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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

06. Dezember 2016 | 17:01 Uhr

Sternberg : Verborgene Schätze sollen ins Licht

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Im Sternberger Heimatmuseum wird die gesamte Sammlung sortiert, manches ausgesondert und der Fotobestand digitalisiert. Gruppen können bei rechtzeitiger Anmeldung auch gern in der Winterpause kommen.

In dieser Woche hat das Heimatmuseum zum letzten Mal vor der Winterpause geöffnet – heute und morgen von 10 bis 16 Uhr. Die Arbeit geht aber weiter, sagen Elke Cziesso und Tom Claus, die in diesem Jahr die Betreuung der Einrichtung übernommen haben, jeweils zehn Stunden pro Woche. Die Sternbergerin war bis zum Ruhestand im Vorzimmer von Bürgermeister Jochen Quandt, ihr jetziger Kollege kommt aus Ventschow, ist freiberuflich Mediengestalter und macht dies als Zweitjob, wie er sagt, mit dem größten Interesse eines „Hobbyhistorikers“.

Claus wollte Lehrer werden, neben Deutsch Geschichte unterrichten, weil er dafür stets einen Faible hatte. Das klappte nicht, beim Studium an der Pädagogischen Hochschule hätte er Staatsbürgerkunde als Zweitfach nehmen können. Doch das wollte er nicht, so dass aus dem Lehrerberuf nichts wurde und Geschichte ein schönes Hobby blieb, unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft Archäologie im damaligen Karl-Marx-Stadt. Claus hat auch die Chroniken von Ventschow, Jesendorf und dem Reha-Zentrum Neukloster erarbeitet. Was er nun in kurzer Zeit im Sternberger Heimatmuseum herausgefunden habe, sei erstaunlich, findet Cziesso. Und ebenso, dass beide ein gutes Team bilden. „Wir kommen von Anfang an miteinander klar.“


Einrichtung bekommt einen Flohmarkt


Die Vorgängerinnen Antje Kühl und Rosemari Hassel, die auf eigenen Wunsch ausgeschieden seien, hätten „gute Arbeit“ geleistet, sagt Tom Claus. Wenn er allein an die liebevoll gestalteten Sonderausstellungen denke, „und das bei den bescheidenen Mitteln und dem kleinen Zeitrahmen, der neben den Öffnungszeiten blieb“. In der Hochsaison komme man zu nichts anderem, haben Cziesso und Claus bereits festgestellt.

Die nächsten Monate, wenn das Heimatmuseum geschlossen ist, wollen beide nutzen, die gesamte Sammlung vom Boden bis ins Erdgeschoss weiter durchzusehen und zu sortieren, manches auszusondern, was mehrmals vorhanden oder von Schädlingen befallen ist. Von alten Straßenschildern in Emaille zum Beispiel reiche jeweils eines. Die anderen finden vielleicht Interesse bei jemanden, der in der Straße wohnt oder wohnte. Es könnte ein Erinnerungsstück sein, das er beim Besuch des Museums zum kleinen Preis bekäme, so die Museumsmitarbeiter. Dafür sei ein Flohmarkt gedacht, auch für alles, was keinen Bezug zu Sternberg hat. Es gehe nicht ums Geld, aber so was sollte nicht auf den Schrott oder in den Müll. Zudem müsse das Haus, wenn es wie vorgesehen 2018 saniert wird, leer geräumt sein. Den Museumsbestand für die Zeit so zu deponieren, dass er keinen Schaden nimmt, sei schon schwierig genug.

Ostern öffnet das Heimatmuseum wieder. Das letzte Jahr vor der Sanierung soll es ursprünglich erhalten bleiben, auch die alte Schule, ergänzt durch bislang verborgene Schätze, die ins Licht sollen, oder Themen, die noch nicht berücksichtigt waren. Tom Claus hat die gesamte Liste der Filme, die im damaligen Kreis Sternberg gezeigt wurden, entdeckt. „Ich bin fast vom Glauben abgefallen.“ Vermisst habe er dabei die Olsenbande. Auch die komplette Ausrüstung des Landfilms wie Vorführgeräte, Werbetafeln und Fotos gebe es. In Sternberg war das Kino in der Luckower Straße, zu der Zeit Ernst-Thälmann-Straße, im Saal des damaligen Hotels am Markt, die erste Adresse in der Stadt, wo sich heute die Raiffeisenbank befindet. Der Saal wurde 1995 abgerissen, die entstandene Lücke dient nun als Parkplatz.

Der gesamte Fotobestand des Museum wird digitalisiert. Claus weiß nicht die genaue Zahl, sie liege auf jeden Fall im vierstelligen Bereich. Das sei aufwändig, aber ebenso interessant und manches Bild „zum Totlachen“. Spaß an der Arbeit solle eben auch sein.


Fragezeichen hinter ältestem Haus der Stadt


2017 sei ein besonderes Jahr für die Sternberger Sammlungen, wie Claus dazu sagt. Denn 50 Jahre zuvor sei die Heimatstube eröffnet worden in der damaligen Rosa-Luxemburg-Straße, heute Pastiner Straße. Ein Jahrzehnt darauf erfolgte der Umzug in das heutige
Gebäude, anfangs nur in das Erdgeschoss, weil oben noch Wohnungen waren.

Ein Fragezeichen setzt Tom Claus hinter die stets verbreitete Annahme, es sei das älteste Haus der Stadt, 1747 gebaut. Der Stadtbrand, bei dem bis auf eine Scheune alles in Asche fiel, sei 1741 gewesen. Fragwürdig, so meint Claus, dass sechs Jahre lang nicht gebaut worden sein soll. Die Stadtgeschichte von 1248 bis heute geben drei Flyer mit insgesamt 36 Seiten wieder, erhältlich in Museum und Tourist-Info.

Noch ein Tipp: Wenn Gruppen Interesse haben und sich rechtzeitig anmelden, können sie das Heimatmuseum auch im Winter besuchen.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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