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Wir können richtig

04. Dezember 2016 | 04:55 Uhr

#wirkoennenrichtig : „Bonus-Oma“ ist ein Teil der Familie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In Rostock werden Großeltern als Paten gesucht. Seniorenbeirat will Isolation im Alter gegenwirken. Zahlreiche erfolgreiche Vermittlungen.

Mit einer stürmischen Umarmung und einem strahlenden Lächeln fällt Emma ihrer Oma Inge um den Hals. Das ist nicht selbstverständlich, denn das sechsjährige Mädchen und die Seniorin sind nicht verwandt. Zusammengebracht wurden sie vor fast zwei Jahren durch das Projekt Großeltern-Paten des Rostocker Seniorenbeirates.

„Wir wurden von Älteren oft angesprochen, weil ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fällt und sie das Gefühl vermissen, gebraucht zu werden“, sagt Initiatorin Irmtraud Thomsen, die im Seniorenbeirat die Arbeitsgruppe Gesundheit, Soziales und Wohnen im Alter leitet. Das Projekt sollte der Isolation im Alter entgegenwirken. Mittlerweile hätten sich aber so viele junge Familien gemeldet, dass es an bereitwilligen Senioren mangelt.

Auch Mathias Lischke aus Gehlsdorf hat lange warten müssen, bis eine Paten-Oma für seine Töchter Emma und Sophia (bald zwei) gefunden wurde. Weil sie in Schichten arbeiten und die eigenen Eltern weit weg leben, hätten er und seine Frau Kontakt zum Seniorenbeirat aufgenommen. Als Irmtraud Thomsen ihnen eine mögliche Paten-Oma vorschlug, hätte es gleich gepasst und die Kinder sie gut angenommen.

Wie genau die Patenschaft mit Leben gefüllt wird, klären die Familien mit den Senioren ganz individuell. Geld fließt dabei keines – es geht aber auch nicht darum, einen gratis Babysitter zu finden. „Ich helfe Oma Inge zum Beispiel im Garten“, nennt Lischke ein Beispiel der gegenseitigen Unterstützung. Pluspunkt für die Senioren sei auch der Familienanschluss, sagt Irmtraud Thomsen. Die Organisatoren vom Seniorenbeirat vermitteln nicht nur Patenschaften und unterstützen das Kennenlernen, sondern stehen jederzeit als Ansprechpartner bereit. Auch, wenn eine Patenschaft nicht mehr funktioniert. So wie bei Beatrice Zwiebler und Tochter Lucy. „Mir ging es gar nicht um Betreuungshilfe für mein Kind, sondern um gemeinsame Zeit, bei der auch ich willkommen bin“, sagt die alleinerziehende Mutter. Ihre Ansprüche hätten deshalb nicht mit denen des älteren Paares zusammengepasst, das ihr vermittelt wurde.

„Manchmal stimmt die Chemie eben nicht. Und das wichtigste und diejenigen, die entscheiden, sind immer die Kinder“, sagt Irmtraud Thomsen. Sie ist zuversichtlich, dass sich für Familie Zwiebler noch Paten finden. Auch, weil sie auf viele erfolgreiche Vermittlungen zurückblicken kann.

Wie die von Ingrid Trottnow. „Ich habe in den NNN von dem Angebot gelesen und mich gemeldet“, so die 61-Jährige rückblickend. Für die zweifache Mutter in Altersteilzeit, die noch keine eigenen Enkel hat, wurden gleich zwei Wirbelwinde gefunden. Mit Jessica und Oliver Ulrich verbringt die gelernte Elektromonteurin jetzt einen Großteil ihrer Freizeit. „Wir spielen Fußball, gehen in die Bibliothek, ins Kino oder zu Sportveranstaltungen – man bleibt dabei jung und lernt immer etwas dazu“, sagt die Rostockerin. Für die Eltern der Kinder sei die Paten-Oma, die auch die leiblichen Großeltern kennt und von ihnen akzeptiert wird, eine große Hilfe. „Wichtig ist aber, dass man im Vorfeld genau die Erwartungen beider Seiten abklärt und viel miteinander redet“, gibt Jana Ulrich einen Tipp an künftige Patenschaftsteilnehmer.

Der schönste Lohn für Ingrid Trottnow ist das Lachen der Kinder. „Und dass die Mitschüler von Oliver mal gefragt haben, wo man so eine ,Bonus-Oma’ kaufen könnte“, sagt sie lachend. Wohlwissend, dass das, was sie und die Familie verbindet, unbezahlbar ist.

Kontakt: 0381/4008299

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erstellt am 19.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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