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Norddeutsche Neueste Nachrichten

10. Dezember 2016 | 07:59 Uhr

Wassertaxi in Rostock : „Warum hat uns keiner gefragt?“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Reeder Olaf Schütt zur Neptun Hopper-Idee. Blaue Flotte seit Jahrzehnten auf der Warnow unterwegs. Nachfrage nach Extra-Stopps gering.

Olaf Schütt zeigt auf die NNN-Ausgabe vor ihm auf dem Tisch. „Danach hat mein Telefon oft geklingelt“, sagt der Reeder und tippt auf die Artikel, in denen die Idee des Neptun Hoppers vorgestellt wird – eine Art elektrischer Wasserbus, der zukünftig Rostocker Stadtteile und damit Pendler entlang der Warnow verbinden könnte.

„Da möchte man doch rufen: ,Hallo, es gibt uns doch schon’“, sagt der 53-Jährige, dessen Familie seit Jahrzehnten auf dem Fluss unterwegs ist und mit vier Schiffen der Blauen Flotte den Christinenhafen mit Warnemünde verbindet. Auch Schütt hat schon versucht, seine Route mit Start- und Zielhafen um weitere Haltestellen zu ergänzen, zum Beispiel die Silohalbinsel oder den IGA-Park. „Aber die Nachfrage ist nicht da“, bilanziert er. Im Bestand der Reederei wäre sogar noch der alte Fahrplan mit den An- und Abfahrtszeiten für den IGA-Park.

Im Lauf der Jahre hat Schütt viele Ideen rund um den Fluss aufkeimen und später doch scheitern sehen. Den Neptun Hopper betrachtet er deshalb mit Gelassenheit. Vor allem die Idee, diese Elektro-Schiffe für den Pendler-Verkehr einzusetzen, hält der Reeder und Kapitän für wenig realistisch. „Wenn wir die Warnow mit sechseinhalb Knoten vom Christinenhafen nach Warnemünde fahren, brauchen wir dafür allein eine Stunde. Jeder Haltepunkt würde diese Zeit noch verlängern“, erklärt der Gehlsdorfer und setzt nach: „Wer soll das denn nutzen? Dafür ist das Nahverkehrsnetz in Rostock viel zu gut ausgebaut“.

Dass es Pläne für Elektro-Schifffahrt auf der Warnow gibt, findet Schütt grundsätzlich gut. Was ihn nur verwundert, ist, „dass keiner auf die Idee gekommen ist, auch mal die Reeder zu fragen, deren Kerngeschäft das schon ist“. In den vergangenen 20 Jahren hätte seine Familie in die Blaue Flotte rund acht Millionen Euro investiert. Täglich würden in der Hauptsaison von März bis Oktober im Schnitt 500 Passagiere von Warnemünde in die Stadt und zurück gebracht. „Das sind 250 Pkw, die stehen bleiben und Kaufkraft für die Innenstadt“, so Schütt. Einer Umstellung auf Elektro-Betrieb stünde er offen gegenüber, wenn es entsprechende Fördermittel und Unterstützung gibt – die ja auch der Neptun Hopper bräuchte.

 

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erstellt am 15.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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