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Wir können richtig

08. Dezember 2016 | 23:06 Uhr

Kempowski-Tage 2016 in Rostock : Alle Facetten von Flucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

#wirkoennenrichtigheimat Kempowski-Tage 2016 bilden Schicksale ab – von der NS-Zeit bis ins Heute

Als sich Katrin Möller-Funck vor mehr als einem Jahr Gedanken darüber machte, unter welchem Motto die Kempowski-Tage 2016 stehen sollten, da fiel ihre Wahl auf den Roman „Alles umsonst“. „Weil es eins der besten Werke von Walter Kempowski ist und trotzdem nicht so richtig wahrgenommen wird“, begründet die Leiterin des Kempowski-Archivs Rostock. In dem letzten Roman des Schriftstellers geht es um die Themen Flucht und Vertreibung. Doch dann kam der Herbst 2015 und mit ihm Zehntausende Flüchtlinge, die durch Rostock nach Skandinavien zogen, zum Teil aber auch hier ein neues Zuhause fanden. „Und dann war alles anders. Es wäre zu einseitig gewesen, nur den Roman in den Fokus zu stellen“, sagt Möller-Funck.

Sie dachte das Konzept neu, brach das Thema auf, wie sie sagt. „Ich will möglichst viele Facetten von Flucht zeigen, ohne dass wir uns dabei auf die aktuellen Ereignisse beschränken“, sagt sie. Zusammen mit den Kooperationspartnern Literaturhaus, Universitätsbibliothek, Hugendubel, Andere Buchhandlung, Theologische Fakultät, Akademie der Nordkirche, Johnson-Gesellschaft, Liwu und Max-Samuel-Haus hat das Kempowski-Archiv nun ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Die Kempowski-Tage „Alles umsonst. Geflüchtet und vertrieben“ beginnen am 24. Oktober.

Los geht es mit einer Lesung von Cornelia Schmalz-Jacobsen. Sie berichtet in ihren Erinnerungen vom Sommer 1945, den sie als Zehnjährige bei Verwandten auf dem Darß verbrachte. Das Kriegsende und den Anmarsch der Russen erlebte sie als Befreiung – ihre Eltern waren aktive Nazi-Gegner.

Im weiteren Verlauf der Woche beleuchten die Kempowski-Tage das Schicksal der Ostseeflüchtlinge aus der DDR in einem Vortrag von Dr. Volker Höffer, das Leiden von Menschen, die über das Mittelmeer flüchten und auf Lampedusa stranden in einem Film im Liwu oder auch die Geschichte der jüdischen Rostockerin Anna Weißmann, die 1996 vor dem Bürgerkrieg in Moldawien flüchtete. Der Autor Jan Böttcher erzählt in seinem Roman die Geschichte eines Paares, das das Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit aufreibt – sie ist aus dem Kosovo geflüchtet, lernt ihn in Deutschland kennen. Das Thema Flucht und Familie greift Akos Doma in seiner Lesung auf. Sein Roman „Der Weg der Wünsche“ schildert die Geschichte einer Familie, die aus dem sozialistischen Ungarn flieht und in einem italienischen Auffanglager landet.

Die Kempowski-Tage 2016 wollen Flucht und Vertreibung in ihrer ganzen Komplexität zeigen, mit allem, was damit zusammenhängt. „Dabei wende ich das Prinzip Kempowskis an: Wir zeigen, schildern, bilden ab, aber nehmen uns dabei zurück. Ich will nicht den moralischen Zeigefinger erheben. Jeder soll sich selbst ein Bild machen und sich dann eine Meinung bilden“, sagt Organisatorin Katrin Möller-Funck.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 12:02 Uhr

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