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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

06. Dezember 2016 | 16:58 Uhr

Brüel : Igel zu dritt im Winterschlaf

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ein Rentnerehepaar aus der Region kümmert sich liebevoll um possierliche Stacheltiere. Nach einem im Vorjahr bezogen jetzt drei ihr Quartier

Ein besseres Quartier kann ein Igel kaum finden. Die geräumige Kiste aus naturbelassenem Holz hat zwei Kammern und ist außen noch durch Metallgitter geschützt. Der Eingang hat ein Maß, bei dem die eingeladenen Bewohner gut hindurch passen, aber keine größeren Tiere. Ein Rentnerehepaar in einem kleinen Dorf bei Brüel kümmert sich liebevoll um Igel. Mitte der Woche haben sich dort drei zum Winterschlaf gelegt.

Auf dem Grundstück, das der Familie seit 1954 gehört, seien immer Igel gewesen, doch vor einigen Jahren hätten die sich aus unerklärlichen Gründen rar gemacht. Deshalb seien sie in Sorge um jedes Tier, sagt die Frau. Im vorigen Herbst, genau am 14. Oktober, wie Notizen erinnern, tauchte ein kleines Stacheltier unvermittelt auf und irrte umher.

Um den Futterplatz kleinen Zaun gezogen

Was mit dem Kleinen anfangen? Das Rentnerpaar suchte professionelle Hilfe in Sternberg, Parchim und Schwerin, wurde sogar nach Berlin verwiesen, doch „außer guten Ratschlägen kam dabei nichts heraus, niemand wollte den kleinen Igel“, bedauert der naturverbundene Mann. Also machten er und seine Frau sich daran, das Tier, das gerade mal 200 Gramm wog, selbst nach bestem Wissen aufzupäppeln – und stellten fest, dass dem neuen Gartenbewohner ein Zubrot durchaus gut tat. Der Deutschen Wildtierstiftung zufolge würden gesunde Igel kein Zusatzfutter brauchen.

Der Kleine machte Fortschritte, brachte am 30. November schon 500 Gramm auf die Waage. „Es ist schon erstaunlich, was so ein kleiner Igel frisst und wie viel Arbeit er macht“, sagt der Rentner. Um den Futterplatz hatte er einen kleinen Zaun gezogen, damit der Findling nicht ausbüxt. Dennoch war der auf einmal verschwunden, aber nach zwei Tagen zum Glück wieder da. „Wir haben nicht gewusst, dass Igel so gut klettern können“, erzählt die Frau schmunzelnd.

Zum Fressen gab es die gleiche Fertignahrung wie für den Kater und als Nachtquartier zunächst eine Katzenbox. Doch die Hülle aus Kunststoff oder Metall würde innen schwitzen. Am besten sei
naturbelassenes Holz wie jetzt. Das Futter wird abends nach dem Fressen wieder weggeräumt, damit es keine Ratten und ähnliches Getier anlockt.

Am 10. Dezember habe sich der Igel schlafen gelegt und bis April durchgehalten. Vorsorglich stand ein Schälchen mit Wasser vor dem Winterquartier. Auf einmal war der kleine Mitbewohner weg.

Am 23. Oktober diesen Jahres stellte sich wieder ein Igel ein. Alles deute darauf hin, dass es der aus dem Vorjahr sei, glaubt das Rentnerpaar, denn er habe auf ihre Stimmen reagiert und das Quartier sofort wieder angenommen. Das Tier war allerdings nicht mehr
allein, sondern in Gesellschaft von einem großen und kleinen Igel. Als eine Woche Schnee lag und es frostig war, können es laut Gewichtskontrolle sogar vier, fünf gewesen sein. Stundenlang haben die beiden Tierfreunde bei Dunkelheit das Treiben, das bis vor die Stufe zur Haustür führte, beobachtet. Leider seien die Stacheltiere nicht auseinander zu halten. Simone Hartung, die mit Ehemann Klaus eine Igelstation im brandenburgischen Neuzelle betreut und mehr als 20 Kleine aufgenommen hat, gibt den Tipp, die Tiere etwa mit Nagel- oder anderem Lack zu markieren, „aber nur auf den Stacheln, keineswegs auf der Haut“.

In MV gibt es einen Verein Igelhilfe samt Pflegestation unter Telefon 038208/ 134 72.

Eine Familie bleibt nicht zusammen

Dass es sich bei den drei kleinen, stachligen Mitbewohnern, die jetzt in Seelenruhe schlafen, um eine Familie handelt, wie das Rentnerehepaar annimmt, kann sich Simone Hartung nicht vorstellen. Igel seien Einzelgänger, eine Familie bleibe nicht zusammen. Der Nachwuchs müsse etwa ab 250 Gramm, manchmal darunter, eigene Wege gehen. Die Mutter interessiere auch nicht, ob ihr Kleines genug Polster für den Winter angefressen habe. Es komme aber tatsächlich vor, dass sich mehrere Igel an gleicher Stelle und zur gleichen Zeit schlafen legen, wenn sie ein gutes Winterquartier vorfinden. „Da stört es nicht, dass ein oder mehrere Igel das schon belegt haben.“

Ob Familie oder Einzelgänger, die sich an dem einladenden Quartier erfreuen, das Rentnerpaar hofft, dass alle gut über den Winter kommen und sich im Herbst wieder sehen lassen.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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