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#wirkoennenrichtig lokal : Hoppen un Molt: Bier mit Tiefgang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Henry Gidom ist der erste Brauer Warnemündes und versorgt seine Kunden mit Craft Beer. Die Produktion soll auf 10 000 Liter pro Jahr wachsen.

Kulturhistorisch hat sich im Jahr 2014 der erste Bierbrauer in Warnemünde angesiedelt. Henry Gidom soll nach eigenen Recherchen im Heimatmuseum definitiv der Erste sein, der im Ostseebad die Braukunst pflegt. Ausschlaggebend war nicht der Hang zum Alkoholkonsum, sondern die Lust an der Historie der Berliner Brauereiwirtschaft, die ihn als Lektor des Hinstorff Verlages in ihrer Dokumentation besonders beeindruckte. Dazu kam die Reiselust in ferne Länder, wo so manches Craft Beer von dem Wahl-Warnemünder verkostet wurde.

Das helle bis dunkelbraune Gebräu erweckte das kulturelle Interesse nicht nur im Genuss der außergewöhnlichen Aromen, sondern verlangte nach mehr. Spätestens auf einem Biertrail in Neuseeland dämmerte es auch Ehefrau und Prosecco-Trinkerin Sylvia Joeck, dass es mehr als nur drei Biersorten gibt, die nicht alle gleich schmecken. Insbesondere die Craft Beer-Szene im Ausland soll da einige Rezepturen parat haben.


Wissen stammt aus Büchern


„Irgendwann kam mir der Gedanke, es einfach mal selbst auszuprobieren“, erklärt Henry Gidom seinen Grundgedanken. Warnemündes erste Brauerei setzte die Segel. Auf seiner Recherche-Tour über Berlins Bierkeller der Hauptstadt-Unterwelt fand der 39-Jährige auch schnell die passenden Ansprechpartner. „Den Rest habe ich mir angelesen und für den Privatgebrauch mit Hopfen und Gerstenmalz experimentiert“, sagt Gidom zur Anfangszeit im Herbst 2014. So sei das Hobby langsam gewachsen.

„Bier brauen ist wie kochen, allerdings ist das Endergebnis leider erst viel später zu schmecken“, befindet der gebürtige Neubrandenburger. Nach fünf bis sechs Wochen soll der Reifeprozess bis zum Entkorken der Flasche abgeschlossen sein. Sieben Aromen und Bitterhopfen prägen Gidoms Gerstensaft zwischen klassischer, herber, fruchtiger oder malzbetonter Note.

Nach den ersten Anfängen stehen heute insgesamt fünf unterschiedliche obergärige Flaschenbiere im jüngst ausgebauten Ladenlokal der Fritz-Reuter-Straße 24. Hier wird gebraut, abgefüllt und ab Ostern verkauft. Das junge Unternehmen wurde stilecht und regional Hoppen un Molt getauft. 2016 gingen bereits 2100 Liter in Flaschen über den Tresen und auch die Warnemünder Gastronomie weiß ihr eigenes regionales Produkt zu schätzen.


Ehefrau übernimmt das Marketing


Sylvia Joeck kümmert sich um den gesamten Marketingbereich von der Grafik, dem Etikettendruck und Einkauf bis zur Abrechnung. Das Paar ist vorwiegend in seiner Freizeit mit der kleinen Brauerei beschäftigt. Allerdings geht Gidom ab April bei seinem Verlag in Teilzeit. Bis dahin soll eine größere 200-Liter-Brauanlage geliefert werden, denn die Fans des Warnemünder Craft Beers sind auf den Geschmack gekommen und verlangen nach mehr. Hier plant Gidom zum Vorjahr eine Steigerung von 2000 auf 10 000 Liter.

„Bierbrauen ist reine Routine, die viel Spaß macht. Allerdings wäre ich in einem Vollzeitjob dabei intellektuell unterfordert und liebe gleichzeitig meine Verlagsarbeit“, sagt er. Beim Abfüllen, Verkorken und Etikettenkleben könne er allerdings gut abschalten, so Gidom. Auch seine Frau Sylvia möchte ihren Job als Projektleiterin einer Werbeagentur nicht an den Nagel hängen. Dabei verfolgen beide die Philosophie, auch den übrigen Rostockern zu beweisen, dass es sich lohnt, beim Feierabendbier einmal regionales Craft Beer auszuprobieren.

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