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08. Dezember 2016 | 12:52 Uhr

#wirkoennenrichtighafen : Um Zugangswege zu erleichtern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ausbildung der Lotsen beim IMPA-Kongress in Seoul erörtert. Auch Haftungsbeschränkung angesteuert.

Der Frachter „Baltic Bright“ führt Papier aus Rauma zu. Der Zementcarrier „Gotland“ nimmt Kurs auf Norwegen. Der Tanker „Temse“ versorgt das Düngemittelwerk mit Ammoniak. Eine Momentaufnahme des Schiffsverkehrs vergangene Woche in der Hafenzufahrt. Augenscheinlicher Beleg dafür, dass die heimischen Lotsen gegenwärtig vor allem im Lotsenbezirk Rostock gut zu tun haben.

Lotsenältermann Christian Subklew (62) ist gerade von großer Fahrt zurückgekehrt. Er nahm mit dem Vorsitzenden der Bundeslotsenkammer Hans-Hermann Lückert am Kongress der IMPA, der International Maritime Pilot‘s Association, in Seoul teil. Die IMPA repräsentiert weltweit mehr als 8000 Lotsen aus 73 Ländern, die etwa 80 Prozent der Schifffahrt vertreten. Allein in Deutschland sind 950 Lotsen tätig – 840 See- und 110 Hafenlotsen. Anno 1970 war die IMPA in Kiel von Vertretern aus Deutschland, Holland, Frankreich und den USA initiiert worden, ein Jahr später wurde sie in Amsterdam offiziell aus der Taufe gehoben. Hauptsitz der Organisation ist London, Präsident ist gegenwärtig der Kanadier Simon Peletier.

Alle zwei Jahre treffen sich die Vertreter der IMPA zum Erfahrungsaustausch, geben Empfehlungen für die internationale maritime Zusammenarbeit. In Seoul war von Trends in der Weltschifffahrt allgemein die Rede, speziell wurden Entwicklungen der elektronischen Navigation, die Herausforderungen durch die immer größer werdenden Schiffe, die Sicherheit von Lotsenleitern und ruderbedingte Schifffahrtsunfälle bei Hafenansteuerungen, aber vor allem Haftungsbeschränkungen sowie Training und Ausbildung der Lotsen erörtert, berichtet der heimische Lotsenchef.

Für ihn war es voraussichtlich der letzte IMPA-Kongress, an dem er teilnahm. Ende März nächsten Jahres läuft seine Amtszeit als Vizepräsident der Bundeslotsenkammer aus. Er ist inzwischen der Älteste der heimischen Brüderschaft, im Frühjahr 2018 steuert er den Ruhestand an. Die Verjüngung seiner Crew ist längst eingeleitet, Nachwuchs-Sorgen gibt es im Lotsenrevier zwischen Wismar und Stralsund nicht. Hier versehen inzwischen 35 Kollegen ihren Dienst als Berater der Kapitäne. Drei Junglotsen verstärken in den drei Lotsenbezirken Wismar, Rostock und Stralsund erst seit Kurzem die Brüderschaft, sind nach erfolgreicher Absolvierung ihrer Aspiranten-Zeit inzwischen auf dem Weg, sich zum Volllotsen zu qualifizieren.

Ganz anders sieht es bekanntlich, wie jüngst berichtet, in den großen Brüderschaften am Nord-Ostsee-Kanal und auf der Elbe aus. Die Studentenzahlen der Seefahrtsschulen sind rückläufig, Absolventen finden mit dem Rückgang der Schiffe unter deutscher Flagge immer schwieriger einen Job beziehungsweise Reedereien, wo sie ihr Patent ausfahren können. Damit schrumpft auch der potenzielle Bewerberpool für den Lotsenberuf. Ähnliche Erfahrungen gibt es auch in Korea, Japan und Australien. Wobei Japan noch die Besonderheit hatte, dass hier bislang auch Kapitäne über 60 Jahre in den Lotsenberuf einsteigen konnten, wogegen allein schon Belange der Fitness sprechen könnten.

Alternative Zugangswege rücken bei der Ausbildung ins Blickfeld, die notgedrungen auch schon am Nord-Ostsee-Kanal seit einigen Jahren in Ansätzen praktikabel wurden. Von deutscher Seite wurde darüber in Seoul berichtet und damit auch, wie hier künftig mit einer Ausbildungsreform gegengesteuert werden soll, um den jährlichen Nachwuchsbedarf von jährlich 40 Kollegen zu decken. Danach werden die Zugangswege erleichtert beziehungsweise verkürzt. Das ist nicht unumstritten. Nicht nur Prof. Karsten Wehner, der Leiter der heimischen Seefahrtsschule, sieht darin Abstriche an der Qualität der Ausbildung und die Sicherheit des Schiffsverkehrs gefährdet.

Das Reformpapier ist aber auf den Weg gebracht und wird wohl noch in dieser Legislaturperiode 2017 verabschiedet. Das setzt – wie auch die Wünsche der Lotsen nach einer Haftungsbeschränkung – Änderungen im Lotsengesetz voraus.Welchen Weg der Ausbildung künftig gegangen wird, bleibe aber jeder Brüderschaft selbst überlassen. Subklew macht kein Hehl daraus, dass er den klassischen Weg bevorzugen würde, so auch ein Bachelor-Studium als solide Grundlage der weiteren Qualifizierung sieht.

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