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06. Dezember 2016 | 13:11 Uhr

#wirkoennenrichtigheimat : Verordnung regelt Waffennutzung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geschichte in Zahlen: Erlass von 1595 soll Brände verhüten und Schaden begrenzen

595 Im 595. Jahr des 2. Jahrtausends – 1595 – erschien eine Rostocker Ratsverordnung gegen das Schießen in der Stadt und in den Gärten. Dies war bereits nach den Jahren 1582 und 1585 die dritte Anordnung. Und sie wurde später mehrmals bis in das 18. Jahrhundert hinein wiederholt und mit der Erfindung von neuen Waffen erneuert. Das galt andererseits zum Beispiel auch beim „Raketen-Werfen“ oder für die Benutzung von brennenden Fackeln. Bei allen Maßnahmen handelte es sich hauptsächlich um die Verhütung von Bränden und Schadensbegrenzung in der Stadt.

Die Traditionen der Waffenbenutzung sind sehr alt. Als die mittelalterliche Hauptwaffe, die Armbrust, schon größtenteils ausgedient hatte, benutzte man sie immer noch auf Volksfesten. Da gab es beispielsweise das jährliche Vogelschießen der „Landfahrer-Brüderschaft“ (1466 gegründet) und das vom „Wiker Gelag“ (Schifffahrtsgesellschaft). Die alte Armbrust konnte gut von jedermann angewendet werden. Sie funktionierte mit Armkraft und einem scharfen Auge.

Mit der Erfindung des Schießpulvers entstanden auch neue Brandgefahren. Die Stadt schützte sich mit großen Feuergeschützen vor den Feinden. Dafür lagerten oft große Mengen an leicht entzündlichem Schießpulver in der städtischen Pulverkammer.

Noch mehr Sorgen bereiteten dem Rat seit Beginn des 15. Jahrhunderts die neuen Handfeuerwaffen, besonders bei willkürlichem Verwenden im Privatgebrauch. Zur Jagd hatten sich Bürger, die es sich finanziell leisten konnten, beizeiten Gewehre angeschafft. Anfangs musste das mit Pulver und der Kugel gefüllte Eisenrohr noch umständlich entweder an der Mündung oder durch ein Zündloch am Ende mit einem glühenden Draht gezündet werden. Hierbei war Achtsamkeit geboten, leicht brennbares Material wie trockenes Laub, Stroh oder Heu konnte sich mit entzünden. Auch der (versehentliche) Einschlag von Kugeln in trockenen Strohdachdeckungen von Wohnhäusern oder in mit Vorräten gefüllten Scheunen konnte verheerende Folgen auslösen.

Selbst für die Jagd existierten in Rostock gesetzliche Regelungen, die ursprünglich zwischen den Herzögen und der Stadt ausgehandelt wurden. Und Wilddieberei gab es auch zu Genüge. Aber eine Regelung scheint aus heutiger Sicht dem Jagdeifer Tür und Tor geöffnet zu haben. Die Herzöge gaben nämlich die Jagd auf „wegziehende Vögele, als Enten, Schnepfen, und alles andere dahin gehörige Gefiedere“ frei. Und das ließen sich die Bürger der Hansestadt bestimmt nicht nehmen, in den eigenen Gärten am Stadtrand, auf Wiesen oder Feldern sich einen guten Braten zu schießen.

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