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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

10. Dezember 2016 | 02:10 Uhr

Sternberger Seenland : Weniger Milch – geteiltes Echo

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Finanzspritze der EU zur Mengenreduzierung nehmen Landwirte in der Sternberger Region kaum in Anspruch. Die Kritiker sehen zu viele Fragen ungeklärt.

Die Betriebe, die für drei Monate ihre Milchproduktion reduzieren und dafür eine Beihilfe beantragt haben, sollen bis Ende der Woche die Bescheide erhalten. Die Europäische Union hat eine Finanzspritze von 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Für jeden Liter, der weniger produziert wird, soll es 14 Cent geben. Das Echo in der Region reicht allerdings von verhaltener Zustimmung bis zu kategorischer Ablehnung. Es seien zu viele Fragen offen, sagen die Kritiker. Und das Problem, das den Milchbauern das Wasser sprichwörtlich bis Oberkante Lippe stehen lässt, werde mit dem Hilfspaket nicht mal ansatzweise angegangen.

„Ich kann den Effekt nicht nachvollziehen“, so Torsten Schrein, Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf. „Entweder alle oder keiner, die Milchmenge müsste europaweit heruntergefahren werden, damit die Erzeugerpreise aus dem Kel-ler kommen.“ Wahrscheinlich solle umgangen werden, dass die Forderung nach der politisch nicht gewollten Milchquote wieder lauter werde.

Zahrensdorf habe jedenfalls keinen Antrag gestellt, sich die Reduzierung der Milchproduktion prämieren zu lassen. „Wie soll das auch funktionieren, was passiert mit den Kühen?“, fragt Schrein. „Beim Traktor dreht man den Schlüssel um und stellt das Fahrzeug ab. Bei der Kuh geht das nicht. Also schlachten oder verkaufen.“ Wobei Letzteres nur hieße, dass die Milch woanders in die Tanks kommt. Für Betriebe, die ihre Milchproduktion ohnehin stark drosseln oder ganz aufgeben wollten, könne die Finanzspritze der EU eine Hilfe sein, räumt Schrein ein.

Ähnlich fällt die Antwort bei Kuhpon in Kaarz aus. Die Brisanz des Themas sei natürlich zu spüren, dieses Hilfspaket aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein; das löse das Problem der Betriebe nicht. Es sei völlig ungewiss, wie viel Liquidität dadurch überhaupt herauskomme. Wer nicht den Glauben verloren habe, dass die Menschen auch künftig Milch trinken, Butter und Käse essen, und weiter produzieren wolle, sehe Klärungsbedarf an anderer Stelle.


Biologie lässt sich nicht einfach so eintakten
 

Friederike Strothmann, die mit Ehemann Werner 1993 Gut Kuhlen gegründet hat, derzeit 150 Kühe hält und wiederholt das Gütesiegel des Milchkontrollvereins verteidigt hat, kommt die Beihilfe zu diesem Zeitpunkt gelegen. Die Kühe würden weniger Milch geben als vor einem Jahr. „Wir haben schwere Zeiten hinter uns. Der Melkroboter brauchte erst mal einen Datenpool, die Tiere mussten sich an ihn gewöhnen und wir uns als Mensch an einen anderen Tagesablauf.“ Strothmann denkt vor allem daran, Färsen, die abkalben, zu verkaufen, Kühe, die mitten im Leben stehen, eher nicht. Denn eine Bestandsergänzung vielleicht in einem Jahr würde einen nicht geringen Teil der jetzigen Beihilfe auffressen. Pro Monat sollen es 50 000 Liter weniger sein. Ob das aufgeht, wisse sie nicht, sagt Strothmann. „Ich habe damit keine Erfahrung. Die Biologie lässt sich nicht einfach so eintakten, wie man das gern hätte.“ Mindestens 80 Prozent der angegebenen Milchreduzierung müssen erreicht werden, darunter gibt es Abzug von den 14 Cent.

Im Altkreis Parchim haben nach Angaben von Heike Kasten, Geschäftsführerin beim Bauernverband, 13 Betriebe eine Beihilfe zur Reduzierung der Milchmenge um insgesamt 3,57 Millionen Liter beantragt.

 

Kommentar

Aktionismus – Ergebnis offen

Wenn Geld gezahlt wird für etwas, das nicht produziert wird, stellt sich immer ein bitterer Beigeschmack ein. Dass ein Betrieb, bei dem die
Reduzierung der Milchmenge derzeit passt, die Beihilfe beantragt, ist völlig verständlich. Für die Politik aber ist das alles kein Ruhmesblatt. Die Finanzspritze wirkt wie Aktionismus, über dessen Ergebnis sich seine Urheber selbst nicht im Klaren sind. Vermutlich wollen sie nur übertünchen, dass es keine Idee, kein Konzept gibt.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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