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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

09. Dezember 2016 | 00:59 Uhr

Bauarbeiten B192 in Borkow : Adieu, alter Bahnübergang

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Seit 20 Jahren fährt kein Zug mehr durch Borkow – jetzt erfolgt an der B192 im Zuge der Deckenerneuerung auch der Gleisrückbau.

Ein Stück Zeitgeschichte verschwindet. Seit 1887 hatte Borkow an der heutigen B 192 einen Bahnübergang. Auch wenn bereits seit dem 1. Juni 1996 der Personennahverkehr zwischen Sternberg und Karow eingestellt ist – beim zweiten Abschnitte von Sternberg bis Wismar folgte dies Ende Mai 1998 –, Borkow behielt seinen Bahnübergang.

Jetzt wird er, nachdem die Deutsche Bahn endlich grünes Licht gab, im Zuge der Deckenerneuerung auf der Bundesstraße in der Ortslage Borkow zurückgebaut. Die Kraftfahrer wird’s freuen, „hoppeln“ sie dann doch nicht mehr über den Bahnübergang.

Ein Blick in die Geschichte verrät dessen Anfänge. Die erste Dampflok der seinerzeit privat betriebenen „Wismar-Karower Eisenbahngesellschaft“ schnaufte am 14. November 1887. Vom Aktienkapital in Höhe von 1,777 Millionen Mark übernahmen zu Zeiten von Kaiser Wilhelm I. die Städte Brüel, Güstrow, Sternberg, Warin und Wismar 748 000 Mark. Seit 1890 verstaatlicht, verband die 71,3 Kilometer lange Strecke zwar gleich sechs Städte – Wismar, Neukloster, Warin, Brüel, Sternberg und Goldberg –, über lokale Bedeutung kam sie nie hinaus. Bot sie doch keine direkte Anbindung an die großen Städte Rostock und Schwerin.

Dennoch verbinden sich mit der Bahnstrecke Wismar – Karow zu DDR-Zeiten etwa so manche Erinnerungen. So fuhr man speziell in den 50ern und 60ern per Zug von Borkow oder Dabel aus zum Einkauf nach Goldberg, Sternberg oder weiter bis Wismar. Und nicht zuletzt ganze Borkower Schülergenerationen verbrachten ihre Brüeler EOS-Zeit mit täglichen Bahnfahrten samt beliebter Wiedersehens-Histörchen. Nach der Wende wurde auch das Geschichte; die Erweiterte Oberschule (EOS) wurde zum Gymnasium und der Standort wechselte von Brüel nach Sternberg.

Das Borkower Bahnhofsgebäude erfuhr bereits vor 15 Jahren eine Neunutzung – als Dorfgemeinschaftshaus. Und jetzt kann auch dessen bisher unbefestigter Vorplatz endlich umgestaltet werden. Das steht im kommenden Jahr auf der baulichen Agenda der Gemeinde. Denn nach der Freigabe von Flächen durch die Deutsche Bahn soll das gemeindliche Areal so um wenige Meter erweitert werden, dass dann Platz ist u.a. für befestigte Kfz-Stellplätze.

Aber so ganz ohne Gleis wird Borkow aber auch künftig nicht sein. Denn der 430-Einwohner-Ort, die Ortsteile Hohenfelde, Rothen, Schlowe, Woserin und Neu Woserin eingerechnet, ist Endpunkt der Draisinenstrecke von Alt Damerow bei Karow bis Borkow. Draisinenbetreiber Ralf Schwanebeck bietet dieses Freizeitvergnügen seit 2004 an. Die „Draisinentour in Mecklenburg“ gehörte bei der Aktion „99 Lieblingsplätze für Aktive“ in der Metropolregion Hamburg zu den auserwählten Tipps für die 2016er-Ausflugssaison. Einheimische wie Touristen können seit zwölf Jahren – und auch in Zukunft – auf dem 23 Kilometer langen Teilstück der historischen Bahnstrecke weiterhin Eisenbahnflair genießen – zwar ohne Lokomotive, dafür aber per Fahrrad-Draisine und Rastplätzen unterwegs.  

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erstellt am 20.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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