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Norddeutsche Neueste Nachrichten

08. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Warnemünde : „WC gehört zur Qualität am Strand“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Unternehmer Claus R. Madsen will ein Beispiel sein

Mit dem menschlichen Geschäft lässt sich keine goldene Nase verdienen. Das denken viele. Dass sie mit diesem Glauben auf dem Irrweg sind, das erläuterte Unternehmer Claus Ruhe Madsen bei der Ortsbeiratssitzung. Der Chef von Wikinger-Möbel betreibt seit einigen Jahren am AOK-Active Beach den Imbiss Wikinger Gestrandet. „Anfangs war das eher eine Sponsorleistung, inzwischen erzielen wir Gewinn“, rechnete der Unternehmer im Beirat vor Weil sein Anspruch an Qualität hoch ist, hat er – auch auf Bitten der Tourismuszentrale – im vergangenen Jahr auf eigene Kosten eine hochwertige Toilettenanlage angeschafft. 22 698 Euro hat er investiert, es wäre noch teurer, wenn er nicht vieles selbst hätte bauen lassen.

„Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, für das Betreiben einer Toilette Personal zu finden“, sagt er. Selbst für elf Euro pro Stunde war das schwierig, während es für die Strandversorgung einfach ist, motivierte junge Leute zu bekommen. Auch für Personalkosten fallen über 17 000 Euro an, Verbrauchsmaterialien wie Toilettenpapier und anderes schlagen mit 1500 Euro zu Buche. Von den 50 Cent gehen acht Cent Mehrwertsteuer weg, es bleiben 42. „Um ein rentables Geschäft zu machen, werden 53 298 Nutzer benötigt“, sagt Madsen, der für den Ortsbeirat und alle Besucher anbot, seine Bilanzen einzusehen.

Der gebürtige Däne erklärte auch, warum er das tut: „Ich lebe in Warnemünde, habe hier eine Familie und fühle mich wohl, ich will auch etwas zur Qualität im Ort beitragen“, sagt er. Außerdem sieht er von seiner Wohnung aus, wie täglich im Stephan-Jantzen-Park vor seinem Fenster Besucher das kleine und große Geschäft erledigen. Deshalb könne das Thema Toiletten nicht ernst genug genommen werden.

Im kommenden Jahr will Madsen noch einen Schritt weiter gehen: Dann sollen für die Nutzer des AOK Activ Beach die Toiletten-Nutzung kostenlos sein und die anderen zahlen 50 Cent. Eine Kontrolle wird es nicht geben. Da setzt Däne Madsen auf die Ehre. Und er hofft, dass sich die Besucher dann vielleicht ein Käffchen mehr gönnen, weil sie ja die Toilette in der Nähe haben. Als Familienvater begrüßt er es, wenn sich Kinder und Jugendliche bewegen und etwas Sinnvolles in der Freizeit tun, statt nur vom Computer rumzuhängen. „Ich hoffe, dass noch mehr Unternehmer diesem Beispiel folgen und so das Image von Warnemünde aufwerten“, sagt er. Eine Hoffnung teilt Madsen mit anderen Strandbewirtschaftern. „Es wäre für Investitionen gut, wenn es einen B-Plan und langfristigere Verträge gibt“, sagt er. Außerdem wäre es sinnvoll, wenn dauerhaft Kabel gelegt werden. Allein für 270 Meter muss Madsen jährlich 4500 Euro löhnen. „Ich will es nicht umsonst, aber es wäre leichter, wenn sie nicht jedes Jahr neu gelegt werden müssten“, sagt er.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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