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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

02. Dezember 2016 | 21:06 Uhr

Gägelow bei Sternberg : Junge Leute auf neuem Betriebshof

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Pastiner Landwirtschaftsgesellschaft hat Gägelow als zentralen Standort im Pflanzenbau ausgebaut. Beste Bedingungen gibt es auch für die für Berufsausbildung.

Die neue Saat hat den Regen gebraucht. „Wir liegen gut im Rennen, hatten die Herbstbestellung aber auch unterbrochen, weil es einfach zu trocken war.“ Martin Krull, Leiter Pflanzenbau in der Pastiner Landwirtschaftsgesellschaft, spricht von extremen Bedingungen bei der Aussaat. „Als wenn wir Küstensand oder Asche auf den Feldern hatten. Die gezogenen Rillen liefen gleich wieder zu, bevor die Saatkörner hinein kamen.“

Wo schon gedrillt war, lag die Saat mitunter in der Erde, ohne zu keimen. Das sollte sich nun mit dem Regen ändern, meint Krull zuversichtlich. Oder Felder sind an manchen Stellen grün, an anderen völlig kahl. Das gleiche die Natur hoffentlich wieder aus. Dass Saat, die schon die Köpfe aus dem Boden gesteckt hat, vertrocknete, was einige Landwirte feststellen mussten, sei hier zum Glück nicht passiert. „Der Tau hat geholfen“, meint Krull. Wobei sich die Auswirkungen der Trockenheit derzeit noch nicht zu 100 Prozent abschätzen ließen. Jedenfalls will der Betrieb die Herbstbestellung in dieser Woche abschließen. Auf den ca. 3200 Hektar Ackerland, dessen Bodenwert von 20 Punkten und darunter im Bereich Kobrow bis über 40 bei Borkow reicht, wachsen u. a. 900 ha Weizen, 380 ha Wintergerste, 500 ha Winterroggen, 520 ha Raps und 70 ha Zuckerrüben sowie 600 ha Silomais, etwa halbe-halbe für das Milchvieh und die Biogasanlagen.


Zuckerrüben werden gewaschen und gemust


Bei der Mais- und Zuckerrübenernte sei das trockene Wetter natürlich von Vorteil. Letztere hat gerade begonnen. Ein Lohnunternehmen erledige die Rodung; mit eigenen Fahrzeugen werde das Erntegut an die Ackerkante gefahren und in einer Feldmiete zwischengelagert. Ab 17. Oktober werden die Zuckerrüben gewaschen, gemust und zur Konservierung in Hochbehälter gepumpt, damit kontinuierlich Nachschub für die Biogasanlagen in Kobrow und Borkow zur Verfügung steht. „Die Rübenmasse kommt so gut dosiert aus den Hochbehältern, und es entstehen kaum Verluste wie bei einer Lagune mit großer Fläche“,
erklärt Geschäftsführer Peter Rosien.

Vor gut einer Woche hat die Pastiner Landwirtschaftsgesellschaft in Gägelow einen neuen Betriebshof für den Pflanzenbau samt Bürotrakt mit den Mitarbeitern feierlich eingeweiht. Der liegt genau in der Mitte des zu bewirtschaftenden Acker- und Grünlandes. Einst gab es hier eine Milchviehanlage, dann eine Enten- und Putenfarm, bevor der jetzige Eigentümer das Areal übernahm. Das Projekt stellte der Betrieb im Juni 2015 im Sternberger Bauausschuss vor, der einstimmig grünes Licht für das gemeindliche Einvernehmen gab, über das am Ende die Stadtvertretung entschied. Seinen Sitz hatte der Betrieb, der durch Umstrukturierung der Mecklenburgischen Güterverwaltungs- und Dienstleistungsgesellschaft Wamckow eigenständig wurde, in Kobrow II, ganz am Rande der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Der neue Betriebshof bietet auch beste Bedingungen für den Berufsnachwuchs, sind sich der Pflanzenbauchef und Werkstattleiter Dieter Wiener einig. Letzterer ist mit drei Kollegen und einem Azubi von Wamckow nach Gägelow umgezogen, wo die gesamte Technik für den Feldbau betreut wird, von 13 Ackerschleppern über zwei Mähdrescher bis zu diverser Bodenbearbeitungs- und Anhängegeräten.


Digitalisierung auf den Feldern


Derzeit lernen zwei angehende Landwirte, eine Fachkraft für Agrarservice sowie eine Tierwirtin in der Rinderzucht in dem anerkannten Ausbildungsbetrieb das Einmaleins ihres Berufs. Silas Kühner erhielt am Sonnabend in Güstrow sein Zeugnis als Fachkraft für Agrarservice.
Peter Dethloff absolviert das dritte Lehrjahr in dem Beruf. Annalena Mohring wird Landwirtin mit Fachhochschulreife und möchte studieren. Jakob Tornier zieht es nach der Lehre ebenfalls zum Studium. Ihm sei aber vorherige Praxis wichtig. Dank Abitur habe er gleich ins zweite Ausbildungsjahr einsteigen können.

Wie anderswo sei es auch in der Landwirtschaft schwierig, geeignete Bewerber zu finden, für die Tierproduktion noch mehr. Dem Pflanzenbau helfe noch das Interesse für Technik, doch Anforderungen und Verantwortung seien enorm gestiegen. Digitalisierung als Stichwort, es sei keineswegs nur der Wert der Technik. Wer einen modernen Traktor fahre, müsse zum Beispiel beim Drillen Daten über Abstände, Tiefe usw. eingeben, und alles überwachen sowie bei Bedarf eingreifen können, erklärt Krull. Der 30-jährige Pflanzenbauchef kennt den Betrieb, hat hier ab 2003 selbst gelernt, alle Maschinen gefahren, dann den Abschluss als Staatlich geprüfter Wirtschafter und als Meister gemacht. Sein Ziel sei, dass junge Leute nach abgeschlossener Ausbildung bleiben oder später nach dem Studium zurückkehren.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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