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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

09. Dezember 2016 | 00:57 Uhr

Sternberg : Bäckerladen mit Messer überfallen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Eine halbe Stunde vor Feierabend – eine mit einem langen Messer bedrohte Verkäuferin ist in Todesangst. Die gleiche Masche im Blumengeschäft schlug fehl.

Sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen, „nicht ein Auge zugemacht“ – immer wieder dieses Bild vor Augen, bedroht mit einem langen Messer; dazu der Gedanke, was ihr bei dem Überfall hätte noch passieren können.

Dienstag, 17.30 Uhr, eine halbe Stunde, bis das Back-Café am Markt in Sternberg schließt. Kathrin Gniza ist allein, auch niemand auf der Straße. Da betritt eine Frau das Geschäft, die Mütze bis in die Augen gezogen. Die sieht aber merkwürdig aus, denkt die Verkäuferin, mehr nicht. Doch auf einmal greift die vermeintliche Kundin in ihren Plastebeutel, zieht ein langes, spitzes Fleischmesser heraus und fordert: „Geld her!“ Die sonst eher lebhafte Frau hinter dem Verkaufstresen bringt nur kurz „nee!“ heraus.


Schale mit Trinkgeld reicht nicht


Nun kommt die mutmaßliche Täterin hinter den Tresen, geht mit vorgehaltenem Messer auf die Verkäuferin zu und will erneut Geld. Sie habe keines, entgegnet Gniza, stellt im Angesicht der Bedrohung aber die Schale mit Trinkgeld hin, die etwa sieben bis acht Euro enthält. Doch sie soll die Kasse öffnen. „Ich weiß nicht, wie, die Kasse ist neu“, sagt die Verkäuferin. Die gehe nur auf, wenn ein Betrag eingegeben wird. Schließlich bongt sie „in Todesangst“ einen Euro ein, weil die Angreiferin das Messer weiter auf sie richtet. Mit der anderen Hand steckt die Frau die Scheine ein, dann noch die Schale mit dem Trinkgeld, dreht sich um, sagt „Danke“ und verschwindet.

Die mutmaßliche Räuberin ist noch gar nicht ganz aus dem Laden, da rennt die Verkäuferin nach hinten und wählt den Polizeinotruf 110. „Überfall oder so ähnlich“ habe sie geschrien. Gleichzeitig guckt Gniza hinterher, wo die Frau bleibt. An deren Mütze erkennt sie, dass sie mit dem Rad auf den Markt fährt, „nicht schnell, langsam sogar“. Als Gniza ihr nachläuft, sieht sie, dass die Radfahrerin in die Wallstraße einbiegt. In dem Augenblick kommt ein Polizeiwagen und kann nach Hinweis der Verkäuferin die mutmaßliche Täterin festnehmen.

Die Beamten waren vorher zum Blumenhäuschen im Finkenkamp, wo mit der gleichen Masche ein Überfall geschehen war. Dort gelang es der Verkäuferin aber, die Frau in ein Gespräch zu verwickeln und dabei zurück vor den Ladentisch zu bekommen, so dass der Fluchtweg frei wurde und sie nach draußen laufen konnte, „um mein Leben zu retten“. Sie habe doch nicht wissen können, was geschieht, wenn sie das Geld herausgibt. „Vielleicht hätte ich trotzdem das Messer zwischen die Rippen bekommen. Das ist keine Situation, die man trainiert“, sagt Sandra Viehmeyer, die wieder gefasst wirkt, gegenüber SVZ. Eine Autofahrerin habe angehalten und die Polizei verständigt. Dann sei die mutmaßliche Räuberin weggefahren und sich den Bäckerladen als neues Ziel gesucht, wo sie nach Angaben der Polizei um die 260 Euro erbeutete.

Kathrin Gniza, seit der Lehrzeit und damit rund 20 Jahre Verkäuferin, hätte „nie im Leben“ geglaubt, Opfer eines solchen Überfalls zu werden. „Wenn ich das von woanders hörte, habe ich wirklich nicht gedacht, dass mir das selbst mal passiert. Ich wusste nicht, was ich machen soll.“ Klug reden könne nur, wer noch nie in so einer Situation war.

Für Bärbel Assmus, Inhaberin des Bäckerladens, ist es am wichtigsten, dass ihre Mitarbeiterin mit dem Schrecken davon kam und „ihr nicht mehr passiert ist“. Dass jemand mit dem Messer vor ihr steht, habe sie zum Glück selbst noch nicht erlebt. „Im alten Laden hatten wir Einbrüche genug, aber die waren nachts“, so Assmus. Sie hat nun für die mutmaßliche Täterin, die gelegentlich „ein Stück Kuchen gekauft, auch mal einen Kaffee getrunken hat“, umgehend Ladenverbot ausgesprochen und das der Polizei mitgeteilt.


Amtsgericht erlässt Haftbefehl


Klaus Wiechmann von der zuständigen Polizeiinspektion Ludwigslust bestätigte auf Nachfrage, dass die 55-jährige Sternbergerin aus einer betreuten Wohnanlage als „psychisch anfällig“ gilt und in der Vergangenheit wegen ähnlicher Taten die Polizei beschäftigt hat. Der letzte Vorfall liege erst zwei Wochen zurück. Zuvor sei es ihr allerdings nie gelungen, Geld zu erpressen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schwerin erließ das Amtsgericht Ludwigslust gestern Haftbefehl wegen schwerer räuberischer Erpressung. Der Grund: Wiederholungsgefahr. Die Frau kommt nach Angaben von Oberstaatsanwältin Claudia Lange in Untersuchungshaft.

 

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erstellt am 30.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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