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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

08. Dezember 2016 | 12:58 Uhr

Weitendorf : Hochbetrieb im Gemeindehaus

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Zahlreiche Helfer aus Weitendorf, den Ortsteilen und selbst aus Brüel kamen zum Arbeitseinsatz. Vieles wurde aussortiert, Tapeten mussten herunter, Wände und Türen bekamen neue Farbe.

Es war keine große Feier oder wichtige Veranstaltung – sondern ein Arbeitseinsatz. Wie viele Helfer sich dazu am Sonnabend am Gemeindehaus einfanden, ist aller Ehren wert. Hochbetrieb trifft voll zu. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen“, meint dann auch Reinhard Scheel, seit mehr als zwei Jahrzehnten Gemeindearbeiter. Er wohnt in Brüel, nachdem „der Block“ im Weitendorfer Ortsteil Jülchendorf abgerissen wurde, ist nun aber auch in seiner Freizeit zur Stelle. Gleiches gilt für Astrid Wegner, die ca. 15 Jahre bei der Gemeinde angestellt ist. Sie hat noch Unterstützung mitgebracht, ihren Sohn Tim. „Ich kenne das hier, da war ich noch klein, und helfe nun meiner Mutter.“ Ansonsten hat der 24-Jährige keine Beziehung zu Weitendorf, er arbeitet beim Tiefbau in Venzkow.


Ein wenig Wehmut bei der Schrankwand


„Es wurde Zeit, wieder was zu tun. Das ist wie mit der eigenen Wohnung“, meint die Bürgermeisterin Andrea Sielaff. Und diese verstehe es wunderbar, die Menschen in der Gemeinde „zu begeistern und mitzureißen“, sagt Ilona Vorbau. Sie lebe seit 1966 in Weitendorf und kenne die heutige Bürgermeisterin von Kind an und habe sich über
ihre Wahl im Mai sehr gefreut.

Bevor die Tapeten in allen Räumen herunter kommen, wird aussortiert, was nicht nicht mehr gebraucht wird. Auch „die geile Schrankwand“, so Astrid Wegner, muss daran glauben. Ein wenig Wehmut stelle sich schon ein. „Wir haben die vor rund 15 Jahren aus Hamburg geholt. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber auch lustig. Und jetzt ist sie weg.“

Für Abtransport und Entsorgung des Sperrmülls hat Kuhpon Kaarz kostenlos einen Traktor mit Hänger zur Verfügung gestellt, so dass der
Gemeinde ein kostspieliger Container erspart bleibt. Reiner Göser, seit 18 Jahren in Kaarz und dort Betriebsleiter, freut sich genauso über die enorme Beteiligung bei dem Einsatz. „Das zeigt doch, dass die Bürger das wollen.“

Wenn so viele anpacken, mache das richtig Spaß, sagt Angelika Rütze und schiebt den Spachtel erneut unter die angefeuchtete Tapete, während Ehemann Jörg sich an einer anderen Wand zu schaffen macht. Sie leben seit einem halben Jahr im Ortsteil Sülten. Dort werde auch einiges gemacht, auf dem Spielplatz gerade Kies als Fallschutz unter den Geräten aufgefüllt. Und damit der nicht weg kann, kommt eine kleine Palisadenwand herum, erzählt Angelika Rütze. Das Holz, das Revierförster Rainer Wagner aus Jülchendorf zur Verfügung stelle, sei bereits eingeschlagen, es werde demnächst verbaut.

Rützes führte das Heimweh zurück nach Mecklenburg. Sie hatten 1989 einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt, der schließlich zum 13. November bewilligt wurde. Ihr Haus in Godern bei Schwerin hatten sie leer geräumt, möglichst viele Habseligkeiten zu einer Tante nach Köln geschickt und zu dem Termin, vier Tage nach der Grenzöffnung, nur noch Handgepäck. In Niedersachsen südlich von Bremen bauten sie sich eine neue Existenz auf. Angelika Rütze machte sich mit 50 in ihrem Beruf als Bauzeichnerin selbstständig. Doch die Heimat fehlte ihnen. Das Paar reiste herum und fand in Sülten ein Haus von 1887. „Wir haben uns gleich darin verliebt, es 2000 über die Landgesellschaft gekauft und sind 16 Jahre gependelt. Als Jörg Rütze in Altersteilzeit ging, zog das Paar nach Sülten und ist glücklich darüber.

Zurück zum Gemeindehaus: Als die ersten Wände trocken sind, beginnt das Streichen, Raum für Raum. Tapeziert wird nicht mehr, so die Bürgermeisterin. „Ich bin gerade mit meiner eigenen Baustelle fertig und noch richtig in Übung“, sagt sie lachend. Sielaff meint ihr Geschäft in Sternberg, mit dem sie kürzlich umzog.

Die ehemalige Weitendorfer Familie Felix hat bereits eine neue Küche für das Gemeindehaus gesponsert, denn beim Umzug in eine altersgerechte Wohnung kann sie die nicht gebrauchen. In der Küche werden auch Fußbodenbelag und Fußleisten erneuert. „Was sich die Gemeinde gerade leisten kann“, so die Bürgermeisterin. Zum Glück müsse nur das Material bezahlt werden, die Arbeit werde gemeinsam erledigt. „Deshalb freuen wir uns über jeden Sponsor. Für das, was wir selbst machen können, finden sich dann genug Leute“, ist Andrea Sielaff überzeugt. Der Hochbetrieb an diesem Sonnabend gibt ihr Recht.

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erstellt am 23.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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