gemeinde Dobin am See wollen Region am Schweriner Außensee für Wanderer und Radfahrer erlebbar machen

Rüdiger Piehl, der Bürgermeister von Dobin am See, hat eine Vision: Die slawische Fluchtburg Dobin aus dem 12. Jahrhundert könnte neu entstehen. Nicht am historischen Standort zwischen Schweriner See und Döpe. „Da macht der Naturschutz nicht mit“, schränkt Piehl ein. Aber auf dem Gelände der einstigen Geflügelfarm bei Flessenow sei ausreichend Platz für einen möglichst originalgetreuen Nachbau.

Gottfried Holzmüller, Vorsitzender des Kulturverein Sagenland MV, ist von dieser Idee begeistert. Zwar ist dieses Projekt Zukunftsmusik, doch ein solcher Nachbau wäre die Krönung des Projektes, das Gemeinde und Verein jetzt gemeinsam anpacken: den Niklot-Pfad.

Der soll die bereits vom Verein aufgestellten Sagensteine zwischen Retgendorf und Hohen Viecheln verknüpfen. „Die Burg Dobin ist dabei das Herzstück“, betont Holzmüller. Die gibt es zwar schon lange nicht mehr. Doch die Fluchtburg der Slawen unter dem Obotritenfürsten Niklot gab nicht nur der heutigen Gemeinde ihren Namen, sie hat für die Gründungsgeschichte Mecklenburgs eine große Bedeutung. Denn ihre Belagerung durch die Truppen von Heinrich dem Löwen endete Mitte der 12. Jahrhunderts mit der Massentaufe von rund 1000 heidnischen Slawen in der nahen Döpe – so die Überlieferung.

Die Überreste der Burg sind für Laien nicht so leicht zu erkennen. Aber schon jetzt steht dort der Sagenstein „vom königlichen Schimmelreiter Niklot“. Das ist eine von vielen Überlieferungen, die der Sagenverein zusammengetragen und wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat. Und immer noch kommen weitere hinzu, die auch jüngeren Datums sind. So soll an den Überresten der Gutshauses Flessenow bald daran erinnert werden, dass im 19. Jahrhundert beinahe eine Prostituierte aus Berlin hier Gutsherrin geworden wäre... Ein zweiter, neuer Sagenstein wird neben der Holzskulptur am Ferienpark an die Fischerin von Retgendorf erinnern. Hinzu kommen sollen zudem Informationstafeln: Im Oberdorf von Retgendorf wird der Niklot-Pfad erläutert. Auf vorhandenen Straßen und Wegen können Wanderer und Radfahrer von hier aus über Flessenow, am alten Burgwall vorbei bis Hohen Viecheln die Gegend erkunden. An der alten Ziegelei und auch am Quarantänelager aus der Nachkriegszeit und dem Waldfriedhof werden Informationstafeln aufgestellt. Das wollen die Gemeinde und der Kulturverein so schnell wie möglich umsetzen. Der Tourismusverein Schweriner Seenland will dabei helfen, er wirbt schon jetzt für den Niklot-Pfad.

Einig sind sich die Partner, dass das Ganze kostengünstig gestaltet werden muss. Doch einige tausend Euro sind nötig. Die Gemeinde Dobin am See hat in ihrem Haushalt kräftig gespart, damit ein Teil der Kosten gedeckt werden kann. Der Sagenverein konnte bei der Ehrenamtsstiftung des Landes Fördermittel einwerben. Und erste Unternehmer aus der Gemeinde haben tatkräftige Unterstützung zugesagt. „Natürlich wird jede weitere Hilfe gern gesehen“, betont Piehl. Das gilt auch für die inhaltliche Gestaltung. So können die Einwohner mit alten Fotos oder Unterlagen helfen, die Informationstafeln anschaulich zu gestalten.

In einem zweiten Schritt sollen Informationstafeln in jedem Dorf der Gemeinde aufgestellt werden. Die für Retgendorf und Flessenow wären als Teile des Niklot-Pfades die ersten. „Wir wollen aber alle unsere Ortsteile einbeziehen“, unterstreicht der Bürgermeister.

Höhe- und Schlusspunkt wäre dann der Nachbau der Burg Dobin – nach vorliegenden historischen Darstellungen. „Wir haben schon Kontakt zur Uni Rostock“, berichtet Rüdiger Piehl. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit Architekturstudenten, die daraus ein Projekt anfertigen sollen.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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