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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

09. Dezember 2016 | 10:41 Uhr

Serie: Raritäten im “Sternberger Kuchen“ – Teil 11 : Nomaden der Meere

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Eine wirklich absolute Rarität aus dem „Sternberger Kuchen“ wird diesmal vorgestellt.

Ein echtes „Highlight“ und eine wirklich absolute Rarität aus dem „Sternberger Kuchen“ möchte ich Ihnen heute vorstellen. Das präparierte, faustgroße Stück aus der Sammlung der Parchimer Dipl.-Geologin Karina Thiede und ihres Ehemannes Nils zeigt ein – vor einigen Jahren in der Kiesgrube Kobrow gefundenes – rechteckiges, ca. 8 x 6 cm großes Fragment vom Bauchpanzer (Plastron) einer Meeresschildkröte. Eine genaue Artbestimmung ließ sich aufgrund der geringen Größe des Fundstücks nicht durchführen.

Schildkröten stellen eine Ordnung in der Klasse der Reptilien dar, die bereits seit der Trias (ca. 240 Mio. Jahren) unsere Erde besiedeln. Vor etwa 120 Mio. Jahren, in der Kreidezeit, spalteten sie sich in Land- und Meeresbewohner auf. Das fast vollständige, ca. 2 m lange Skelett, das in Kreidesedimenten in Kolumbien gefunden und als „Desmatochelys padillai“ beschrieben wurde, gilt seit 2015 als ältester Nachweis einer fossilen Meeresschildkröte.

Heutige Meeresschildkröten (Cheloniidae) bilden zusammen mit der Familie Dermochelyidae (deren einzige Art die Lederschildkröte ist) die Überfamilie Chelonioidea und sind mit insgesamt sieben Arten in allen tropischen und subtropischen Meeren, sowohl auf hoher See als auch in Küstennähe, vertreten.

Gemeinsames Merkmal aller Arten ist der deutlich abgeflachte und stromlinienförmige Körper sowie die zu großen Paddeln umgestalteten Extremitäten. Ein Bauplan, der bis auf wenige Abwandlungen, über Jahrmillionen beibehalten wurde und eine optimale Anpassung an ihr Lebenselement Wasser gewährleistet.

Meeresschildkröten legen auf ihren Wanderungen zwischen den Erdteilen riesige Entfernungen in den Ozeanen zurück und nur die Weibchen kommen nach der Paarung im offenen Meer zur Eiablage an den Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind.

Um zu ihren Brutplätzen zurückzufinden, orientieren sich die Schildkröten vermutlich am Magnetfeld der Erde, das sie sich nach dem Schlüpfen als Jungtiere eingeprägt haben. Wie genau die Tiere das Erdmagnetfeld aufspüren, konnte bislang noch nicht erforscht werden.

Nachdem die Meeresschildkröten die Dinosaurier überlebten und Kontinentalverschiebungen, Eiszeiten, Seebeben und andere Naturkatastrophen überstanden, sind die Bestände aller heutigen Arten vom Aussterben bedroht und stehen ausnahmslos unter Schutz durch das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Die Bedrohung geht ausschließlich vom Menschen aus, der sie aufgrund ihres Fleisches, der Eier und ihrer Panzer seit Jahrhunderten jagt. Besonders in den asiatischen Ländern kann der Handel durch Verbote und empfindliche Strafen kaum eingeschränkt werden. Ein weiteres Übel ist die Vermüllung unserer Weltmeere durch Plastikabfälle, die von den Schildkröten nicht erkannt und als Nahrung aufgenommen werden. So müssen jedes Jahr tausende Exemplare qualvoll sterben, weil sie Plastiktüten mit Quallen verwechselt haben. Eine zusätzliche massive Bedrohung stellen moderne Fischfangmethoden dar, bei der ebenfalls jährlich tausende Schildkröten als Beifang in den Netzen ersticken.

Um die Schönheit und die Eleganz der „Nomaden der Meere“ zu bewundern, bietet sich ein Besuch im Meeresmuseum Stralsund an. Hier sind als Hauptattraktionen im 350 000 Liter fassenden Meeresschildkröten-Aquarium, zwei Unechte Karettschildkröten, zwei Suppenschildkröten und eine Echte Karettschildkröte zu bewundern. Detlef Uebersohn





































 

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erstellt am 05.Nov.2016 | 05:46 Uhr

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