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Spinnenatlas für MV : Spinnen – eklig bis faszinierend

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Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Premieren-Forschungsprojekt in den sieben Naturparks des Landes beginnt Ende des Monats. Ziel ist der 1. Spinnenatlas für MV.

Spinnen – zu kaum einer anderen Tierart hat der Mensch solch ein ambivalentes Verhältnis: von eklig bis zur Phobie auf der einen sowie geradezu faszinierend auf der anderen Seite. Dabei weiß man über die Achtbeiner, wie die Rangerin Birgit Erlebach vom Naturpark Sternberger Seenland bemerkt, „relativ wenig. So gibt es beim Lebensalter nur Mutmaßungen“.

Zusammen mit ihrer Kollegin Francis Breitenreiter nimmt sie am Projekt des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) teil. Von Ende März bis Ende Oktober werden in den sieben Naturparks zwischen Warnow und Peene an ausgewählten Standorten Spinnen eingefangen. Vor allem durch die so genannte Barberfalle. „Dazu wird ein 0,2er-Getränkebecher in den Boden eingelagert, plangleich mit dem Boden. Und darüber kommt ein einfaches Dach“, so Erlebach. Zur Hälfte werde der Becher dann „mit einer selbst hergestellten Salzlösung befüllt, so bleiben die Spinnen haltbar“.

Damit Spaziergänger das Ganze etwa nicht als Müll ansehen, werden die Barberfallen mit einem laminierten Zettel versehen, um – plus Kontaktdaten – auf die wissenschaftliche Untersuchung hinzuweisen.

Die Rangerinnen stellen an drei ausgewählten Standorten jeweils drei Barberfallen auf. Ausgewählt wurden in der Region ein Trockenstandort bei Jülchendorf, die Sültener Binnensalzwiese für ein Feuchtbiotop sowie als Waldterrain der Radebach bei Blankenberg.

„In den Fallen befinden sich keine Lockstoffe“, erläutert Francis Breitenreiter, die „Spinnen total spannend“ findet. „Jedes Tier hat z. B. seine eigene Strategie zum Beutemachen. Die Krabbenspinne etwa mit ihren ausgebreiteten Armen passt sich der Blütenfarbe an. Und wenn dann ein Insekt auf die Blüte fliegt und ins Schema passt…“ Die Gerandete Jagdspinne fängt kleine Wasserinsekten.

Alle Spinnen an sich ran lässt aber auch Francis Breitenreiter nicht mit Blick auf die im Glas mitgebrachte schwarze Hauswinkelspinne. Wegen ihrer Größe, die Beine ausbreitend, auch „Wagenrad“ genannt. „Die hat schon Jeder mal in der Wohnung entdeckt.“ Andere typische Hausspinnen seien der Weberknecht und die Zitterspinne. „Den meisten fällt bei Spinnen im Haus die Fliegenklatsche ein“, sagt Breitenreiter. Total falsch sei es, die Spinne einzufangen und vor die Tür zu setzen. „Da geht sie ein, das ist nicht ihr Lebensraum“, weiß Birgit Erlebach, die hinzufügt: „Zitterspinnen sind ein Anzeichen für sehr gutes Raumklima.“ Man sollte einige Spinnen durchaus in der Wohnung lassen, die fingen störende Insekten weg. Doch wer macht das schon? Zumal Spinnweben an den Wänden in der Volksmeinung nicht gerade als Ruhmesblatt für Sauberkeit gelten.

Hausspinnen sind nicht das Forschungsprojekt, sondern die Achtbeiner in Wald und Feld. Ab Ende März werden alle zwei Wochen die drei Becher eines Standortes zusammengekippt und die gefangenen Spinnen zur Bestimmung an Dr. Dieter Martin nach Göhren-Lebbin geschickt. Dr. Martin ist der Spinnen-Papst von Mecklenburg-Vorpommern. Dabei litt er, so Birgit Erlebach, „einst unter einer Spinnenphobie. Dann beschäftigte er sich eingehend mit den Tieren und war total fasziniert.“

Im Ergebnis des Monitorings will Dr. Martin den 1. MV-Spinnenatlas erstellen. Zudem soll es auf dessen Grundlage ein Buch mit dem Arbeitstitel „Die Spinnenfauna in M-V“ geben . 

Stichwort: Spinnen

Die Webspinnen (Araneae) sind die bekannteste Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), einer Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda). Sie teilen sich weiter in Gliederspinnen (Mesothelae), Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) und Echte Webspinnen (Araneomorphae) auf. Die Webspinnen bilden nach den Milben (Acari) die artenreichste Ordnung der Spinnentiere.

Webspinnen haben, wie alle Spinnentiere, acht Beine (im Unterschied zu den Insekten, die nur sechs Beine haben.

Der World Spider Catalog (Juni 2016) listet für die Ordnung der Webspinnen 114 Familien mit 3988 Gattungen und 46 055 Arten.

Die  Webspinnen werden weltweit aktuell in 110 Familien aufgeteilt. In Mitteleuropa sind 43 Familien der Echten Webspinnen und eine Familie der Vogelspinnenartigen, nämlich drei Arten der Tapezierspinnen (Atypidae), heimisch.


 

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erstellt am 18.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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