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Wir können richtig

04. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

#wirkoennenrichtig Heimat : Opa nahm uns immer in den Arm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Gespräch mit Heidje Fischer, Enkelin des Warnemünder Seemanns Hans Stüve.

Heidje Fischer – eine der Straßen im Ostseebad trägt den Namen ihres Großvaters Hans Stüve. NNN-Autorin Monika Kadner hat mit der 77-jährigen Zahnärztin gesprochen.


Von welchem Erlebnis seiner Seefahrt hat Ihr Großvater immer wieder berichtet?
Erzählt nicht gerade, aber immer wieder war es die Redewendung „Ja, als wir noch um Kap Horn segelten…“ Erst heute weiß ich, wie schwer das gewesen sein muss, dieses windgepeitschte Kap zu umrunden.

Was war in Ihren Augen so einmalig an ihm?
Meine Mutter kam mit mir und meiner Schwester aus Leverkusen während des Krieges nach Warnemünde. Im Rheinland regneten nur so die Bomben vom Himmel. Mein Großvater war sehr ruhig, besorgt um meine Mutter und seine Enkel. Ganz fürsorglich nahm er uns immer wieder in den Arm, hatte stets ein neues Döntjes parat und ließ jedenfalls uns Kinder den Krieg vergessen.
Welche kleinen Schwächen gab er ungern zu?
Ich liebte ihn bedingungslos. An Schwächen kann ich mich an keine erinnern.

Aß er etwas besonders gern, was auch heute noch oft auf Ihrem Tisch steht?
Er fuhr zu gern mit uns Lüttschen per Schlitten auf die zugefrorene Warnow raus. Er schlitterte und schlitterte. Von Eisloch zu Eisloch, vor dem die Fischer hockten. Es gab wohl keinen von ihnen, den er nicht grüßte. Jeder wollte ihm und der „Einquartierung“ was Gutes tun und drängte ihm noch zappelnden Fisch auf. Frischer Fisch ist für uns heute noch eine Delikatesse.

Was hat er Ihnen vererbt, worauf Sie heute noch stolz sind?
Seine Hosentaschen waren immer voller kleiner Stückchen Bernstein, das habe ich allerdings erst viel später rausbekommen. Wir Kinder sollten ja in Warnemünde unbedingt rote Backen kriegen. Deshalb gingen wir viel mit ihm am Strand spazieren und suchten Bernstein, den er immer aus der Hose fallen ließ. Ein Bernsteinsäckchen habe ich immer noch aufgehoben.
Wo führt Ihr Weg hin, wenn Sie nach Warnemünde kommen?
Auf jeden Fall spätestens als zweites zum Leuchtturm. Hier versteckten wir uns in der Bodenstation bei Bombenalarm. Es war ja vom Strom 97 aus nicht weit hierher. Großvater hatte uns von seinem Segelmacher kleine Rucksäcke nähen lassen. Hier verstauten wir unsere Kuscheltiere, eine warme Jacke… Noch lange hütete ich den Rucksack aus Segeltuch in Leverkusen als Andenken aus Warnemünde.
Sind jemandem aus Ihrer Familie auch Seebeine gewachsen?
Mein Mann ist Seefahrer. War bei der Marine gemustert. Damals wie heute geht er gern segeln.














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erstellt am 28.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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