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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

26. Juni 2016 | 20:57 Uhr

Kukuk : Der Schwanen-Retter von Kukuk

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Heinrich Möckelmann bewahrte Jungtier vor dem sicheren Tod. Ein riesiger Angelköder hatte sich im Schnabel verhakt.

Ein wenig fiept der junge Schwan noch, als ihn seine Retter ein letztes Mal auf Verletzungen untersuchen. So recht hat er sich noch nicht damit abgefunden, dass er gefangen wurde. Doch es ist zu seinem Besten. Dem Jungtier hing nämlich ein riesiger Wobbler (Angelköder) im Schnabel fest. Als seine Retter das Netz lösen, breitet er seine weißen Flügel aus und flattert davon wie der Wind. Erst nach etwa 100 Metern fühlt er sich sicher genug, um zu verschnaufen und sich langsam wieder zu beruhigen. Ihm konnte Heinrich Möckelmann helfen, andere Schwäne hatten nicht so viel Glück.


Angler werden nicht vernünftiger


Seit drei Jahren besucht eine Schwan-Familie des Kleinpritzer Sees Heinrich Möckelmann und seine Frau Ingrid auf ihrem großzügigen Wassergrundstück. Das Ehepaar hat eine ganz besondere Bindung zu den majestätischen Vögeln aufgebaut. Wenn Heinrich und Ingrid nach „Hansi“ – so nennen sie alle Schwäne – rufen, kommt die ganze achtköpfige Familie schnurstraks geschwommen, denn meist gibt es dann Futter. Das kann trockenes Brot sein, oder auch mal eine Mischung aus Hunde- und Katzenfutter. Bis auf einen Meter Entfernung trauen sich die Tiere ohne Furcht heran. Normalerweise.

Denn immer wieder kommt es vor, so Heinrich Möckelmann, dass Angler in den Schilfgürteln des Sees fischen. „Das ist verboten, das dürfen die gar nicht“, erklärt er. Die Wasservögel würden nach den Ködern schnappen und sie verschlucken oder sich in den Angelsehnen verfangen. Dann werden sie panisch, trauen sich nicht mehr heran und verletzen sich manchmal selbst, wie er erklärt. „Die Angler versuchen immer ihre Köder zu retten, statt sich um die Vögel zu sorgen.“ Die Angelsehne reißt dann und die Vögel werden zurückgelassen – im Fall des etwa fünf Monate alten Jungschwans mit dem Köder tief im Schnabel verankert. Viele der Tiere haben dann keine Überlebenschance, wie der rüstige Rentner weiß. Entweder verbluten sie an ihren inneren Verletzungen oder sie verhungern. Denn fressen können sie mit so einem Haken im Schnabel nicht. Zudem gehen Schwäne untereinander nicht sehr freundlich um. Ist ein Mitglied der Gruppe krank oder verletzt, „hacken alle anderen auf ihm rum“, erklärt der 80-Jährige.

Immer wieder habe er die Angler auf ihre Fehler hingewiesen, aber zurück kamen meist „dumme Sprüche“ oder die Betroffenen wurden wütend. Geändert habe sich an ihrem Verhalten jedoch nichts. „Die Leute sind leichtsinnig und unvernünftig“, fasst er zusammen. Er hat schon viele tote Schwäne gefunden. Der letzte sei an einem Haken mit Angelsehne erstickt. Aber auch abgeschossen werden die Vögel, wie Heinrich und Ingrid mit Entsetzen feststellen mussten. Ihr letztes Schwanenpaar tauchte nach der Jagdsaison nicht wieder auf, wahrscheinlich abgeschossen. Und das sogar erlaubterweise. Ein Anruf beim Kreisjägermeister bestätigte dies. Trotzdem trifft dies bei dem Ehepaar auf Unverständnis. Denn „jeder, der zu Besuch kommt, freut sich wahnsinnig über die Schwäne“, wie Ingrid Möckelmann sagt. „Warum schießt man denn Schwäne ab? Was sind das für Jäger?“, fragt sich Heinrich.

Doch damit nicht genug Probleme. Als sie den noch grauen Jungschwan „ihrer Familie“ entdeckten, bekamen sie ihn einfach nicht zu fassen. In ihrer Sorge riefen sie das Ordnungsamt an, denn dem Tier musste ja geholfen werden. Das Amt verständigte den Tierarzt, der bei der Rettung helfen sollte. Da dieser aber verhindert war, wurde kurzerhand ausgerechnet ein Angler um Hilfe gebeten. Er kam mit seinem Motorboot und nach einer Stunde Verfolgungsjagd konnte der Schwan endlich im Schilf mit einem großen Kescher geschnappt werden. Danach ging alles ganz schnell. Der Wobbler-Köder wurde entfernt, das Tier auf Verletzungen untersucht und dann schnell wieder in die Freiheit entlassen. Dann hieß es erstmal Aufatmen für Heinrich und Ingrid Möckelmann. Doch der nächste Fall lässt bestimmt nicht all zu lange auf sich warten...

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erstellt am 25.Okt.2014 | 16:00 Uhr

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