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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

03. Dezember 2016 | 16:42 Uhr

Kloster Tempzin : Künftig Dreifachklang in Tempzin

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Einholung von zwei neuen Bronzeglocken für die Klosterkirche hat gestern begonnen. Feierliche Weihe wird bei einem Gottesdienst am 4. Dezember sein.

Rund 100 Jahre lang hing in der Tempziner Klosterkirche nur eine Glocke. Zuvor waren es zwei, doch im Ersten Weltkrieg verschwand eine „zum Umgießen“, wie es seinerzeit geheißen haben soll. Tatsächlich wurde die größere der beiden Glocken mit aller Wahrscheinlichkeit für Kriegsgerät eingeschmolzen, sagt Dörte Gratz, Vorsitzende des Fördervereins Antoniter-Hospital-Tempzin. Auf dem Hamburger Glockenfriedhof verliere sich ihre Spur, wie Nachforschungen ergeben hätten.


Sachverständiger gab Empfehlung


Nun wird künftig sogar ein Dreifachklang in und aus der Klosterkirche zu hören sein, denn seit gestern erfolgt die so genannte Einholung zwei ganz neuer Glocken. Das Geläut wieder zu erweitern, nachdem mit großem Aufwand die Gebäudehülle weitgehend in Ordnung gebracht worden ist, war seit längerem ein Ziel des Fördervereins. Er hat dafür schon seit mehreren Jahren Geld gesammelt, entschied sich dann für zwei kleinere statt einer großen Glocke. Der Verein sei einer Empfehlung des Sachverständigen Claus Peter gefolgt, nachdem dieser Glockenstuhl, -kammer und bisheriges Geläut begutachtet hatte, erklärt die Vereinsvorsitzende. Peter ist offizieller Glockensachverständiger für das westfälische Amt für Denkmalpflege und die evangelische Kirche von Westfalen, nach der Wende aber auch zunehmend für die Mecklenburgische Landeskirche tätig.

Die bis vor 100 Jahren kleinere Glocke wird künftig die größte sein und etwas höher gehängt, so Dörte Gratz. Die beiden neuen Prachtstücke aus Bronze wurden in der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock Gescher im westlichen Münsterland angefertigt. Das 1690 gegründete Unternehmen besteht bereits in zwölfter Generation, stellt Kirchenglocken nach dem traditionellen Lehmformverfahren her und bietet inzwischen eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen im Kunstguss an, bei dem Handwerk und künstlerische Absicht einher gehen.

Die größere der neuen Glocken, im künftigen Dreifachgeläut die mittlere, hat ein Gewicht von 200 Kilogramm und einen Durchmesser von 69 Zentimetern. Sie ziert der heilige Christophorus, besonders bekannt als Schutzpatron der Reisenden. Damit bestehe eine Verbindung zum Pilgerkloster gegenüber, wie Pastor Rupert Schröder von der Kirchengemeinde Brüel, zu der Tempzin gehört, in seiner Andacht feststellt. Die zwei umlaufenden Zeilen lauten: Wenn du vollkommen sein willst, geh verkaufe deinen Besitz und gib das Geld den Armen. So wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben, dann komm und folge mir nach.

Die kleinere Glocke mit der Pilgermuschel vorn und dem Tempziner Kreuz auf der Rückseite wiegt 120 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 56 Zentimetern. Über dem Rand steht dieser Satz: Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils (Jes. 12,3).

Ermöglicht wurde der Guss der beiden Glocken dank Förderung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, an der 45 Geldinstitute in den vier neuen Bundesländern außer Thüringen beteiligt sind, sowie die Sparkasse Parchim-Lübz. Deren Vorstandsvorsitzender, Joachim Ziegler, hatte den Bescheid im Dezember 2015 überbracht. Der Verein Antoniter-Hospital-Tempzin steuerte selbst 12 000 Euro aus Spenden und Erlösen von Veranstaltungen bei.

Die Stiftung hatte bereits die Restaurierung des Heiligen Antonius, einer im norddeutschen Raum einzigartigen Sitzfigur aus Holz, die im

15. Jahrhundert vermutlich in einer Rostocker Werkstatt gefertigt worden ist, maßgeblich finanziert, seinerzeit noch in D-Mark. Dass die Tempziner Klosterkirche nun ein zweites Mal in die Gunst einer Förderung kam, unterstreiche ihre historische Bedeutung, erklärte der Sparkassenchef.


Mögen sie für immer im Frieden läuten


„Ich hoffe“, sagt Vereinsvorsitzende Dörte Gratz, „dass diese beiden neuen Glocken nicht das Schicksal der alten Glocke teilen werden und dass sie für immer im Frieden läuten mögen.“ Von der Zwischenstation in bereits luftiger Höhe, in die sie von Mitarbeitern der Glockengussfirma gestern gehievt werden, geht es unverzüglich an den endgültigen Platz, um sie vielleicht am Mittwoch zur Probe zu läuten, hoffen die Fachleute. Der Gottesdienst zur feierlichen Glockenweihe findet am zweiten Advent, 4. Dezember, um 10 Uhr statt.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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