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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

09. Dezember 2016 | 16:32 Uhr

Warin : Multikulti im Haus der Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bei der Faschingsdisco ging es um viel Spaß, aber auch um Verständnis als Weltbürger. Allein die Teilnehmerzahl blieb unter den Erwartungen.

Aus den Boxen wummern die Bässe. Meist dunkel gekleidete Gestalten geistern durch bunt flackerndes Licht. Die Düsternis, die den Raum zuweilen einnimmt, ist aber rein äußerlich, die Kinder sind bestens drauf und haben viel Spaß – bei der Faschingsdisco im Wariner Haus der Zukunft. Ihre Verkleidung hält sich an das Motto „Hotel Transsilvanien und andere Gruselgestalten“, die Welt von Zombies, Draculas, Mumien, Hexen oder Spinnen.

„Bei der Weihnachtsdisco waren 50 Kinder hier und fanden die total cool. Deshalb wollten wir den Faschingsmonat Februar mit dieser Veranstaltung ausklingen lassen“, erklärt Sozialpädagogin Birgit Jepsen. Sie hatte mit mindestens genauso viel Teilnehmern gerechnet, es blieb jedoch bei gut der Hälfte, stellte Jepsen etwas enttäuscht fest und konnte sich das überhaupt nicht erklären.


An guten Tagen 30 bis 40 Kinder und Jugendliche


„Es wundert mich schon, denn so viel wird für Kinder doch nicht angeboten.“ An guten Tagen besuchten 30 bis 40 Kinder und Jugendliche das Haus der Zukunft, das der Evangelischen Kirchengemeinde Warin gehört und auch von der felicitas GmbH aus Wismar zur Jugendarbeit genutzt wird. Die pädagogische Leitung wird mit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert, die Veranstaltung vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ – eine „bundesweite Förderung lokaler Partnerschaften für Demokratie“ und koordiniert vom Kreisjugendring NWM e.V.

Jepsen hat sich als Maleficent verkleidet, die dunkle Fee aus dem US-amerikanischen Fantasyfilm, der 2014 in den Walt-Disney-Studios gedreht wurde. „Das Kostüm hatte ich schon an, als wir bei Halloween mit mehreren Leuten durch Brüel gezogen sind. Alle fanden das lustig, und es ist schnell fertig.“

Vincent Baron (12), mit seiner Schwester Victoria (6) gekommen, ist als Mumie ausstaffiert. Wie viele Meter Verbandsmaterial um Körper, Arme und Beine gewickelt waren, hat keiner gemessen. „Das wurde hier gemacht. Mit dem ganzen Zeug unter der Jacke herzukommen, wäre doof gewesen“, meint der Zwölfjährige. Beim Verkleiden hatte er ein bisschen Hilfe, die Idee sei aber von ihm gewesen. „Ich wollte nicht wie viele als Vampir herumlaufen“, sagt Vincent und ist dann froh, nach einiger Zeit das inzwischen leicht zerfledderte , warme Kostüm wieder los zu werden.

Leon Gratopp (9) als Dracula und seine Schwester Fenja (8) als Hexe haben ihre Kostüme mitgebracht und sich dann nur noch schminken lassen. Das lässt Julian Eggert (10) dann auch noch von Birgit Jepsen machen – als Blutsauger. Und als er fertig ist, macht er das gleich noch bei seinem Bruder Lucien (8).

Obwohl die syrischen Kinder fehlen, die sonst gern ins Haus der Zukunft kommen, geht es multikulti zu. Shaban Llanaj (10) und seine Schwester Vionela (12) aus Albanien leben seit einem Jahr in Warin. Und seit Anfang Mai seien sie täglich im Jugendklub und traurig, wenn der nicht geöffnet habe, erzählt Jepsen.


Viele Freunde gefunden und gut Deutsch gelernt


Beide hätten viele Freunde gefunden und „unheimlich gut“ Deutsch gelernt. Sie gehen in Bad Kleinen zur Schule, wo es eine Lehrerin gibt, die Albanisch spricht. Für Vionela gebe es inzwischen die Empfehlung, „auf eine Regelschule zu wechseln“, wie Jepsen sagt. Mitunter fungiere sie schon als Dolmetscherin für Albaner.

Die Faschingsdisco solle bei viel Spaß für die Kinder und Jugendlichen Vorurteile und Befangenheit abbauen, den Horizont erweitern, zu mehr Integration beitragen und helfen, „sich als Weltbürger zu verstehen und erkennen“, wie Jepsen es ausdrückt. Und das sei auch mit weniger Teilnehmern als erwartet gelungen.

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erstellt am 28.Feb.2016 | 20:04 Uhr

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