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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2016 | 14:51 Uhr

Blick des Experten : „Was haben wir denn da?“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Kulturhistorische Museum prüft für Neugierige einmal im Jahr Kunst, Münzen und andere Fundstücke.

Steffen Stuth holt die Lupe raus. „Na, was haben wir denn da?“ Auf dem Holztisch im Büro des Leiters des Kulturhistorischen Museums liegt ein Orden. Papier, Stoff und Silberdraht formen ein etwa mausgroßes Oval. Es ist bestickt mit silberfarbenen Pailletten. Ein Laie könnte es für einen Militärorden halten, vielleicht von einem hochrangigen Offizier.

Stuth hat eine andere Idee. Er inspiziert den Orden. Mit der Lupe wandert sein Blick über jedes Detail. Dann steht der Historiker auf und setzt sich an seinen Computer, vergleicht Bilder im Internet mit dem Fundstück auf seinem Tisch. Nach einiger Zeit sagt er: „Ich denke, es handelt sich um einen Mecklenburgischen Klosterorden aus dem 18 Jahrhundert.“

Der Besitzer des Schmuckstücks quittiert diese Aussage mit einem Lächeln. Marcel Stoll hat den Orden durch Zufall bei einer Haushaltsauflösung gefunden. „Danach lag das Ding zehn Jahre bei mir zu Hause in einer Kiste rum. Ich hatte es eigentlich schon vergessen“, sagt der 35-jährige Rostocker. Bei seinem Umzug habe er den Orden wiedergefunden und sich gefragt, was er wohl wert sei, erklärt der gelernte Fassadenreiniger.

Seine eigenen Recherchen laufen ins Leere. Also macht er sich gestern Nachmittag auf den Weg ins Kulturhistorische Museum. Einmal im Jahr begutachten dort die Wissenschaftler des Museums alles, was vermeintlich alt und wertvoll ist, auf Herkunft und Alter. „Das machen wir mittlerweile seit etwa zehn Jahren“, sagt Stuth, „und es wird immer sehr gut angenommen. Im Schnitt kommen 50 bis 100 Neugierige. Teilweise reisen die Leute extra aus ganz Mecklenburg-Vorpommern an.

Auch gestern ist die Warteschlange der Neugierigen lang. Die meisten Leute haben Gemälde dabei. „Bilder sind am häufigsten“, berichtet Stuth, „aber wir haben auch schon Münzen, Besteck und sogar Handschuhspanner begutachtet“. Überprüft wird dabei nur, ob die Fundstücke selten sind – nicht, ob sie auch viel wert sind. Deshalb spricht Stuth auch nicht über Geld, als er den historischen Klosterorden an Marcel Stoll zurückgibt. Aber so viel verrät er dann schon: „Ich denke, dass der Orden mindestens 200 Jahre alt ist und aus dem Kloster Malchow stammt. Der Erhaltungszustand ist ordentlich. Eins steht fest: Dieser Klosterorden ist sehr, sehr selten.“

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