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Zeitung für die Landeshauptstadt

30. August 2016 | 15:07 Uhr

Wildtiere in Schwerin : Aida-Elefant schafft Streit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tierschützer fordern Schlossfestspiele ohne Wildtiere

Das Theater plant, dass bei der Aufführung von Verdis Oper Aida im Sommer bei den Schlossfestspielen ein Elefant den Triumphmarsch anführt. Intendant Joachim Kümmritz hatte sich dafür einen Dickhäuter vom Elefantenhof Platschow bei Parchim ausgesucht (SVZ berichtete gestern). Dies hat in den sozialen Netzwerken bei Tierschützern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Doch Kritik kommt auch aus der Kommunalpolitik, denn die hatte erst vor wenigen Wochen ein Auftrittsverbot von Zirkussen mit Wildtieren beschlossen. „Unfassbar, da inszeniert sich der Intendant des städtischen Theaters öffentlich mit einem Elefanten-Kunststückchen und tritt damit dem Tierschutzbeschluss der Stadtvertretung mitten ins Gesicht“, sagt Silvio Horn, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger. Auch Ex-Stadtvertreter Dr. Edmund Haferbeck von der Tierschutzorganisation Peta, der vor 17 Jahren erfolglos gegen den Auftritt des Elefanten Zita bei den Schlossfestspielen gekämpft hatte, sieht Chancen, dies jetzt zu verhindern.

Rückendeckung indes kommt für das Theater von der Stadtspitze. Vize-OB Bernd Nottebaum unterstützt die Grundposition des Intendanten. „Theater ist nunmal kein Zirkus“, betont er und fügt hinzu: „Ganz abgesehen davon ist auch die Rechtslage eindeutig. Die Verträge waren längst geschlossen, als die Stadtvertreter das Zirkustierverbot beschlossen haben.“

 

Pro von Timo Weber
Elefant ist nichts für eine Oper

Die Liebe und der Krieg sind die zentralen Themen in Verdis „Aida“. Die Menschen zurückhaltend in Szene zu setzen, ist da naheliegend, da Verdis Musik schon Oppulenz genug mit sich bringt, vor allem die großen Chorszenen. Verdi jedenfalls wäre nie auf die Idee gekommen, seinen ausdrucksstarken Triumpfmarsch oder anderes mit Elefanten aufmotzen zu müssen. Und das hat nichts mit dem Wildtierverbot zu tun, das die Stadtvertreter beschlossen haben. Aber es kommt nun einmal hinzu. Elefantendame Mala macht – im Gegensatz zu Intendant Kümmritz – keinen Unterschied, ob Scheinwerfer sie in der Zirkusmanege anstrahlen oder auf dem Alten Garten. Beides ist nicht artgerecht. Ein Elefant gehört nicht auf die Bühne. Die Stadtspitze sollte Kümmritz zurückpfeifen.

 

Kontra von Bert Schüttpelz
Diesem Streit fehlt der Maßstab

Löwen durch brennende Reifen springen zu lassen, entspricht nicht ihrem Naturell. Ein Elefant indes ist ein Herdentier und wenn von Kindesbeinen an Menschen seine Herde waren und sind, darf er auch mit ihnen und anderen Tieren über den Alten Garten laufen. In sozialen Netzwerken wird gerade eine Diskussion ausgetragen, der der Maßstab fehlt. Die Haltung einer Katze in der Wohnung oder eines Hundes im Plattenbau hat garantiert weniger mit artgerechter Haltung zu tun als die eines Elefanten auf dem Hof in Platschow. Und kein Mensch stört sich daran, dass Turnierpferde im Transporter durch die Gegend reisen. Ganz abgesehen davon: Ein Elefantenbaby, dessen gesamte Herde von Wilderern abgeschossen wurde, wäre ohne Hilfe elendig zu Tode gekommen.

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erstellt am 12.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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