zur Navigation springen

Wir können richtig

10. Dezember 2016 | 13:48 Uhr

#wirkoennenrichtighafen : „Berlin“-Crew probt den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Heute findet eine Rettungsübung im Rostocker Seehafen statt. Senior-Kapitän Hartmut Adam über Bewährungsproben der neuen Scandlines-Fähre.

Am Liegeplatz 66 im Rostocker Seehafen wird heute Nachmittag an Bord der neuen Scandlines-Fähre „Berlin“ Alarm gegeben. Das große Marine-Evakuierungs-System (MES) wird zu Wasser gebracht. Sowohl Seeleute als auch Catering-Personal sind dann auf ihren Manöverstationen, müssen im zünftigen „Outfit“ über die große Rutsche ins Rettungsboot, haben seemännische Fertigkeiten zu beweisen. Die Crew um Senior-Kapitän Hartmut Adam probt den Ernstfall. Für den Fall der Fälle heißt es gerüstet zu sein. Schließlich ist für das Wohl von bis zu 1300 Passagieren Sorge zu tragen, wenn die Fähre pendelt. Trotz der im Alltag entstehenden Routine sei Wachsamkeit und Konzentration oberstes Gebot, betont Adam und schärft das auch seinen Kollegen immer wieder ein.

Der 52-jährige in Neubukow heimische Nautiker arbeitet seit 1999 bei Scandlines. Nach Absolvierung der Seefahrtsschule in Warnemünde war er für die Reederei Leonhardt & Blumberg weltweit auf großer Fahrt und in der Nautischen Inspektion tätig. In der Fährschifffahrt fing er auf der alten „Rügen“ im Bornholm-Verkehr an, wurde Kapitän auf der „Sassnitz“ und führte schließlich die „Aurora“ zwischen Schweden und England sowie Finnland und Rostock. Seit 2006 wurde das Flottenmanagement sein Arbeitsfeld. Zur Crew gehören insgesamt zwölf Seeleute sowie entsprechend der Auslastung des Schiffes bis zu 30 Beschäftigte im Catering.

Zwischen Gedser und Rostock erfolgen mit der „Berlin“ täglich zehn Abfahrten. Am reedereieigenen Simulator hatte sich die Besatzung auf den Einsatz der mit neuer Technik gespickten Hybridfähre vorbereitet. Das Besondere des Schiffes ist ein Mix aus diesel-elektrischem Antrieb und Batteriebetrieb. Darauf war sich ebenso erst einzustellen wie auf das automatische Festmachen (Automooring mit Telemetrie) am Kai, insbesondere auch für die anspruchsvolle Ansteuerung des engen Hafenbeckens in Gedser. Die praktische Seeerprobung aber war wegen verspätet gelieferter Schiffspapiere nur kurz und die Schiffsführung hatte ab Indienststellung im Mai sogleich die Herausforderungen der Saison in anspruchsvollem Zeitrahmen (Be- und Entladen in 15 Minuten) und voller Ladung zu bestehen.

Da summierten sich anfänglich im Verlaufe des Tages Verspätungen, gab es Ärger mit den schwarzen Abgasfahnen. Mit dem Einfuchsen auf die neue Schiffstechnik und dem Abebben des Urlauberansturms wuchs die Fahrplantreue. Auch für die ärgerliche Rußwolke beim Umschalten von Diesel- auf Batteriebetrieb ist eine Lösung in Sicht. Die Einspritzdüsen sind das Problem, die eigentlich zukunftsweisend gedachte Entwicklung des Common Rail-System von MaK erfüllte nicht die Erwartungen und muss durch eine bewährte Anlage ersetzt werden. Das soll während der Werftzeit der „Berlin“ nach Indienststellung der „Copenhagen“ im Januar in Monkebu geschehen – voraussichtlich vom 19. Januar bis 2. Februar. Dann werden – wie beim Schwesterschiff, wo das gleich zu Dienstbeginn erfolgt – bereits installierte Abgaswäscher (Scrubber) in Betrieb genommen.

Hartmut Adam und seine Kollegen können schon jetzt neben den Ladungsrekorden auf weitere Effekte verweisen. Bis zu 25 bis 30 Prozent weniger Sprit werden verbrannt. Das Be- und Entladen unterschreitet manchmal sogar schon deutlich den anspruchsvollen Zeitrahmen. Der Batteriebetrieb, der in Rostock mit einer Leistung von 4000 kW einen Betrieb über 17 bis 18 Minuten ermöglicht, ist ausbaubar. Auf der Vogelfluglinie ist die Ausrüstung der Fähren mit einem zusätzlichen Energiespeichersystem geplant. „Wir sind, unterstützt von der EU, mit unseren Technologien Vorreiter“, freut sich der Senior-Kapitän.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen