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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

29. September 2016 | 07:01 Uhr

Serie: Raritäten im Sternberger Kuchen - Teil 8 : Rippenmuschel – erster und bisher einziger Fund ihrer Art

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Autor Detlef Uebersohn machte 2105 in der Kiesgrube Kobrow einen Sensationsfund.

Auf den ersten Blick schien es ein unspektakulärer Fund zu sein, den ich in 2015 in der Kiesgrube Kobrow machte, denn Muscheln (Bivalven) zählen mit ihrer Artenvielfalt zu den am häufigsten im „Sternberger Kuchen“ vorkommenden Fossilien. Auffällig war jedoch die ungewöhnliche Größe von ca. acht Zentimetern, sowie der leichte Perlmuttglanz und die feine Berippung der überlieferten rechten Klappe der Muschel, die ich so vorher noch nie im „Sternberger Kuchen“ gesehen hatte und die mich neugierig machte.

Nach Literaturrecherche und Rücksprache mit befreundeten Sammlern konnte die Muschel dann als Rippenmuschel (Pholadomya puschi) bestimmt werden, die bis dato noch nie gefunden wurde und somit aus dem Sternberger Gestein auch nicht bekannt war. Damit war mir mit diesem einmaligen und bisher ersten Fundstück dieser Art für den Fundort Kobrow ein Erstnachweis gelungen.

Die Entwicklung der Gattung der Rippenmuscheln (Pholadomya) begann vor ca. 200 Millionen Jahren in der oberen Trias und erlebte mit zahlreichen, weltweit verbreiteten Arten in der Jurazeit bis zum Beginn des Tertiärs (zwischen 150 und 65 Mio. Jahren) ihre Blütezeit. Im Tertiär nimmt die Artenvielfalt und Verbreitung der Gattung dann deutlich ab, heute ist sie nur noch mit einer Art (Pholadomya candida) vertreten, die zu den seltensten Molluskenarten (lebendes Fossil) unseres Planeten gezählt wird.

Nur zwei Exemplare dieser Muschel konnten in lebendem Zustand vor 1842 im Bereich der Karibik (Virgin Island) für wissenschaftliche Zwecke gesammelt werden. Da weitere Fundmeldungen über fast 150 Jahre ausblieben, wurde vermutet, dass diese Muschelart endgültig ausgestorben ist.

Erst 1990 wurden dann an der Karibikküste vor Venezuela und Kolumbien lose, frische Schalenreste entdeckt und es keimte Hoffnung auf, dass die Muschel noch in begrenzten Arealen der Karibik überlebt hat. Und tatsächlich gelang dann im Januar 2008 der Fund eines weiteren, lebenden Tieres im Flachwasserbereich vor der kolumbianischen Karibikküste in der Nähe von Santa Marta. Damit wurde die Art „wiederentdeckt“ und der endgültige Beweis erbracht, dass sie (noch) nicht ausgestorben ist.

Aufgrund der Seltenheit der Pholadomya candida scheuen Sammler weder Kosten noch Mühe, um an die reinweißen, zerbrechlichen, ca. 10 cm großen Schalen einer Muschel zu kommen, die in Auktionen zwischen 1500 und 2500 Dollar angeboten werden.

 


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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:23 Uhr

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