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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

27. September 2016 | 14:08 Uhr

Sternberg : Warten auf Tempo 30 für Laster

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Anlieger fordern zumindest nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf Sternberger Mecklenburgring. Entscheidung abhängig von Verkehrszählung

Am schlimmsten ist es früh zwischen 5 und 8 Uhr und gegen Abend. „Dann kommt man kaum über die Straße“, sagt Petra Bruchmann. Nachts, wenn es ringsum ruhig ist, reiche aber schon ein schwerer Laster, um durch den Lärm sprichwörtlich aus dem Bett zu fallen.

Petra und Reinhard Bruchmann betreiben eine Pension am Sternberger Mecklenburgring. In den beiden Zimmern nach vorn ließen sie Schallschutzfenster und Klimaanlage einbauen. Die Gäste wollten jedoch bei offenem Fenster schlafen. Wer das eine Nacht versucht habe, sei „gebeutelt“, wie Petra Bruchmann sagt, und packe meist am nächsten Tag die Koffer. Seit Jahren laufen Bruchmanns Sturm, damit die Lärmbelästigung für sie und ihre Gäste erträglicher wird. Ein kleiner Schritt, der außer zwei Verkehrsschildern nichts kosten würde, sei für sie eine nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h für Lkw.

Niels Haubold wohnt mit Lebensgefährtin Jessika Müller schräg gegenüber in seinem Elternhaus und ärgert sich genauso über den ständigen Verkehrslärm. Viele Laster würden sich nicht einmal an 50 km/h halten, sondern deutlich schneller sein. „Wenn die hier vorbei donnern, vibriert das ganze Haus.“ Und kommen sich zwei entgegen, weiche in der Kurve vor dem Haus einer auf den Bordstein aus. „Das knallt richtig“, sagt der junge Mann. „Wenn wir im Zimmer zur Straße sitzen, machen wir das Fenster zu. Sonst versteht man sein eigenes Wort nicht.“ Einmal hätten sie über Nacht das Schlafzimmerfenster offen gelassen, fügt die junge Frau an, „aber das ist einfach nicht auszuhalten“.

Bruchmanns lassen nicht locker und verweisen auf die Aussage des neuen Bürgermeisters Armin Taubenheim im Wahlkampf, sich dafür einzusetzen, dass auf dem Mecklenburgring nachts ein Tempolimit von 30 km/h für Lkw eingeführt wird. „In anderen Städten gibt es das auf Durchfahrtsstraßen, nur in Sternberg nicht“, so Petra Bruchmann. Der Bürgermeister sagt auf SVZ-Nachfrage, er habe in einer Gesprächsrunde mit der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises auch dieses Thema wieder angeschnitten. Die Entscheidung sei abhängig von der Verkehrszählung 2015. Das Ergebnis liege noch nicht vor. Habe die Zahl der Fahrzeuge zugenommen, werde neu geprüft. Für Petra Bruchmann völlig unverständlich: Es sei genug Verkehr, um eine Umgehungsstraße zu planen, für eine Geschwindigkeitsbegrenzung aber nicht. Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 steht in der Kategorie „vordringlicher Bedarf“ auch eine Ortsumgehung für Sternberg (wir berichteten). Ein alter Hut, hatte schon der langjährige Bürgermeister Jochen Quandt abgewunken. Die Trassenplanung stamme aus den 1930er-Jahren. Auch sein Nachfolger sieht das Thema „zweiseitig“. Für die Anlieger wäre die Umgehung sicher ein Segen, doch Sternberg würde klar an Wahrnehmung verlieren. Und es kämen enorme Kosten auf die Stadt zu, denn sie wäre dann für die Straßenabschnitte diesseits der Umgehung zuständig, die jetzt aus Bundesmitteln instand gehalten werden.

Die Chancen, dass die Ortsumgehung gebaut wird, werden weit geringer eingeschätzt als die für ein Tempolimit auf dem Mecklenburgring. Sicher ist aber selbst das keineswegs. Eine von der Stadtvertretung angeregte Begrenzung auf 30 km/h in der Straße Am Berge hat die Verkehrsbehörde des Landkreises ebenso wie eine Beschränkung auf Fahrzeuge bis zu 2,40 Meter Breite abgelehnt, informierte der Bürgermeister am Mittwochabend.

Kommentar des Autors
Wem schadet Tempo 30?

Über Tempo 30 nachts für Lkw auf dem Mecklenburgring wird noch entschieden,  Am Berge wurde es abgelehnt. Und um es in Weiße Krug  vielleicht einzuführen, wird ein drittes Gutachten

verlangt. Die Verkehrsbehörde dreht Paragrafen hin und her, um dann im Amtsdeutsch am Bürger vorbei mitzuteilen, warum etwas nicht geht. Wem schadet Tempo 30 eigentlich? Überflüssige Verkehrsschilder gibt es woanders.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 20:55 Uhr

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