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Wir können richtig

11. Dezember 2016 | 10:58 Uhr

#wirkoennenrichtig : Feine Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Unsere Senioren-Redaktion erzählt, womit sich Frauen früher und heute beschäftigen…

Eine feine Gesellschaft ist das, wird dann und wann gesagt. Wobei der Sprecher die Betonung des zweiten Wortes meist mit einer abwertenden Mimik verbindet. Das wird aber im Falle der Sonderausstellung im Kulturhistorischen Museum „Rostocks feine Gesellschaft“ vermutlich niemandem in den Sinn kommen.

Hier gibt sich das Rostocker Großbürgertum und die Intelligenz des 19. Jahrhunderts die Ehre und lässt sich über die befrackten Schultern schauen. Wir fünf befreundeten Frauen nutzten die Gelegenheit zu einer Stippvisite in diesem Herrenklub, denn weibliche Gäste waren damals nur in Ausnahmefällen willkommen. Goldgerahmte Porträts von Rostocker Berühmtheiten, Fotos, die Festgarderobe der Damen und Herren, die Ausstattung eines gutbürgerlichen Herrenzimmers, eine kunstvolle Pfeifensammlung und verschiedenste Quellen und Hintergrundinformationen – dazu leise Musik und Toncollagen. Eine interessante Ausstellung, so war unsere Meinung.

Wir stellten uns das ehemalige Schifffahrtsmuseum vor, in dem heute der Verein Societät Rostock maritim sein Zuhause hat, wie hier ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Machtzentrum der feinen Gesellschaft Rostocks ihr geselliges Zusammenleben zelebrierte.

Und ihre Frauen, die Damen der feinen Gesellschaft, was taten die derweil? Wie lebten sie, womit beschäftigten sie sich, während ihre Gatten ihr Klubleben genossen? Feine, kunstvolle Nadelarbeiten galten als vornehme Tätigkeiten – keinesfalls aber Spinnen, Stricken, Stopfen oder Häkeln. Flickarbeiten waren verpönt. Und Lesen? Erst 1893 gab es das erste Mädchengymnasium. Wir waren uns einig: Welch ein Glück, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Familie geboren wird.

Mit diesem Gedanken im Kopf besuchte ich am Sonnabend den vorweihnachtlichen Kreativmarkt im Ostseedruck. Ein Fest für die Sinne! Gibt es überhaupt noch eine einzige Rostockerin, die untätig vor dem Fernseher sitzt? Besonders die Frauen in unserer Region scheinen Handarbeits-Weltmeister zu sein. Vom kleinsten gestrickten Babyschuh, dem winzigsten Tannenbaum-Zwerg über Kettenanhänger aus Kaffee-Kapseln, raffinierten Gegenständen aus dem Upcycling-Atelier, Weihnachtsschmuck, Kerzen, Miniaquarellen … es wurde gebastelt, gestrickt und gehäkelt, geklöppelt und gewebt – und die Erzeugnisse waren erstaunlich professionell. Hier allerdings waren die Männer eindeutig unterrepräsentiert. Ist das die ausgleichende Gerechtigkeit?

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