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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

30. Juli 2016 | 11:16 Uhr

Brüel : Zeche geprellt und davongerast

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Auf der Flucht von Brüel aus beschädigte ein 36-Jähriger eine Mauer in Cambs und ein parkendes Auto in Schwerin

Ein 36-jähriger Hamburger hatte es sich bei seinem Besuch im Mecklenburger Hof in Brüel am Sonntagabend gut gehen lassen. Für sein Drei-Gänge-Menü hatte er Salat mit Leber, dann Dorsch und als Dessert Eis mit Balsamico-Essig bestellt. Und dazu Whisky und Aquavit getrunken.

Nichts Ungewöhnliches bei einem Restaurantbesuch. Doch der Abend im Mecklenburger Hof endete für den 36-Jährigen nach Zechprellerei und mehreren Unfällen in seinem Auto auf der Flucht vor der Polizei mit einer Festnahme in Schwerin.

42 Euro hätte er für das Menü inklusive Getränke bezahlen müssen. Doch als es gegen 18 Uhr an die Rechnung ging, habe der Gast erklärt, dass diese schon einmal ausgedruckt werden könne, er aber erst die Brieftasche aus seinem Auto holen müsse, sagt Gabriele Schumacher-Poschmann, Inhaberin von Hotel und Restaurant Mecklenburger Hof, gegenüber SVZ.

„Ich hatte am Sonntag auch Dienst, bin zu dieser Zeit aber nicht mehr im Haus gewesen“, sagt sie. Sie habe erst durch einen Anruf von ihrem Küchenchef erfahren, was sich abgespielt hat und dann sofort die Polizei verständigt.

Michael Peters ist der Küchenchef im Mecklenburger Hof. Plötzlich sei da so ein Gefühl gewesen, dass besagter Gast die Zeche prellen wolle. Deshalb habe er einen in der Nähe wohnenden Stammgast angerufen, ob er nicht kommen und ihn aufhalten könne.

Der Stammgast kam und ging dem vermeintlichen Zechpreller hinterher. „Der ist mit einem Glas in der Hand in ein Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingestiegen und hat mir sogar noch zugeprostet. Ich habe mich vor das Fahrzeug gestellt“, erzählt der Brüeler, der seinen Namen nicht nennen möchte, im SVZ-Gespräch. Der Mann habe den Motor angelassen, die Räder eingeschlagen und aufs Gaspedal gedrückt. „Da wusste ich, dass er ernst macht und habe Bammel bekommen. Man denkt ja noch an das Gute, aber als er Vollgas gegeben hat, bin ich weggesprungen. Zum Glück war da keine hohe Bordsteinkante“, zeigt er sich auch gestern noch erschüttert über solche Unverfrorenheit. Ihm war aufgefallen, dass am Auto das vordere Nummernschild fehlte, dies aber im Fahrzeug lag. „Beim Davonfahren konnte ich mir das hintere Kennzeichen merken.“

Nachdem die Hotelinhaberin durch ihren Küchenchef informiert war, wählte sie sofort den Notruf. „Das Kennzeichen war bekannt. Zechprellerei ist das eine, aber was kann nicht alles passieren, wenn jemand sich alkoholisiert hinters Lenkrad setzt“, sagt Schumacher-Poschmann gestern gegenüber SVZ.

Von Brüel aus setzte der 36-Jährige in seinem roten Ford Escort die Fahrt in Richtung Schwerin fort. Aus Cambs kam nur eine Viertel Stunde später erneut ein Notruf, der ihm galt. Da war er in eine Grundstücksmauer gerast und weitergefahren.

Der dritte Notruf kam um 18.30 Uhr von einem Fahrzeugführer, der meinte, vermutlich hinter einem alkoholisierten Mann zu fahren. Er nannte Automarke und Farbe: ein roter Ford Escort.

Mehrere Polizeifahrzeuge aus Schwerin und Sternberg konnten den Flüchtigen dann auf einem Parkplatz in der Landeshauptstadt feststellen. „Als der Mann die Polizeibeamten erkannte, gab er erneut Gas. Die Beamten folgten dem augenscheinlich stark alkoholisierten Mann, der auf seiner Fahrt mehrere Verkehrsverstöße beging“, erklärt Torsten Sprotte vom Polizeipräsidium Rostock. Nachdem der 36-Jährige im Ford mit einem parkenden VW Passat kollidierte, wollte er zu Fuß weiter. Da griffen die Schweriner Polizisten zu.

„Er wird sich wegen Betrug, gefährlicher Körperverletzung, unerlaubtem Entfernen vom Unfallort und Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten müssten. Die Fahrerlaubnis konnten die Beamten ihm nicht mehr wegnehmen. Er hatte schlichtweg keine“, so Torsten Sprotte.

Der 36-Jährige, der jetzt in Hamburg wohnt, stammt aus dem Raum Ludwigslust und ist der Polizei nicht unbekannt. Wie Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, gestern gegenüber SVZ erklärte, soll der Mann erst in der Vorwoche einen anderen Autofahrer an einer Tankstelle in Ludwigslust genötigt haben, mit dem Auto von der Zapfsäule wegzufahren. Der als streitlustig beschriebene Mann habe sogar mit Gewalt gedroht. Als das Opfer die Polizei rufen wollte, sei er verschwunden. Allerdings konnten Polizisten den 36-Jährigen, dieses Mal mit einem VW Polo, aus dem Verkehr ziehen. Als sie ihn kontrollieren wollten, habe er die Beamten bespuckt, beleidigt und Nazi-Parolen geäußert. Bei dem Mann wurde ein Atemalkoholwert von über drei Promille festgestellt.

Mit wie viel Promille der Zechpreller am Sonntagabend in seinem Fahrzeug von Brüel nach Schwerin unterwegs war, ist noch nicht bekannt. „Im Auto lag eine halbgefüllte Schnapsflasche. Einen freiwilligen Atemalkoholtest hat er abgelehnt. Eine Blutprobenentnahme wurde angeordnet“, erklärt Pressesprecher Wiechmann auf SVZ-Nachfrage. „Der Tatverdächtige soll aber augenscheinlich alkoholisiert gewesen sein.“

In den 18 Jahren, die sie den Mecklenburger Hof in Brüel führe, habe es im Restaurant zum Glück zum ersten Mal Zechprellerei gegeben sagt Gabriele Schumacher-Poschmann.

Im vergangenen Jahr hätten Hotelgäste einmal die Minibar ausgeräumt, das Zimmer nicht bezahlt und auch gleich noch den neuen Flachbildfernseher mitgenommen. Mit Blick auf Sonntag sei sie jedenfalls froh, dass dem spontan helfenden Stammgast nichts passiert ist.

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erstellt am 07.Mär.2016 | 20:30 Uhr

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