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Lokales

03. Dezember 2016 | 12:38 Uhr

Streit um Brückenneubau

vom

Rostock | Um den geplanten 6,7 Millionen Euro schweren Brückenneubau am Kreuzungspunkt Stadtautobahn Höhe Schmarler Damm/Bertolt-Brecht-Straße ist neuer Streit unter Rostocks Politikern entbrannt. "Das Bauwerk ist unnötig und nicht zweckdienlich", sagt Johann-Georg Jaeger, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Er bestreitet den prognostizierten Stadtautobahn-Zuwachs von etwa 13 000 Autos mehr am Tag bis 2015 auf dann 63 000 Fahrzeuge. "Das ist ein Trugschluss", so Jaeger. Das Aufkommen wäre seiner Meinung nach eine Folge des Neubaus, nicht dessen Voraussetzung. "Nur wer die Infrastruktur für so viele Autos auslegt, wird diese Mengen auch anziehen und als Staus in Warnemünde und Evershagen wiederfinden", sagt der Fraktionsvorsitzende.

Sein Alternativvorschlag: Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). "Wenn wir den Klimawandel wirklich ernst nehmen, müssen wir die ökologisch sinnvollste Infrastruktur mit öffentlichen Geldern weiter fördern", sagt Jaeger.

Damit positionieren sich die Grünen gegen Land, Stadt-Verwaltung und die übrigen demokratischen Parteien in Rostock. "Der Doppelknoten ist deutlich überlastet", sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Eine Umgestaltung sei bereits im 1998 von der Bürgerschaft beschlossenen Gesamtverkehrskonzept festgeschrieben worden. In ihrer Januar-Sitzung hatten die Stadtvertreter den Oberbürgermeister beauftragt, mit dem Land in Verhandlungen über die Höhe der Baukosten zu treten. Rostock könne seinen auf Grundlage des Fernstraßengesetzes berechneten Anteil von 2,4 Millionen Euro nicht alleine aufbringen. Landesmittel sollen her.

"Der Antrag verkennt die tatsächlichen Kosten", sagt Jaeger. Für den Unterhalt der Brücke müssten jährlich fünf Prozent der ursprünglichen Bauausgaben eingeplant werden. Bei diesem Vorhaben wären das 335 000 Euro. "Auf den Instandhaltungskosten bleibt die Stadt für Jahrzehnte sitzen", so der Grünenchef. Schon die bis 2012 angesetzten Vorplanungen kosten die Stadt 300 000 Euro. "Diese Ausgaben sind gering, betrachtet man die Höhe der Fördermittel, die vom übergeordneten Straßenbauamt und dem Land durch das Finanzministerium übernommen werden", sagt Dr. Ulrich Seidel, Fraktionsvorsitzender der Rostocker FDP. Zumal das Geld bereits in den Haushaltsplanungen berücksichtigt sei.

"Mit der Umgestaltung kann eine der größten Stauquellen in der Stadt endlich aufgelöst werden", so Seidel weiter. Die aktuelle Situation störe sowohl Berufsverkehr als auch touristische Attraktivität. Dem widerspricht Jaeger: "Möglicherweise würde die Engstelle für viel Geld beseitigt, die Nadelöhre würden sich jedoch nur verschieben." Er verweist auf die weiter bestehenden Ampelanlagen am Schutower Kreuz und in Evershagen.

Allerdings beziehen die Befürworter der Brücke noch einen weiteren Aspekt in ihre Überlegungen ein: die Unfallstatistik. Allein in den Jahren 2007 und 2008 hatte es jeweils 40 Zusammenstöße in diesem Bereich gegeben. Die Gründe dafür: Gefährliche Spurwechsel auf kurzer Distanz, um auf die Abbiegestreifen zu gelangen, kombiniert mit einem nur schlecht einzusehenden Kreuzungsbereich. "Die prognostizierten Verkehrsströme werden zukünftig nicht mehr steuerbar sein", sagt Methling. Durch den in den Jahren 2015 und 2016 geplanten Neubau solle ein flüssiger und sicherer Verkehrsablauf gewährleistet werden.

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erstellt am 07.Feb.2010 | 08:02 Uhr

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