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Wir können richtig

03. Dezember 2016 | 20:45 Uhr

Rostock : Garten-Streit kocht über

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

#wirkoennenrichtig Pächterin aus der Bürgerschaft verweigert Zahlung von Schulden und schaltet sogar den Rathauschef ein

Ein Streit zwischen dem Verband der Gartenfreunde Rostock und der Parzellenpächterin Nailia Ritter droht sich zum Politikum zu entwickeln. Hintergrund sind wiederholte finanzielle Forderungen der beiden Kleingartenvereine An der Mühle und John-Frederik-Brinkmann gegenüber der 57-Jährigen, die auch für die Linksfraktion in der Bürgerschaft sitzt. Der Fall liegt nun sogar beim Oberbürgermeister auf dem Tisch. Dort soll Ritter sich über Verbandschef Christian Seifert beklagt haben – obwohl der Rathauschef formal gar nicht zuständig ist.

Dass ein Papier eingegangen ist, bestätigt ein Stadtsprecher. Was genau Ritter darin beklagt, ist nicht öffentlich. In einer verworrenen Chat-Diskussion mit Seifert wirft sie diesem allerdings Beschimpfungen, Rufschädigung und eine rechtsradikale Gesinnung vor. Er wolle sich „an einer Bürgerin mit Migranten-Hintergrund bereichern“, schreibt Ritter, die sich selbst im Chat als Bürgerin der Sowjetunion bezeichnet und dann noch größere Geschütze ins Feld führt: „Wir haben die Blockade gegen Leningrad überstanden.“ Und weiter: „Verdammt noch mal, hören Sie auf, den Zweiten Weltkrieg weiterführen zu wollen.“ In dem Chat kündigt Ritter an, bei Gericht Klage gegen Seifert einzureichen. Sie selbst war gestern nicht zu erreichen.

Der Betroffene zeigt sich über die Vorwürfe extrem verärgert, spricht von „moralischen Verfehlungen, die nicht entschuldbar sind“. Ritter werde mit ihrem Verhalten ihrem Mandat in der Bürgerschaft nicht gerecht, müsse zurücktreten. Nach eigenem Bekunden hatte sich der Verbandschef zunächst vermittelnd eingeschaltet, nachdem er per Zufall von der Vorgeschichte erfahren hatte. Und die reicht mehrere Jahre zurück, erklärt Ute Welz, Chefin der Anlage An der Mühle. Sie selbst sei seit sechs Jahren Vorsitzende des Vereins und seitdem mit Ritter im Clinch – ebenso wie schon ihr Vorgänger. „Sie redet gar nicht mehr mit mir, beschimpft mich als Neonazi“, so Welz. Aktuell würden sich die ausstehenden Forderungen auf „fast 900 Euro für Wasser, Strom, Pachtrückstände und so weiter“ belaufen. Ritter sei zwar längst gekündigt worden, sie weigere sich aber, ihre Parzelle zu verlassen.

In der Brinkmann-Anlage sollen allein rund 300 Euro Wasserkosten aufgelaufen sein, die die 57-Jährige nicht begleichen will. Der Verein habe ihr daraufhin den Anschluss gesperrt, erklärt Seifert. Er stellt klar: „Das war sicherlich ohne Ankündigung nicht ganz in Ordnung, aber irgendwo verständlich.“ Zumal eine Prüfung der Unteren Wasserbehörde ergeben habe, dass Ritter die rechtlichen Vorgaben zur Abwasserentsorgung nicht umgesetzt hatte. Zudem sei sie zu einem Vor-Ort-Termin gar nicht erst erschienen.

Eva-Maria Kröger, Chefin der Linksfraktion, will ihre Partei ganz aus dem Streit raushalten. Denn der sei privatrechtlich. Sie sagt: „Wir als Fraktion haben nichts damit zu tun, da muss man Mandat und Privates klar trennen.“

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erstellt am 30.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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