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04. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

#wirkoennenrichtighafen : Die Küstenreviere auf dem Display

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Training für Verkehrszentralen am erneuerten VTS-Simulator in Warnemünde. Beim 22. Schifffahrtskolleg vorgestellt.

Die elektronische Seekarte auf dem Monitor, das Traffic-Display, zeigt die Deutsche Bucht und anhand von AIS-Transpondertechnik Schiffsbewegungen im Verkehrsgebiet bis hin zum Borkum Riff. Auf weiteren Monitoren geben Kurven und Diagramme Messdaten von Sensoren wieder, kennzeichnen Pegelstände, Einflüsse von Wind und Wetter. Ein separates Display ermöglicht das Abrufen von Daten einzelner Schiffe, die die AIS-Signale markieren.

Im MSCW, dem Maritimen Simulationszentrum in Warnemünde, erklärt Dipl.-Ing. Tom Dehmel die Möglichkeiten des Vessel Traffic Services Simulators (VTSS). Neben dem Schiffsführungs- und Maschinensimulator ist dieser Simulator die dritte Säule der Ausbildungseinrichtung am Warnemünder Fachbereich Seefahrt der Hochschule Wismar, die miteinander auch koppelbar sind. Der VTSS dient der Aus- und Fortbildung der Nautiker und Assistenten der Verkehrszentralen zwischen Emden und Warnemünde und gehört so auch der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

Hier können Verkehrszentralen in den jeweiligen Revieren mit einer simulierten Verkehrssituation und den dabei herrschenden Umgebungsbedingungen nachgebildet werden. An den insgesamt neun Trainee-Plätzen ist die Funktionalität der Verkehrszentralen darstellbar, wie sie für die Nautiker in den verschiedenen Revieren alltäglich sind, können Ziele verfolgt und Schiffsdaten verarbeitet werden. Zum Training gehört die Erfassung der Situation, ihre Bewertung und Entscheidungsfindung bis hin zu Eingriffen in den Schiffsverkehr.

Ein Schwerpunkt des Trainings, so erklärt Tom Dehmel, sei dabei die Kommunikation zwischen Schiff und Verkehrszentrale. Drei Instruktoren führen von einem Nebenraum Regie, geben die Aufgaben vor, die die Trainees zu lösen haben. Dabei bauen sie auf die Unterstützung erfahrener Nautiker vom Dienst, um die Schwerpunkte der Praxis zu bedienen.

Beim 22. Schifffahrtskolleg vorige Woche in Warnemünde demonstrierte Tom Dehmel nach einem Vortrag vor Ort die Technik des Simulators, der 1998 mit der Fertigstellung des MSCW auch die Fort- und Weiterbildung für das Personal der Verkehrszentralen begann.

Tom Dehmel ist von Anfang an dabei und nahm in einer Arbeitsgruppe mit Herstellern und Nutzern seit 2012 auch an der Erneuerung des VTS-Simulators durch den Bund Anteil, nachdem zuvor bereits Schiffshandling- und Maschinensimulator Verjüngungskuren durchliefen. Inzwischen ist der VTSS in diesem Jahr modernisiert übergeben worden, wobei der „Feinschliff“ durch den Hersteller, die Firma ESG mit den Unterauftragnehmern IN, SCHNOOR und IBM, noch weiter im Gange ist.

Entlang der deutschen Küste hat in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt auch der Ausbau der Verkehrszentralen begonnen und steht nur noch in Emden, Bremen und Warnemünde aus, wo die Vorkehrungen aber auch seit Langem laufen. Am VTS-Simulator finden die Nautiker ihre Reviere virtuell gemäß der originalen Software so vor, wie sie sie kennen und wo ihr Handeln gefragt ist. Und das wird hier entsprechend geübt.

Dehmel nennt Details der Übungen, erklärt, was die Bildschirme darstellen, welche Daten hier abrufbar sind. Von Basic und Traffic, Bewegungsvektoren und konfigurierbaren Systemen ist die Rede, von Links zu den Operateuren wie Häfen, Reedern und Meldungsdiensten.

Der Instruktor macht auch deutlich, dass selbst Technik-Daten manchmal überprüft werden sollten. So bewegte sich unlängst, um ein Beispiel zu nennen, nach AIS-Signalen ein Containerfrachter in Bremerhaven bereits von der Stromkaje, obwohl er noch fest am Kai lag, wie die Kontrolle per Radar ergab. Nicht nur für diese Ausnahmesituation, wo vermutlich ein technisches Problem (GPS an Bord) die Ursache war, ist Kontrolle eben besser als blindes Vertrauen. Und für manche knifflige Aufgabe der Abläufe im Revier macht auch in der Verkehrslenkung Übung den Meister.

Einmal jährlich findet am VTS-Simulator ein Grundlehrgang statt, komplettiert durch sieben zyklische Weiterbildungskurse. Die neuen Arbeitsplätze sind durch eine Schiebetür trennbar. So können beispielsweise die verschiedenen Wachen – sei es nun die aus Brunsbüttel oder Cuxhaven – unabhängig voneinander ihren Übungen nachgehen.

Von 1998 bis 2012 wurden bereits 13 Grundlehrgänge mit 118 Teilnehmern und 110 zyklische Lehrgänge mit 762 Teilnehmern durchgeführt. Mit der neuen anspruchsvollen Technik wird daran nun in neuer Qualität angeknüpft, verdeutlichten die Simulator-Einblicke beim 22. Warnemünder Schifffahrtskolleg.

Wie bei den Lotsen dürfte auch für die Schifffahrtsverwaltungen die Personalfrage in der Zukunft ohnehin zum Problem werden, wenn die Dezimierung der deutschen Flotte nicht gestoppt und das Nachwuchspozential aus der Schifffahrt immer kleiner wird.

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