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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

05. Dezember 2016 | 11:29 Uhr

Gutshaus Thurow : „Wir wollen das Haus retten“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Beim 8. Wirtschaftsstammtisch in Brüel war Leonard Engel, Eigentümer von Gutshaus Thurow, auf dem Roten Sofa zu Gast

Es war ein  kurzweiliger und informativer 8. Wirtschaftsstammtisch  am Dienstagabend im Hotel „Mecklenburger Hof“ in Brüel. Neben Inhaberin Gabriele Schumacher-Poschmann hatte Leonard Engel auf dem Roten Sofa Platz genommen.  Sie habe die Veranstaltung seinerzeit ins Leben gerufen, um Leute aus der Region an einen Tisch zu bekommen, erklärte sie. „Alle Menschen sollen, bevor sie reden, etwas wissen“.

Das Hamburger Ehepaar Leonard und Marcel Engel hatte im Februar 2014 das leer stehende Gutshaus in Thurow  gekauft, um es mit viel Liebe zum Detail Stück für Stück, so  wie „Geld und Zeit“ reichen, zu sanieren.  Auch mit  viel Eigenleistung. Wobei immer noch Müll und Schutt  entsorgt werden müssen. „Wir haben 520 Eimer Farbe gefunden und sind mittlerweile bei 52 Containern mit Müll“, nannte Leonard Engel zwei Zahlen, die manchen Zuhörer fast ein wenig zu erschrecken schienen.   „Wir sehen uns nicht als Investor. Wir möchten das Haus retten“. Saniert werde  ohne Fördermittel. Sein Mann habe gesagt, wenn du glaubst, dass du auch nur einen Euro bekommst, kannst du das Projekt gleich vergessen. 

Auf die Frage der Gastgeberin, wo er das Haus in zehn Jahren sehe, antwortete der 26-Jährige, der  Special Make Up Artist studiert  und im Bereich Mode und Werbung gearbeitet hat: „Größtenteils als Veranstaltungsort, wo Meisterkurse, Musik, Konzerte, aber auch Hochzeiten und  Geburtstage stattfinden. Wir möchten dem Haus seine Struktur lassen, die Nutzung dem Haus anpassen“. Das Gutshaus sei ein Biedermeier-Bau mit gotischem Einschlag. Man könne es auch als Foto- und Filmlocation nutzen. Die Vorstellung, „wir könnten Rosamunde Pilcher in abgespeckter Form nach Mecklenburg holen“, gefiel auch der Gastgeberin: „Pilcher mögen wir sehr gern“.

Doch wie kommt man von Hamburg auf Thurow, von der Großstadt aufs Dorf?  Er  sei in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, verriet  Engel. „Ich war sieben Jahre in Hamburg und habe mich wieder nach dem Dorfleben gesehnt, nach viel Natur. Hier ist es viel schöner.“ Seit März 2014 ist Thurow   offizieller Wohnsitz. Und das  neue, Baustellen taugliche Auto hat  natürlich ein STB-Kennzeichen. Das war  Gastgeberin und Zuhörern spontaner Beifall wert.

 Ehemann Marcel Engel  bleibt allerdings   an Hamburg gebunden, weil er dort ein Friseurgeschäft führt.

Doch Gabriele Schumacher-Poschmann wollte  mehr Privates wissen. „Wie steht Ihr zu Kindern?“ „Mein Mann hat zwei Patenkinder, ich hätte später gern welche. Aber solange das Haus Baustelle ist, ist selbst der Hund zu viel“, gestand der 26-Jährige. Allerdings,  wenn morgen ein Korb mit einem Baby vor der Tür stehen würde, „würde ich es auch nehmen“.

Zurück zum Projekt Gutshaus: Wie profitierten Dorf, Brüel und  der Amtsbereich  davon  und gebe es  Unterstützung?, war eine nächste Frage. „Im Dorf steht irgendwann ein saniertes Haus am Ende der Straße.  Es wird ein kultureller Standort, in dem es zu  einem guten Austausch der Gäste kommen könnte. Wenn mehr Räume zur Verfügung stehen, wollen wir auch   etwas Ähnliches wie das frühere Ritterfest in Thurow, das einem Erntedankfest gleichzusetzen war,  wieder machen“,  so Engel. Vorstellbar sei auch, zusammen mit Kindern und Omas nach alten Rezepten zu backen. Man müsse sehen, was im Dorf angenommen werde. Ein großes Problem wären allerdings die fehlenden Parkplätze, wie  der Liederabend vor zwei Wochen im Gutshaus wieder gezeigt habe.

Den Umgang mit hiesigen Behörden bezeichnete er als „sehr entspannt“.  „In Hamburg braucht man erst einen Termin.“ Und zu Bürgermeister Jürgen Goldberg habe er „einen guten Draht übers Telefon“.

Er wisse aber auch, dass „leider mehr über uns als mit uns geredet“ werde.

Auf die Frage von Heike Wiechmann: „Stoßen Sie auf Gegenwind?“, antwortete er: „direkt nicht“, verriet aber auch, dass er diverse Geschichten höre. So habe er einer Frau auf die Frage, was sie im Gutshaus machten, erklärt: „Fotos und Filme“.  Im Dorf habe man dann erzählt, Pornos würden gedreht.

Als Gastgeberin eines Wirtschaftsstammtisches hinterfragte  Schumacher-Poschmann natürlich auch, welchen Bezug es bei den Sanierungsarbeiten zu Handwerkern der Region gebe.  So weit es möglich sei, greife man auf regionales Handwerk zurück, kenne aber  noch zu wenig. „Diese Leute kennen zu lernen, ist eine Aufgabe des Wirt-schaftsstammtisches“, freute sich Schumacher-Poschmann.

Helmut Schwertner, der als Pionier im Gutshaus gesungen habe und später mit dem Moped im Park gefahren sei, wie er verriet, findet es „toll, dass dort Leben eingezogen ist“. Als Mitglied des Organisationsteams fürs Stadtfest u.a. in Brüel bot er an, „mit euch Pläne zu schmieden. Wir würden auch unser Netzwerk zur Verfügung stellen“. „Wenn sich keine Frauen aus dem Dorf fürs Backen finden, helfe ich“, bot ebenso  Martin Oehlke von „Oehli’s Tortenschmiede“  Unterstützung an. 

Dass, was Leonard und Marcel Engel in Thurow auf den Weg bringen, sei „eine Sache, die Zukunft hat. Machen Sie weiter“, erklärte André Prätorius. Er sprach damit aus, was  sich wohl die meisten Zuhörer nach dieser Begegnung mit Leonard Engel  wünschten.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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