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Norddeutsche Neueste Nachrichten

08. Dezember 2016 | 19:10 Uhr

Nicht genug Fahrgäste : Werden nach der Wahl Bahnhöfe geschlossen?

vom

Der Bahnkundenverband fürchtet Einschnitte, das Verkehrsministerium wiegelt ab.

Potsdam Haltepunkte von A wie Alt Rosenthal (Märkisch-Oderland) bis Z wie Zellendorf (Teltow-Fläming) haben eines gemeinsam: Nach Erhebungen des Landes steigen an diesen kleinen Bahnstationen nicht einmal 50 Reisende am Tag ein und aus. „Über ihnen schwebt das Damoklesschwert“, sagt Frank Böhnke, Landesvorsitzender des Bahnkundenverbands DBV.

73 solcher Wackelkandidaten gibt es inzwischen, ihre Zahl in der Fläche steigt – und damit die Gefahr, spätestens im nächsten Landesnahverkehrsplan ausradiert zu werden. Böhnke geht davon aus, dass das Land in Bezug auf die schwach frequentierten Stationen „zwischen Landtagswahl und Fahrplanwechsel die Katze aus dem Sack“ lassen wird. „Minister Vogelsänger will Geld sparen, davon geht er nicht ab“, sagt Böhnke. Den Verweis des Verkehrsministeriums auf den bis 2017 gültigen Landesnahverkehrsplan lässt Böhnke nicht gelten: „Dort steht, dass alle Zusagen unter dem Vorbehalt der Finanzierung stehen“, kontert Böhnke.

Nahverkehr lebt

von ZuschüssenDie rot-rote Landesregierung muss den Bürgern vor den Landtagswahlen reinen Wein einschenken“, fordert der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen. Infrastrukturentscheidungen seien für viele wahlentscheidend.

Mitte Juli wissen Land und Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mehr. Dann geht es auf der Verkehrsministerkonferenz der Länder mit der Verteilung der Regionalisierungsmittel um die Zukunft des Nahverkehrs. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, die in Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr mit 1,2 Milliarden Euro zwar rekordverdächtig waren, decken nach Aussagen von VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel die Kosten im Öffentlichen Personennahverkehr nicht mal zur Hälfte. Den Rest zahlen die Länder durch Zuschüsse – größtenteils Regionalisierungsmittel, die der Bund ihnen überweist.

Deren Höhe ist das große Fragezeichen. Bislang waren es jährlich rund 400 Millionen Euro, doch der derzeitige Verteilungsschlüssel werde durch die Bundesregierung geprüft. „Davon hängt ab, wie viel Leistung im Schienenverkehr wir als Land zukünftig bestellen können“, sagt Lothar Wiegand, Sprecher des Verkehrsministeriums. Der Bahnkundenverband befürchtet, dass bei weniger Geld vom Bund Haltepunkte mit wenig Reisenden gestrichen werden. Die Aussage im Landesverkehrsplan, dass die kritischen 73 Stationen im Regionalnetz mit weniger als 50 Ein- und Aussteigern nur 2,8 Prozent der Verkehrsleistungen erbringen, deutet Böhnke als düsteres Vorzeichen.

Das Ministerium wiegelt ab: „Dass schwach genutzte Bahnhöfe beobachtet werden, haben wir bereits vor Jahren kommuniziert, um mit den Kommunen und den Landkreisen darüber ins Gespräch zu kommen“, sagt Wiegand. Nun wolle man mit den Landkreisen überlegen, wie man „mehr Fahrgäste zu günstigen Zeiten zu den Bahnhöfen“ bringen kann.  „Wir können es uns nicht leisten, warme Luft durch das Land fahren zu lassen.“                    

 

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erstellt am 02.Jul.2014 | 08:38 Uhr

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