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Zeitung für die Landeshauptstadt

04. Dezember 2016 | 02:59 Uhr

Schweriner Schloss : Alte Schabracken werden repariert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Restaurierung der originalen Fensterbehänge des Thronsaales ist aufwändige Puzzlearbeit - Schlossverein sammelt Spenden dafür

Mit Projekten wie der Rekonstruktion des Jugendtempels im Schlossgarten, der Spendenaktion „Kauf Dir einen Stern“ für die Sanierung der Schlosskirche, dem Ankauf historischer Möbel, Gemälde, Geschirr, Hausrat und Fotos für das Schlossmuseum hat der Schweriner Schlossverein in den vergangenen 25 Jahren nicht nur für Aufsehen gesorgt, sondern auch einen erheblichen finanziellen Beitrag geleistet. Als sehr aufwändig hat sich auch sein neuestes Projekt herausgestellt: die Restaurierung der vier originalen Fensterbehänge des Thronsaales.

Doch lohnt sich der Aufwand überhaupt? „Wir werden immer wieder gefragt, warum wir diese Fensterdekorationen überhaupt wiederherstellen wollen und warum die Restaurierung so teuer ist“, berichtet Dr. Irmela Grempler von der Vereinsführung. „Die erste Frage lässt sich leicht beantworten. Wie die Marmorsäulen, die Stuckverzierungen, Intarsienfußböden und Malereien gehörten die Schabracken zu der prachtvollen Ausstattung des Raumes im 19. Jahrhundert. Mit der Wiederherstellung dieser textilen Dekoration würde der Schlossverein das historische Gesicht des Thronsaales weiter vervollständigen. Das entspricht seinem Anliegen und auch der Satzung unseres Vereins“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende.

Um die Fragen nach den erforderlichen Arbeiten und den Kosten besser beantworten zu können, unternahmen Mitglieder des Vorstandes des Schlossvereins gemeinsam mit Kunstmäzenin Brigitte Feldtmann und Cathrin Engel von der Landtagsverwaltung eine Reise zu den Restauratoren. Sie besuchten das Atelier der Textilrestauratorin Ulrike Herrklotsch, die mit der Papierrestauratorin Susann Grzimek kooperiert, um den Schweriner Schabracken ihren historischen Glanz zurückzugeben. Diese beiden diplomierten Spezialistinnen haben auch schon die erste restauriert, die seit 2014 wieder den Thronsaal ziert.

Das Besondere dieser Fensterdekoration aus vergoldetem Papiermaché auf Samt ist, dass sie tatsächlich einmalig ist. „Es ist uns nicht bekannt, dass es in anderen Schlössern oder anderen Bauten solcherart Fensterdekorationen gegeben hat“, sagen die beiden Restauratorinnen. „Die weitere Erforschung ihrer Entstehung und ihre Restaurierung sind also auch ein Beitrag zur Baugeschichte des Schlosses“, betont Dr Grempler.

Für Schabracke Nummer zwei erfolgt derzeit die Dokumentation der Schäden, die Reinigung und Sicherung des Samtgewebes und des Papiermachés sowie die Vorbereitung der weiteren Arbeiten. Susann Grzimek erläuterte die Konservierung der alten, erhaltenen Ornamente aus Papiermaché und die Herstellung der neuen Teile. Ihre erste Arbeit ist die Sichtung der zum Teil losen Papierteile und die Bewertung der Fehlstellen, für die neue Ornamente angefertigt werden müssen. Die noch vorhandenen Teilstücke werden mit destilliertem Wasser gereinigt, Risse und Brüche auf der Rückseite mit Klebemitteln gefestigt.

Auf den Rückseiten einiger Ornamente konnten die Atelierbesucher zur großen Überraschung noch Schriftzüge der im 19. Jahrhundert verwendeten Akten oder Briefe entdecken. Die fehlenden Papiermachéteile werden rekonstruiert. Das bedeutet, dass noch vorhandene Ornamente abgeformt und Negativformen aus Ton hergestellt werden. Darin wird ein Papierbrei aus haltbaren Fasern eingebracht, der nach der Trocknung auf der Rückseite durch mehrere Schichten Japanpapier gefestigt wird. Die Oberfläche wird mit Blattgold gefasst und nachfolgend retuschiert und damit farblich an die alten Teile angepasst. Dann beginnt eine Puzzlearbeit. Vorhandene und neue Ornamente müssen beschnitten und feingliedrig aneinandergefügt werden.

Bevor sie aber auf dem Samtfonds befestigt werden können, muss dieser ebenfalls konservatorisch behandelt werden. Mit einem Museumsstaubsauger wird das Textilgewebe zunächst mehrmals gereinigt. Vorder- und Rückseite werden in mehreren Etappen geglättet und danach nähtechnisch ergänzt, der Samt mit farblich passender Seide. Die Papiermachéornamente werden gelocht und dann im Vorstichsystem aufgenäht. Die Fertigstellung der Schabracke ist für 2017 geplant. Ab 2018 soll die Restaurierung der dritten Schabracke erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass der Schlossverein weitere Spenden einwerben kann. Um die kürzlich im Schloss gefundene vierte zu begutachten, kommen die beiden Restauratorinnen zu Beginn des neuen Jahres nach Schwerin.


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erstellt am 29.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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