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09. Dezember 2016 | 14:36 Uhr

#wirkoennenrichtighafen : Im Jahr der Meere und Ozeane

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

IOW-Chef und Kapitän der „Berlin“ zu Problemen des Umweltschutzes. Nautisches Essen an Bord der Fähre.

Die Scandlines-Fähre „Berlin“ war am vergangenen Freitagabend Treffpunkt von Schifffahrtsexperten. Das Bordrestaurant verwandelte sich in einen Vortragssaal. Meere und Ozeane und der Austragungsort selbst spielten eine Hauptrolle. Der Nautische Verein Rostock hatte zu seinem „Nautischen Essen“ geladen, das traditionell zunächst mit Reden angerichtet wird. Festredner war in diesem Jahr Prof. Dr. Ullrich Bathmann, Direktor des Leibniz-Institutes für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Die Grüße des Deutschen Nautischen Vereins (DNV), der Dachgesellschaft aller Nautischen Vereine zwischen Emden und Sassnitz, überbrachte Kapitän Bernd Appel aus Brunsbüttel und die Kapitänsrede hielt mit Jürgen Ellner einer der Kapitäne von Scandlines, die die neue zwischen Rostock und Gedser verkehrende „Berlin“ führen.

Prof. Bathmann veranschaulichte im Jahr der Meere und Ozeane ihre Bedeutung für das Klima und als Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum sowie Platz zum Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen. Der Meeresforscher benannte davon ausgehend auch die Konflikte, die durch verschiedene Einflüsse auf die Natur hervorgerufen werden – sei es durch Industrie, Tourismus oder Altlasten der Militärs.

Von Verschmutzungen durch den Schiffsverkehr war die Rede und von Überdüngungen durch die Landwirtschaft, von Plastik-Müll und Überfischungen, von am Meeresgrund lauernden Gefahren durch Munition und Hochwasser-Risiken. Der Wissenschaftler malte keine Schreckensszenerien, aber verdeutlichte eindringlich die möglichen Folgen des starken Kohlendioxydanstiegs als Klimakiller. Als Fahrtleiter bei 15 Expeditionen der „Polarstern“ und 23 Jahren Dienst in der Arktisforschung war er auch „schifffahrtsnah“ den Entwicklungen auf der Spur.

Wie die Schifffahrt durch umweltverträglichere Antriebe ihren Beitrag leisten kann, schilderte Kapitän Jörg Ellner am Beispiel der „Berlin“. Umweltschutz wird hier groß geschrieben. Die „Berlin“ fährt mit einem Hybrid-Antriebssystem, welches den traditionellen Diesel- mit einem elektrischen Batterieantrieb kombiniert. Das Schiff kann so den Treibstoffverbrauch optimal an die Auslastung anpassen. So werden Sprit gespart und die CO2-Emissionen wesentlich herabgesetzt. Ellner beziffert das konkret: Statt wie die alten Fähren vier Tonnen pro Tour nach Gedser, verbraucht die Hybridfähre nur etwa 2,5 Tonnen Treibstoff.

Der bei Schwaan heimische gebürtige Thüringer, der an der Seefahrtsschule Warnemünde die Befähigung als Nautiker erwarb, war bei der Vorbereitung am Simulator noch ein wenig skeptisch, ob das Konzept auch in der Praxis aufgeht. „Aber wir meisterten ohne doppelten Boden auch die Herausforderungen der Hochsaison“, resümiert der Scandlines-Kapitän, der auf Schiffen der Vogelfluglinie im Einsatz war, ehe er auf „Prins Joachim“, „MeckPom“ , „Aurora“ und zuletzt wieder „Prins Joachim“ seinen Dienst versah.

Mit 22 Knoten Geschwindigkeit verkehrt die „Berlin“ inzwischen wie ein Uhrwerk in nur einer Stunde und 45 Minuten zwischen beiden Häfen. Auch die kurze Zeit von 15 Minuten für das Ent- und Beladen wird inzwischen weitgehend eingehalten, wenn nicht gerade ein Fahrzeug Startprobleme hat oder notwendige Grenzkontrollen zu Verzögerungen führen. Die Abstempelung als „Pannenfähre“ durch Teile der Öffentlichkeit empfand die hochmotivierte Crew als ungerechtfertigt. Ellner gab zu bedenken, dass auch andere Neubauten ihre Einführungsphase brauchten. Das Problem der Rauchfahnen beim Umschalten vom Hybridantrieb bekomme man auch besser in Griff.

Weitere Ertüchtigungen sind vorgesehen, wenn zum Jahresende auch die „Copenhagen“ im Einsatz ist. Erst dann werden Anfang 2017 auch die Abgaswäscher an Bord in Betrieb genommen und das schon in Stralsund installierte Common Rail-System ersetzt, das sich nicht bewährt hat. Gegenwärtig wird mit dem Einsatz von Marinediesel den Anforderungen an sinkenden Schiffsemissionen entsprochen.

Kapitän Appel und Prof. Thomas Boecker vom Vorstand des Nautischen Vereins Rostock vermittelten ihre Eindrücke vom 35. Seeschifffahrtstag in Kiel, wo in drei Arbeitsgruppen auch Rostocker ihre Erfahrungen einbrachten. Die diesjährige Weihnachtspäckchenaktion der Seemannsmission unterstützen die Nautiker mit einer spontanen Sammlung von 235 Euro.

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