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08. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

Einwohnerversammlung : Stadtspitze stellt sich Biestowern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Oberbürgermeister präsentiert Pläne für neues Wohngebiet. Einwohner fordern mehr Beteiligung und Ersatzflächen für Kleingärten.

Dass es sich bei den jüngsten Plänen für den Ausbau Biestows zum Großwohngebiet bisher nur um einen Vorschlag handeln soll, haben Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Chef-Stadtplaner Ralph Müller gestern bei der Einwohnerversammlung in der Stadthalle vor 2000 Rostockern mehrfach betont. „Wir haben nie geplant, etwas im stillen Kämmerlein zu entscheiden“, sagt Methling.

Dennoch sei es zwingend notwendig, schnellstens neuen Wohnraum zu erschließen. „Wir liegen mit 208 000 Einwohnern über dem Plan und werden die prognostizierte Bevölkerungszahl von 230 000 bis 2035 definitiv erreichen“, so Methling. Bis dahin müsse Rostock 25 000 neue Einwohner unterbringen. „Deshalb erarbeiten wir derzeit einen neuen Flächennutzungsplan. Es werden verschiedene Flächen hinsichtlich einer möglichen Bebauung getestet“, erklärt Stadtplaner Müller. 33 Flächen hätten die Untersuchungen hervorgebracht, die für eine zeitnahe Erschließung und Bebauung infrage kämen – darunter eine im Süden Biestows, die zum Großteil dem kommunalen Wohnungsunternehmen Wiro gehört.

Die Frage, die sich vielen Besuchern der Versammlung aufdrängt, stellt Marlies Groß: „Warum kann man das nicht woanders machen?“ Stadtplaner Müller entgegnet: „Natürlich können Sie auch draußen auf dem Acker bauen. Dann werden aber Mieten und Quadratmeter doppelt so hoch, weil die Erschließungskosten steigen, wenn neue Straßen und Versorgungsleitungen gebraucht werden.“ Biestow könne verhältnismäßig einfach an die bestehende Infrastruktur angeschlossen werden.

Dass für die Pläne von Oberbürgermeister und Stadtplaner auch einige ihrer Parzellen weichen sollen, erzürnt die Rostocker Kleingärtner: „Mit ihren Plänen reißen Sie den Südstädtern ihre Rückzugsgebiete weg“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender des Verbands der Gartenfreunde. Zwar könne man es tolerieren, dass neuer Wohnraum gebraucht werde, wenn der Bedarf da sei, aber vorher solle geklärt werden, wo und ob es Ausweichflächen für die Gärtner geben kann. Die will die Verwaltung bereitstellen – „und zwar im Stadtteil und nicht am anderen Ende der Stadt“, versichert Müller. Gleichsam macht er aber auch keinen Hehl daraus, dass 200 Parzellen auf Höhe der Wendeschleife der Straßenbahn an der Mensa zugunsten einer Verkehrstrasse für etwa 600 Wohneinheiten weichen werden. „Bisher ist dies aber alles nur eine Vision, die wir gemeinsam mit Ihnen in den nächsten Jahren entwickeln wollen“, sagt Stadtplaner Ralph Müller.

Wie die Beteiligung der Bürger in Bezug auf das geplante Wohngebiet in Biestow aber konkret aussehen soll, hat Stadtspitze Roland Methling bisher noch nicht verraten. Ein Leitfaden zu diesem Thema steht seit Jahresbeginn im Anfangsstadium. Ein konkrete Satzung zur Bürgerbeteiligung hatte die Verwaltung abgelehnt.

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