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Wir können richtig

09. Dezember 2016 | 01:03 Uhr

#wirkoennenrichtig : Ein besonderer Ort mit Flair

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Nikolaikirche hat sich vom Wahrzeichen zur Veranstaltungsstätte mit herausragender Atmosphäre gewandelt – auch für den Martinsmarkt

Um den 22. Oktober herum können wir jedes Jahr zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Bei einem Stadtbummel durch die Östliche Altstadt zeigen wir unseren Gästen die Kirche des Heiligen Nikolaus, unsere Nikolaikirche, in der dem ehemaligen Bischof von Tours zu Ehren der Martinsmarkt abgehalten wird. Ein Markt in der Kirche? Wir Einheimischen wissen, diese Kirche ist etwas Besonderes. Aus der Not geboren, wurde ihr 1976 der Status Pfarr- und Gemeindekirche abgesprochen, dafür wurde sie als Kulturkirche beliebt bei allen, die besondere Konzerte, Ausstellungen und eben auch Märkte mögen.


1703 zerstörte ein Orkan den Turm


Sie erhebt sich in engster Nachbarschaft über die Wohnbauten. Das wird dem Besucher spätestens dann bewusst, wenn er die schön restaurierte mittelalterliche Wasserkunst am Fuße der Kirche oder den Schwibbogen am Ende der Lohgerberstraße betrachtet, der früher eine Straßendurchfahrt war. Darüber ist das Bildnis des Heiligen Nikolaus eingelassen, dem Schutzpatron der Seefahrer und Fischer.

Im 13. Jahrhundert erbaut, gehörte die Hallenkirche zu den stolzen vier großen Pfarrkirchen unserer Stadt, trug einen 132 Meter hohen schlanken Spitzturm, der den der benachbarten Petrikirche überragte. Dass ein Orkan im Jahr 1703 ausgerechnet den Turm ihrer stolzen Kirche zerstörte, muss für die gottesfürchtigen Rostocker ein schwerer Schlag und schwer verständlich gewesen sein. Drei Jahre später trug sie wieder ein Turmdach, nun aber als Pyramide mit barocker Laterne, wirkte dadurch kleiner und gedrungener als ihre Schwester auf dem Petriberg. In den Bombennächten im April 1942 aber wurden beide Kirchen zu Ruinen. Turm und Kirchenschiff von St. Nikolai waren völlig ausgebrannt, Gewölbe und Kirchenschiff stürzten ein. Nur der Chorraum konnte als Notkirche genutzt werden, ein Behelfsdach schützte vor dem völligen Zerfall. Die Rekonstruktion und der Wiederaufbau begann 1976. Doch die künftige Funktion war eben eine andere: Büros, Diensträume der evangelischen Kirche, Dachetagen wurden eingezogen mit Wohnungen für Kirchenmitarbeiter.

1994 konnte die Einweihung als Konzertkirche und Rostocker Kulturzentrum gefeiert werden mit einem Bachkonzert. Schön, dass wir sie haben und dass sie Heimstatt geworden ist – auch für den Martinsmarkt. Jahr für Jahr erwarten die Liebhaber des Kunsthandwerks die Aussteller zu einem Fest der Sinne. Kurz vor dem Reformationstag am 31. Oktober und dem Martinstag am 11. November beginnt das Einstimmen auf die ruhige Jahreszeit. Nicht jeder kann mit den Legenden um den Bischof von Tours etwas anfangen. Der Soldat Martin, Sohn eines römischen Tribuns, kann einem Bettler nur die Hälfte seines Mantels schenken, wird durch schnatternde Gänse verraten und so gegen seinen Willen zum Bischof geweiht und schließlich ein Heiliger. Er tut Gutes, gibt ab und teilt…


Bauern gaben Gänse als Zehnten


Die Legenden gehören zu unserem Brauchtum wie Weihnachtsmann und Nikolaus, wie Osterwasser und das Eierfärben. Und der Martinstag hat darüber hinaus einen realen geschichtlichen Hintergrund: Bischof Martin stirbt Anfang November, am Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Die Erntezeit war beendet, die Fastenzeit begann, der Zehnte wurde fällig. Eine Abgabe, die auch in Naturalien möglich war – auch durch Gänse. Nicht Fastenzeit taugliche Tiere wurden geschlachtet und gegessen, ehe die karge Zeit begann. Essen Sie eine Martinsgans – mit Rotkohl und Klößen – und lassen Sie sich’s schmecken.


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