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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. April 2017 | 07:36 Uhr

Sternberg : Auftritt in Spuren des Vaters

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Meditation, Bild und Musik: Dr. Elke Maes gastiert mit Juan Carlos Mieres in der Katholischen Kirche Sternberg. Ihr Vater war dort maßgeblich an der künstlerischen Innengestaltung beteiligt.

In Meditation, Bild und Wort: Der Kreuzweg Jesu Christi. Dazu sind Besucher an diesem Sonntag, 19. März, um 15.30 Uhr herzlich in die St.Pius-Kirche in Sternberg in der Güstrower Chaussee eingeladen. Die Veranstaltung wird gestaltet von Dr. Elke Maes, Juan Carlos Mieres auf der Gitarre, beide aus Berlin, Pfarrer Tobias Sellenschlo von der Kath. Gemeinde St. Pius X. und Pastorin Katrin Teuber von der Evang.-Luth. Gemeinde Sternberg.

Maes, Jahrgang 1943, hat eine ganz besondere Beziehung zu Sternberg. Denn ihr Vater Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908-1984) war zwischen 1956 und 1978 maßgeblich an der Innengestaltung der St. Pius-Kirche
beteiligt. Zunächst Gründungsmitglied des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Weißenfels, war er ab 1952 nach seiner Konversion im sakralen Raum tätig und übernahm Auftragsarbeiten für über 100 katholische Kirchen in der gesamten DDR, sowohl zur Gesamtgestaltung von Neubauten als auch zur Sanierung. Der Künstler ließ seine Werke zu religiösen Themen in ganz unterschiedlichen Techniken entstehen.

Die St. Pius-Kirche wurde 1956 fertig gestellt, nachdem durch Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahl der katholischen Gläubigen in und um Sternberg um fast das Zehnfache gestiegen war. So steht es in einem im Vorjahr herausgegebenen Kirchenführer. Die Gottesdienste fanden zuvor rund zehn Jahre lang in einer zur Kapelle umgestalteten Baracke am Schützenhof statt.

Brückner-Fuhlrott, der sich von 1930 an ganz der Malerei und Bildhauerei gewidmet und nach regelmäßigen Sommeraufenthalten in Ahrenshoop dort 1972 seinen festen Wohnsitz gewählt hatte, schuf in Sternberg zuerst die Kreuzwegbilder (1957), 20 mal 20 Zentimeter große Holztafeln, auf denen 14 Stationen an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnern.

Es folgten die Mutter-Gottes-Statue (1958), das Altarkreuz (1960) sowie das Abendmahlscraffito und die Kopfplastik von Pius X. (1961). Mehr oder minder kritische Dispute zwischen Auftraggeber und Künstler waren vorausgegangen, wie es in dem kleinen Führer zur St. Pius-Kirche heißt. Besuchern der Veranstaltung am Sonntag bietet sich auch die Gelegenheit, die bildnerischen Kunstwerke zu betrachten.

Elke Maes, Lehrerin für Mathematik und Physik sowie Kunsterziehung, schreibt seit 1969 Gedichte, die Privates und Politisches ihres DDR-Alltags und der Wende reflektieren. Und immer wieder greift sie zum Pinsel, zum Zeichenstift, um den schwer kranken Vater, der in den letzten Lebensjahren erblindet, bei einer Auftragserfüllung für eine katholische Kirche zu unterstützen. Nach Jahrzehnten anderer beruflicher, ehrenamtlicher und politischer Tätigkeit im Bildungsbereich widmet sich Maes seit 2002 ganz ihrer künstlerischen Tätigkeit. Sie malt in Aquarell, Tempera, Gouache, Öl, Acryl und Pastell, bevorzugte Motive sind Landschaften. In den Bildern spiegeln sich persönliche Bindungen vor allem zum Fischland und den Darß sowie zur Mark Brandenburg wider. Ein zweite Seite ist die Lyrik; sie schreibt Gedichte und veranstaltet Lesungen mit Lyrik und Prosa auch anderer Autoren.

Juan Carlos Mieres, in Montevideo geboren, lernte seit dem fünften Lebensjahr zu musizieren. Vom Vater, einem bekannten Gitarristen, erbte er die Liebe zu diesem Instrument, das zum Lebensberuf wurde. Politisch engagiert gegen die Militärjunta im Heimatland Uruguay musste Mieres als junger Mann sein Land verlassen und ging über Argentinien, wo er im Widerstand auch immer als Gitarrist seinen Lebensunterhalt verdiente, nach Europa. An der elektro-akustischen Gitarre wurde lateinamerikanische Musik zu seinem Markenzeichen: Tango, Candombe, Bossa, Milonga, Chacarera prägen auch seinen Kompositionsstil ebenso wie der Jazz. Er leitete u.a. die bekannte Latin-Band Pa’que. Seine Musik ist auch von karibischer Musik beeinflusst. Hinzu kommen Elemente des modernen Jazz-Rock und Pop. In den letzten Jahren wird sein virtuoses solistisches Gitarrenspiel zunehmend meditativer, verinnerlichter, stiller. Carlos Mieres spielt als sei er allein zu Hause, möchte die Zuhörer in eine persönliche Begegnung mit seiner Musik hinein nehmen.

Der Eintritt zu der Veranstaltung am Sonntag ist frei, Spenden sind willkommen.




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erstellt am 16.Mär.2017 | 21:00 Uhr

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