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Norddeutsche Neueste Nachrichten

08. Dezember 2016 | 10:50 Uhr

Mensa in Rostock wird abgerissen : Wohnungsnot trifft Studenten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Werkschef sucht fieberhaft nach geeigneten Standorten für Neubauten und innovativen Lösungen zur Unterbringung

Er ist „im zweiten Semester“ und die Hausaufgaben reißen nicht ab: Nach zweieinhalb Jahren ohne Geschäftsführer hat Kai Hörig vor elf Monaten diesen Posten im Rostocker Studentenwerk übernommen. Viel Zeit, wichtige Netzwerke wieder aufzubauen und zu pflegen, bleibt ihm dennoch nicht. Denn es gibt Aufgaben, die drängen. Während der Bereich Essen mit der besten Mensa Deutschlands eine Erfolgsgeschichte ist, sieht es im Aufgabenfeld Wohnen ganz anders aus. „Wir verfügen als Studentenwerk über rund 2100 Wohnheimplätze an elf Standorten. Rund 1500 Zimmer in Rostock und 600 in Wismar“, so Hörig. Gerade in Rostock sei die Zahl aber nicht mal annähernd ausreichend.


Lichtenhagen ist zu weit weg

Verschärft wurde die Lage durch die Aufgabe eines Wohnheims in der Möllner Straße. „Der Standort war in der bestehenden Form nicht mehr zumutbar und hätte dringend und umfassend saniert werden müssen“, sagt der 44-Jährige. Trotz der prekären Situation habe man sich entschieden, den Nutzungsvertrag nicht zu verlängern. Denn auch die Lage sei wenig attraktiv für Studenten und zu weit entfernt vom Uni- und Campusleben. Deshalb kann die Stadt das Gebäude jetzt anderweitig nutzen – als Flüchtlingsunterkunft.

Für Kai Hörig geht die Suche nach Lösungen deshalb weiter. Mit den im Gespräch befindlichen zwei Neubauvorhaben könne er den Verlust von 208 Plätzen am Standort Möllner Straße noch nicht einmal komplett kompensieren. Dazu komme die jährlich steigende Nachfrage nach Wohnheimzimmern. „Bei einem Leerstand auf dem Rostocker Wohnungsmarkt von unter einem Prozent werden wir immer wichtiger“, so Hörig. Neben den regulären neu ankommenden Bachelor- und Master-Studenten seien es auch ausländische Studenten, die nur für ein Semester in Rostock weilen und aufgrund dieser kurzen Zeitspanne und teilweise auch durch Sprachbarrieren kaum eine Chance haben, auf dem freien Markt eine Bleibe zu finden. „Die Gespräche, die ich mit der Stadt führe, sind positiv. Wir verfolgen ja das gleiche Ziel, nämlich dass die Studenten bleiben“, sagt der Geschäftsführer.


Später könnten Senioren einziehen
 

Er sieht noch ein weiteres Problem: Weil sich im Allgemeinen die Studentenzahlen rückläufig entwickeln, sei die Zurückhaltung beim Bau neuer Wohnheime groß. „Man will ja auch keine Überversorgung schaffen – auch wenn das in Rostock mit Blick auf die aktuelle Situation schwer nachzuvollziehen ist“, so Hörig. Er verfolgt deshalb mit Interesse zukunftsweisende Ideen wie die, so nachhaltig neu zu bauen, dass ein Studentenwohnheim beispielsweise mit minimalen Umbauten zum Seniorenheim werden könnte.

Bei all diesen Überlegungen muss Hörig wichtige Kriterien beachten: So sollten neue Plätze nicht nur bedarfsgerecht geschaffen werden, sondern auch den Bedürfnissen der Studenten entsprechen, also hochschulnah und modern sein. Außerdem hat das Studentenwerk einen sozialen Auftrag zu erfüllen. „Wir orientieren uns bei den Mieten am BAföG-Wohngeldzuschuss, der seit 1. August dieses Jahres bei 250 Euro liegt – und das inklusive aller Betriebskosten und ohne Nachzahlungen. Aktuell erreichen wir diesen Wert bei 85 Prozent der Plätze“, so der Vater einer kleinen Tochter. Was er bei den Neubaugedanken auch nicht vernachlässigen darf, ist die Instandhaltung bestehender Plätze. „Wir haben ein Gutachten, das einen Stau in mehrfacher Millionenhöhe aufzeigt“, sagt Hörig. All diese Aufgaben seien zu schaffen – „aber nur mit Unterstützung der Politik“, so der Geschäftsführer.


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erstellt am 08.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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