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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

27. Juni 2016 | 00:32 Uhr

Sternberg : Stiller Protest gegen Fremdenhass

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Vor der Stadtkirche formierte sich am Montagabend ein Demonstrationszug mit Lichtern als Antwort auf den MVgida-Aufmarsch in Sternberg.

Punkt 19 Uhr beginnen die Glocken der Stadtkirche zu läuten. Menschen aus Sternberg und der ganzen Region sind gekommen, um Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass entgegenzutreten, damit dem Aufmarsch der MVgida auf dem Markt eine Abfuhr zu erteilen. „Sternberg lichthell, offen und tolerant“, so das Motto, unter dem die Fraktionen von CDU, SPD und Die Linke in der Stadtvertretung zu dem stillen Protest aufgerufen hatten.

Seit etwa drei Wochen sind 29 Flüchtlinge in Sternberg untergebracht, sagte Bürgermeister Jochen Quandt. Entgegen allen Gerüchten und dem Schüren von Ängsten verlaufe das Zusammenleben problemlos. Natürlich würden auch die berechtigten Sorgen bei unkontrolliertem Flüchtlingsstrom nicht übersehen. Doch für Hetze gegen Ausländer sei in Sternberg kein Platz.

Mit Lichtern zogen die Demonstranten durch Schul- und Ritterstraße, Kleine Belower Furt in die Straße Am Berge, wo sie sich gegenüber der MVgida-Zwischenkundgebung postierten. Ein Aufgebot von 70 Polizisten sicherte, dass sich beide Lager nicht zu nahe kamen. Für die Protestdemonstration wurden 280 Teilnehmer genannt, für den MVgida-Aufmarsch 300. Der Abend verlief nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle.

„Angst essen Seele auf“ – diesen Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 hatte Joachim Behrens aus Rothen auf sein Plakat geschrieben. „Heute geht es um genau die gleiche Problematik. Die auf dem Markt stehen, haben Angst vor Überfremdung. Daraus entsteht Hass, und als nächster Schritt wird Feuer gelegt“, so Behrens. Und die Wortführer seien nichts anderes als „Hassprediger“. Solveig Witt aus Dabel: „Egal wo, überall sollten Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz gesetzt werden.“

Auf verbale Attacken von MVgida-Rednern in Richtung Lichterdemo wurde von dort mit Liedern, Buhrufen und Pfiffen reagiert. „Du sprichst nicht für uns, Nazis raus“, so eine der Antworten.

Beim so genannten „Abendspaziergang“ der MVgida durch Sternberg wurden Parolen skandiert wie: „Wir wollen keine Asylantenheime“ oder „Die Merkel muss weg“. Zwar sprach sich der Mann am Megafon für ein „Bleiberecht auf Zeit“ für wirkliche Flüchtlinge aus; gleichzeitig wurde deutlich, dass es den Organisatoren nicht nur ums Flüchtlingsthema geht. Auf einem gelben Transparent stand: „Den Aufstand wagen – Das System zerschlagen“.

Zurück auf dem Markt kündigte MVgida für den kommenden Montag eine Demo in Parchim an.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 21:15 Uhr

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